Alice Weidel verliert Fassung im Interview mit Dunja Hayali im ZDF
Zehntausende Menschen haben sich an Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt beteiligt. Nach Angaben der Polizei kamen rund 31.000 Menschen zu Demonstrationszügen, Kundgebungen und Sitzblockaden. Die Polizei spricht von weitgehend friedlichen Protesten - bei Zehntausenden Demonstranten wurden demnach nur 48 Straftaten und elf Ordnungswidrigkeiten gezählt. Trotz dieser offiziellen Einschätzung der Polizei ordnet AfD-Co-Chefin Alice Weidel die Proteste als gewalttätig ein. In einem Interview mit Dunja Hayali zum Parteitag und ebendiesen weitgehend friedlichen Protesten verliert Weidel, die beim Parteitag in Erfurt mit 81,3 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde, die Fassung.
Unbequemen Fragen der ZDF-Moderatorin weicht Alice Weidel aus, sie spricht zudem mehrfach dazwischen. Fragen bezeichnet sie als unprofessionell sowie als „Framing“ – Framing (von engl. frame = Rahmen) beschreibt, dass ein Sachverhalt oder eine Information kontextualisiert wird, um die menschliche Wahrnehmung zu lenken. Auf Fragen reagiert Weidel zudem mit Gegenfragen. Dunja Hayali bleibt souverän – es ist auch nicht der erste Schlagabtausch der Moderatorin mit der AfD-Co-Chefin. So erläutert Hayali Weidel wiederholt, warum sie eine bestimmte Frage stellt - beispielsweise zum AfD-Landeschef in Thüringen, Stefan Möller, der jetzt im Bundesvorstand der Partei sitzt und die AfD noch weiter radikalisieren will. Wie steht Weidel zu dem Wunsch nach mehr Radikalisierung in der AfD - und wie wird sich das auf die AfD generell auswirken? Eine klare Antwort gibt Weidel dazu nicht. „Dass hier die AfD oder Teile der Alternative für Deutschland Rechtsextremisten sind, weise ich aufs Schärfste zurück“, sagt sie dazu - trotz entsprechender Gerichtsurteile. Hier ist das Interview von Alice Weidel mit Hayali ab Minute vier zu sehen.
Die Demonstrationen seien bisher weitgehend friedlich verlaufen, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) der Deutschen Presse-Agentur am Mittag. „Man kann zufrieden sein. Es ist bunt und laut.“ Er hoffe, dass auch die weiteren geplanten Aktionen bis Sonntag gewaltfrei blieben, so der Minister. Im Vorfeld hatte es nach Aufrufen im Internet Befürchtungen gegeben, dass es auch zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen könnte.
Das Bündnis „Widersetzen“ hatte angekündigt, mit Blockaden den Parteitag verhindern zu wollen. Es zeigte sich trotz des pünktlichen Beginns des AfD-Parteitags aber zufrieden: „Das waren die größten Blockaden, die wir je auf die Beine gestellt haben. Die antifaschistische Bewegung geht gestärkt aus diesem Tag“, sagte Noa Sander von „Widersetzen“. Die Blockade auf der A71 wurde von den Aktivisten am Mittag selbst aufgelöst, am Nachmittag war die Autobahn laut Stadt wieder für den Verkehr frei. Einige Aktivisten klebten sich an einem zentralen Platz in der Innenstadt an Straßenbahnschienen fest oder ließen sich von einer Brücke herab.