Allen Mitarbeitern gekündigt: Schock im Hellweg in Lüdenscheid
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Lüdenscheid
Allen Mitarbeitern gekündigt: Schock im Hellweg in Lüdenscheid
Von: Jan Schmitz
Hellweg hat in der Lüdenscheider Filiale nach eigenen Angaben allen Mitarbeitern gekündigt. Vorsorglich, heißt es. Doch die Hoffnung schwindet.
Lüdenscheid/Dortmund – Nach dem Baumarkt-Beben im Juni folgt der Schock im August. Die Hellweg Die Profi-Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG („Hellweg“) hat eigenen Angaben zufolge allen Mitarbeitern des Hellweg-Standorts in Lüdenscheid gekündigt – zum 30. November 2026. Die Mitarbeiter seien am Freitag über die aktuelle Entwicklung informiert worden.
Das Unternehmen betont, dass die Kündigungen vorsorglich ausgesprochen wurden. Sollte in den kommenden Wochen noch ein Investor gefunden werden, könnten diese zurückgenommen werden. Die Wahrscheinlichkeit jedoch sinkt, denn der Investorenprozess ist bereits weit fortgeschritten. Am Freitag teilte die Baumarkt-Kette mit, welche Hellweg-Filialen gerettet werden konnten, nachdem dort externe Investoren übernommen hatten. Lüdenscheid war nicht dabei.
Schock im Baumarkt: Hellweg kündigt allen Mitarbeitern in Lüdenscheid
In dem Markt an der Hohen Steinert wollte beziehungsweise durfte man sich am Freitag nicht zu der aktuellen Entwicklung äußern. Eine Mitarbeiterin verwies am Telefon auf die Zentrale in Dortmund, wo die Kommunikation im laufenden Eigenverwaltungsverfahren von Hellweg und der mit Hellweg verbundenen Baumarkt-Kette BayWa, die Märkte in Süddeutschland betreibt, zusammenläuft. Von dort aus ließ das Unternehmen am Freitagmorgen die Bombe platzen, die einen Großteil der noch 2900 Mitarbeiter unmittelbar betrifft.
Lediglich für 18 Hellweg-Märkte wurde ein Investor gefunden. Darunter befindet sich auch die Filiale in Iserlohn. Die Mitarbeiter von 49 Hellweg-Märkten hingegen stehen einmal mehr vor einer ungewissen Zukunft. Bereits seit drei Monaten beziehen sie Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur. Nach dessen Auslaufen muss nun Hellweg wieder die Gehälter zahlen, hat mit der Kündigung aber bereits Fakten geschaffen.
„Die vorsorglichen Kündigungen sind notwendig, um angesichts des laufenden Verfahrens für alle Beteiligten die erforderliche Planungssicherheit zu schaffen. Sie bedeuten zugleich nicht, dass die Bemühungen um weitere Lösungen eingestellt werden. Jede weitere Filiale, die erhalten werden kann, bedeutet zugleich eine Perspektive für die dort beschäftigten Menschen“, wird Co-Sanierungsgeschäftsführer Dr. Karl-Friedrich Curtze in einer Unternehmensmitteilung zitiert.
Über weitere Ergebnisse des Investorenprozesses und die Zukunft der noch nicht abschließend geklärten Standorte würden die Verantwortlichen informieren, für den Fall, dass „noch entsprechende Vereinbarungen getroffen werden“. Die nicht von Investoren übernommenen Filialen werden bis Ende November 2026 geschlossen. Der Geschäftsbetrieb soll dort bis dahin im Rahmen des laufenden Abverkaufs weiterlaufen.
Aus dem Umfeld der Lüdenscheider Filiale war zuletzt zu vernehmen, dass der Markt insgesamt gut aufgestellt und nicht defizitär sei. Entsprechend groß waren die Hoffnungen, dass es doch noch irgendwie weitergeht an der Hohen Steinert. Doch im Investorenprozess fand sich bislang offenbar niemand, der in Lüdenscheid einsteigen wollte. Findet sich keine Lösung, wird der Hellweg Ende November geschlossen. In Lüdenscheid gibt es mit dem Obi-Markt noch einen weiteren Baumarkt.
Vor drei Monaten hatte Hellweg mitgeteilt, dass die Lüdenscheider Filiale genau wie alle weiteren Standorte Teil der Restrukturierungs- und Konsolidierungsbemühungen der Geschäftsführung seien, die „unter Nutzung sanierungsrechtlicher Instrumente konsequent fortgeführt und das Unternehmen nachhaltig neu ausgerichtet werden“. Im Ergebnis findet nun allerdings eine Zerschlagung des Baumarkt-Konzerns statt.
„Unser vorrangiges Ziel war und ist es, möglichst viele Standorte und damit möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Dass dies für einen Teil unseres Filialnetzes gelungen ist, ist angesichts der schwierigen Ausgangslage ein wichtiges Ergebnis des Investorenprozesses“, wird Prof. Dr. Gerrit Hölzle in der Mitteilung zitiert. „Gleichzeitig bedauern wir sehr, dass sich nicht für alle Standorte eine Fortführungsperspektive abzeichnet. Gerade mit Blick auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Unternehmen in den vergangenen Monaten mit großem Einsatz unterstützt haben, ist das eine sehr schwierige Nachricht.“
Die Verfahren von Hellweg und Baywa wurden am Mittwoch (26. August) durch das zuständige Amtsgericht in Essen in Eigenverwaltung eröffnet.
Hellweg-Filialen
Bislang zeichnen sich für folgende Hellweg-Standorte konkrete Fortführungslösungen ab, die teilweise noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe stehen oder von einer finalen Einigung mit dem jeweiligen Vermieter abhängig sind: Beckum, Berlin-Tiergarten, Berlin-Yorckstraße, Brandenburg, Dahlwitz-Hoppegarten, Dorsten, Dortmund-Hacheney, Dortmund-Kley, Essen-Borbeck, Essen-Rellinghausen, Falkensee, Halberstadt, Iserlohn, Mechernich, Münster-Gievenbeck, Potsdam, Schmalkalden, Steinfurt.
Für folgende Hellweg-Märkte gibt es bislang keine Lösung: Ahaus, Ahrensfelde-Blumberg, Arnstadt, Aschersleben, Bad Kissingen, Bad Nenndorf, Berlin-Biesdorf, Berlin-Köpenick, Bocholt, Bochum, Bonn-Beuel, Borken, Bünde, Chemnitz III, Delitzsch, Deulowitz-Guben, Dillenburg, Dortmund-Wambel, Dülmen, Ennepetal, Essen-Kettwig, Freiberg, Greiz, Gronau, Groß-Umstadt, Hamm, Hattingen, Kreuztal, Langenhagen, Leimbach (Bad Salzungen), Leipzig, Lüdenscheid, Lutherstadt Eisleben, Mettmann, Monheim, Nordhausen, Quedlinburg, Recklinghausen, Rheda-Wiedenbrück, Rodewisch, Schwielowsee, Selm, St. Augustin, Staßfurt, Stendal, Wolfenbüttel, Wuppertal, Zeitz, Zwickau