Allein 1.000 Personen nur in Leipzig: Brutale syrische Clans breiten sich immer weiter aus
DRESDEN. In Sachsen haben sich nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes kriminelle Strukturen innerhalb mehrerer syrischer Großfamilien etabliert. Allein im Raum Leipzig rechnet die Polizei mit 700 bis 1.000 Personen, die dem Clan-Milieu zugerechnet werden. Im Mittelpunkt stehen vier Familienverbände. Rund 130 Personen aus diesem Umfeld seien bereits wegen Straftaten polizeibekannt, sagt Raiko Märtins, Leiter des Dezernats Organisierte Kriminalität beim LKA Sachsen dem Focus. Das Spektrum reicht nach seinen Angaben von Gewaltdelikten und Drogenhandel über Geldwäsche und Schleusungskriminalität bis hin zu Steuer- und Sozialbetrug. Auch Schusswaffen seien bei Einsätzen sichergestellt worden. Die Ermittler beobachten zudem, dass Familienmitglieder Gewerbebetriebe anmelden und teilweise als Strohmänner auftreten. Drogen würden beispielsweise aus Hinterzimmern von Spätverkaufsstellen oder Bars heraus verkauft. Andere Angehörige meldeten Fahrzeuge oder Konten auf ihren Namen an und hielten Vermögenswerte für Familienmitglieder. Drei Frauen, 32 Kinder und 25 Enkel Welche Dimension einzelne Familien erreichen, schildert Märtins am Beispiel einer syrischen Großfamilie mit mehr als 60 Mitgliedern. Zu ihr gehöre ein Mann, der nach islamischem Recht mit mindestens drei Frauen verheiratet sei und mindestens 32 Kinder habe. Darüber hinaus seien der Polizei mindestens 25 Enkelkinder in Sachsen bekannt. Fast zwei Drittel der Angehörigen dieser Kernfamilie seien bereits mit Straftaten aufgefallen, teilweise mehrfach. Die Zahl der registrierten Delikte liege im dreistelligen Bereich. Einzelne Familienmitglieder seien wegen schwerer Gewalt- und Drogendelikte bekannt. Ein Leipziger Richter sprach im Zusammenhang mit einem Mitglied dieser Familie bereits von einer „Parallelgesellschaft ohne jedes Integrationsbemühen“. Märtins sieht das Problem über den Einzelfall hinaus. Clanmitglieder finanzierten ihr Leben teilweise mit illegalen Geschäften, akzeptierten die deutsche Justiz nicht und setzten stattdessen auf eigene „Friedensrichter“. „Im Grunde genommen verachten sie unseren Staat, unser gesamtes System“, sagte der Ermittler. Sozialleistungen und Millionen-Geschäfte Seit Oktober 2023 arbeitet in Sachsen eine eigene „Task Force Clan“, in der unter anderem LKA, Bundespolizei, Finanzamt, Zoll und Steuerfahndung zusammenarbeiten. Ein Schwerpunkt liegt auf Sozialbetrug. Nach Angaben des LKA erkennen Jobcenter und andere Behörden häufig nicht, dass Antragsteller mit unterschiedlichen Namen derselben Familie angehören und womöglich gar keinen Anspruch auf Leistungen haben. Seit Gründung der Task Force gab es rund 40 größere Einsätze. Ermittler gehen davon aus, dass einzelne Clanstrukturen mit illegalen Geschäften Millionenbeträge erwirtschaften. Teile des Geldes würden über das in Deutschland verbotene Hawala-System ins Ausland transferiert oder beispielsweise in Immobilien in Dubai investiert. Märtins fordert deshalb ein konsequentes Vorgehen auch bei kleineren Verstößen. „Wir brauchen eine Null-Toleranz-Strategie“, so der LKA-Beamte. (rr)