Aleksandar Vukotic wird bei Darmstadt 98 vom Buh-Mann zum Erlöser
Und dann musste noch einmal alles raus bei Aleksandar Vukotic. Es lief die letzte Minute der Partie. Kiels Phil Harres suchte im Lilien-Strafraum noch einmal den Abschluss, doch Vukotic war zur Stelle und blockt den Schuss zur Ecke. Der Verteidiger, schweißgebadet und mit pochenden Adern übersäht, stürmte schnurstracks auf die Jonathan-Heimes-Tribüne zu, tippte sich mit dem Zeigefinger hart an die Stirn und schrie Unverständliches an einen unbekannten Empfänger. Die Botschaft aber war klar: Seht her! Ich weiß doch, wie es geht! Zwei Tore verschuldet, eins gemacht Beim ersten Saisonspiel des SV Darmstadt 98 spielte Aleksandar Vukotic die Hauptrolle – im negativen wie im positiven Sinne. Beim 2:2 gegen Holstein Kiel (0:2) verschuldete der Serbe gleich beide Gegentore, leitete das 0:1 von Guillermo Balzi mit einem Fehlpass ein (8. Minute) und verlor beim Kopfballtreffer von Harres eben jenen aus den Augen (42.). In Halbzeit zwei war Unglücksrabe Vukotic dann aber hellwach, stellte nach dem Anschlusstreffer von Neuzugang Ho-Jae Lee (76.) nach einer Ecke per Kopf auf 2:2 (86.). Und dann, in der 95. Minute, sicherte er seiner Mannschaft mit seiner starken Defensivaktion gegen Harres den ersten Punkt der neuen Spielzeit. Aus den Fehlern lernen "Das ist eine gute Frage", sagte Vukotic dann später auf die Frage, ob er den Lilien nun wirklich einen Punkt gerettet oder nicht doch welche gekostet hatte. Der 31-Jährige, der beide Gegentore klar auf seine Kappe nahm, versuchte jedenfalls, positiv zu bleiben. "Vielleicht ist es gut, dass mir diese Fehler jetzt gleich am Anfang passieren. So kann ich drüber nachdenken und dafür sorgen, dass mir so etwas in der Zukunft nicht noch einmal passiert." Bei den Lilien macht man sich darüber keine Sorgen. Trainer Florian Kohfeldt versicherte mit einem Augenzwinkern, dass er Vukotic auch dann noch liebhätte, wenn ihm nicht noch das 2:2 gelungen wäre. Und Marcel Schuhen machte noch einmal darauf aufmerksam, dass der hünenhafte Serbe zuletzt eine schwierige Zeit durchgemacht hat. "Eine ganz spezielle Geschichte" Vukotic hatte im Spätherbst vergangenen Jahres seinen Stammplatz an Matej Maglica verloren. Ebenjener Maglica steht nun aber vor einem Wechsel zu einem anderen Verein (1. FC Kaiserslautern), gehörte gegen Kiel schon nicht mehr zum Aufgebot der Lilien. Der Profiteur: Vukotic, der gegen die Störche zurück in die erste Elf rückte. "Das ist eine spezielle Geschichte heute. Er hat sich immer super professionell verhalten, heute endlich wieder gespielt und macht dann das 2:2", sagte Kapitän Schuhen. "Das sind Geschichten und Momente, die nicht nur für ihn gut sind, sondern für unsere ganze Gruppe." In Darmstadt hoffen sie, dass der späte Punktgewinn dem Team einen Extra-Schub für die Saison gibt. Zu dieser speziellen Geschichte gehört auch, dass Vukotic nach dem Spiel das Trikot von Maglica trug. Seines habe er einem Fan geschenkt, sagte der 2,01 Meter große Verteidiger. Er habe also Ersatz gebraucht. Und Maglica sei eben der einzige, dessen Trikot ihm ebenfalls passe. Als Hommage wollte Vukotic das nicht verstanden wissen. "Nein, nein. Ich vermisse ihn nicht. Warum sollte ich? Ich spiele ja jetzt", sagte er und grinste.