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Plötzlich klingeln Millionen Handys gleichzeitig – was am 10. September in Deutschland passiert

Von: Sven Trautwein

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Die Handys schrillen, die Sirenen heulen: Am 10. September um 11 Uhr testet Deutschland wieder seine Warnsysteme. Was jetzt zu beachten ist.

München – Am Donnerstag (10. September) könnte es in Deutschland kurzzeitig ungewöhnlich laut werden. Um 11 Uhr testen Bund, Länder und Kommunen ihre Warnsysteme; auf vielen Smartphones erscheint eine Probewarnung. Je nach Ort können zusätzlich Sirenen heulen, Radios und Fernseher Hinweise ausspielen oder digitale Stadtinformationstafeln die Meldung zeigen.

Dabei war der Aktionstag selten so aktuell wie in diesem Jahr. Experten stufen die Bedrohungslage in Deutschland als hoch ein: Energieversorger müssen Hackerangriffe abwehren, über Kasernen und Industrieanlagen werden Drohnen gesichtet und die Behörden warnen vor möglichen Sprengstoffanschlägen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte unlängst, es sei jederzeit mit dem Risiko von Anschlägen zu rechnen.

Bundesweiter Warntag: Um 11 Uhr ist der Alarm in ganz Deutschland zu hören

Doch warum schlagen die Geräte nahezu gleichzeitig Alarm – und was passiert, wenn der Ton wieder verstummt? Der Anlass ist der bundesweite Warntag 2026, ein geplanter Probealarm für den Ernstfall. Die Behörden prüfen dabei, ob die verschiedenen Warnwege funktionieren und im richtigen Zusammenspiel möglichst viele Menschen erreichen. Für Nutzer ist wichtig: Der Alarm bedeutet am 10. September keine akute Gefahr. Gegen 11:45 Uhr soll die Entwarnung folgen.

Die zentrale Probewarnung wird um 11 Uhr vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ausgelöst. Auf Smartphones kommt sie vor allem über Cell Broadcast an. Dabei wird eine Nachricht über Mobilfunkzellen an alle empfangsbereiten Geräte in einem bestimmten Gebiet gesendet. Eine Anmeldung ist dafür nicht nötig, auch die Handynummer muss den Behörden nicht bekannt sein.

Eine Warn-App ist für Cell Broadcast grundsätzlich nicht erforderlich. Damit die Meldung ankommt, muss das Handy eingeschaltet sein und darf sich nicht im Flugmodus befinden. Außerdem braucht es ein kompatibles Gerät, ein aktuelles Betriebssystem und aktivierte Notfallwarnungen. Für Android-Geräte wird mindestens Version 11 und für iPhones iOS 16.1 oder neuer benötigt. Ältere Modelle – etwa Apple-Smartphones vor dem iPhone 6s oder frühe Google-Pixel-Modelle – können die Nachricht nicht empfangen.

Cell Broadcast ist dabei keine klassische SMS. Die Warnmeldung erscheint direkt auf dem Bildschirm, wird selbst bei stummgeschalteten Geräten von einem schrillen Ton begleitet und kann nicht beantwortet werden. Wer eine Probewarnung erhält, muss am Warntag nichts weiter tun.

Nicht nur Handys: Diese Warnwege werden getestet

Der bundesweite Warntag setzt nicht allein auf Smartphones. Auch Radio- und Fernsehsender verbreiten amtliche Gefahrendurchsagen. Ergänzend kommen kostenlose Warn-Apps wie „Nina“, „Katwarn“ und „Biwapp“ zum Einsatz. Damit Meldungen zuverlässig ankommen, sollten Nutzer vorab Push-Benachrichtigungen und standortbezogene Warnungen aktivieren – bei „Katwarn“ heißt diese Funktion „Schutzengel“, bei „Nina“ heißt sie „aktueller Standort“ und „Wächter“ bei „Biwapp“.

Bei den Sirenen entscheiden die Kommunen selbst über eine Teilnahme. In Bayern gelten dafür klare Signale: Ein einminütiger, auf- und abschwellender Heulton bedeutet eine Warnung der Bevölkerung, bei der das Radio eingeschaltet werden sollte. Für die Entwarnung steht ein einminütiger Dauerton, während drei Dauertöne von je zwölf Sekunden der Alarmierung von Einsatzkräften dienen.

Nicht überall werden jedoch Sirenen zu hören sein: In der Landeshauptstadt München heult keine einzige Sirene, da das Netz nach dem Ende des Kalten Krieges komplett zurückgebaut wurde. Im Münchner Landkreis hingegen beteiligen sich elf Gemeinden mit stationären oder mobilen Sirenen an dem Probealarm, darunter Garching, Aschheim, Neubiberg, Ottobrunn und Unterföhring.

Nach dem Probealarm ist gegen 11:45 Uhr eine Entwarnung geplant. Sie soll über die meisten Warnmittel ausgespielt werden, die zuvor genutzt wurden. Erstmals wird im Rahmen eines bundesweiten Warntags auch die Entwarnungsfunktion über Cell Broadcast erprobt, nachdem zuvor vor allem Warn-Apps und Rundfunksender Entwarnungen meldeten.

Warum gibt es den bundesweiten Warntag?

Der Test hat zwei Ziele: Zum einen sollen Bund, Länder und Kommunen prüfen, ob ihre Warnsysteme technisch funktionieren und miteinander zusammenspielen. Zum anderen sollen die Menschen die unterschiedlichen Warnkanäle und Signale kennenlernen. Im Ernstfall – etwa bei Hochwasser, Großbränden oder extremen Wetterlagen – hilft ein vertrauter Ablauf, schneller und gezielter zu handeln.

Der bundesweite Warntag findet seit 2020 regelmäßig am zweiten Donnerstag im September statt. In Bayern finden solche Probealarme sogar zweimal im Jahr statt: einmal landesweit am zweiten Donnerstag im März sowie bundesweit im September.

Forderung: Menschen mit Behinderungen im Ernstfall besser schützen

Dass diese Infrastruktur noch nicht für alle Menschen gleichermaßen funktioniert, kritisiert anlässlich des Warntags das Deutsche Institut für Menschenrechte. In Notlagen und Katastrophen sei das Sterberisiko von Menschen mit Behinderungen bis zu viermal höher als das von Menschen ohne Behinderungen, mahnt das Institut. Es fordert deshalb, diese Gruppe im Zivil- und Katastrophenschutz dringend stärker zu berücksichtigen.

„Barrierefreie Infrastruktur und Kommunikation sind im Katastrophenfall entscheidend“, erklärt Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Instituts. Ob Warnungen neben dem akustischen Signal auch optisch erfolgen, Informationen in Leichter Sprache vorliegen und Fluchtwege sowie Schutzräume barrierefrei seien, beeinflusse die Überlebenschancen maßgeblich. Das Institut empfiehlt der Politik daher, Menschen mit Behinderungen gesetzlich als besonders gefährdete Gruppe anzuerkennen, Barrierefreiheit als Standard festzulegen und Betroffene aktiv in die Katastrophenschutzplanung einzubeziehen.

Warntag: Was sollten Menschen am 10. September beachten?

Wer um 11 Uhr eine Warnmeldung auf dem Smartphone erhält, muss nicht reagieren. Wer keine Meldung bekommt, kann im Nachgang prüfen, ob das Gerät kompatibel ist, das Betriebssystem aktuell ist und die Notfallbenachrichtigungen eingeschaltet sind.

Für den Notfall

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Der laute Signalton kann Kinder, ältere Personen sowie Menschen mit belastenden Kriegserfahrungen erschrecken; auch Haustiere reagieren häufig sensibel auf die Geräusche. Behörden empfehlen daher, Angehörige und Nachbarn vorab über den Probealarm zu informieren.

Nach der Entwarnung können Bürger auf der offiziellen Plattform des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (warntag-umfrage.de) Rückmeldung zu ihren Erfahrungen geben. Dieses Feedback hilft den Behörden, verbliebene Funklöcher und technische Schwachstellen in den Warnketten gezielt zu schließen. (Quellen: Deutsches Institut für Menschenrechte, dpa, Mdr.de, eigene Recherche) (str)

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