Allrad, Autarkie, komfortable Bäder: Das bringt der Caravan-Salon in Düsseldorf an Neuem
Das Interesse an Reisemobilen und Camper-Vans ist nach wie vor groß. Und weil die Hersteller möglichst allen Kundenwünschen gerecht werden wollen, starten sie mit einer Vielzahl an Neuheiten sowie großer Modell-Vielfalt optimistisch in die neue Saison. Nur die Wohnwagen-Sparte bereitet weiter Sorgen. Weder die hohen Spritkosten noch die gestiegenen Preise für Neufahrzeuge scheinen das Interesse am Reisen mit Wohnmobil und Camper-Van zu schmälern. Die Nachfrage ist immer noch groß, erklärt Daniel Onggowinarso, der Geschäftsführer des deutschen Caravaning-Verbandes CIVD. Und das - wenn auch kleine - Zulassungsplus bei den Reisemobilen im ersten Halbjahr 2026 sowie der große Andrang beim 65. Caravan-Salon in Düsseldorf (28. August bis 6. September) bestätigt diese Aussage in der Praxis. Sorgenkind bleibt allerdings die Wohnwagen-Sparte, deren langsamer, aber steter Abwärtstrend anhält. Doch dazu später. Bei den Reisemobilen sind die Hersteller jedes Mal aufs Neue gefordert, ein breites Spektrum an Kundenwünschen abzudecken. Was letztlich zu einer wahren Flut von Neuheiten führt, die auf eine Großfamilie ebenso abgestimmt sein muss wie auf die Bedürfnisse eines Aktivsportlers, Abenteurers oder eines auf Komfort bedachten Senioren-Pärchens. Und da lassen sich eindeutige Trends ausmachen. Nun eigener Offroad-Bereich auf der Messe So hat die steigende Nachfrage nach Allrad-Fahrzeugen dazu geführt, dass die Düsseldorfer Messeleitung die 4x4-Kolosse markenübergreifend in einem eigenen Offroad-Bereich bündelt. Dort debütiert mit dem Camper-Van CV 595 X-Edition erstmals auch ein Allradler bei der beliebten Einsteigermarke Carado, die zur Erwin-Hymer-Gruppe gehört. Der sechs Meter lange Kastenwagen mit quer eingebautem Doppelbett im Heck, den es auch von der Schwestermarke Sunlight als baugleiches Modell Ibex gibt (Sunlight ist in Düsseldorf allerdings nicht vertreten), wird auf Basis des VW Crafter ab 88.600 Euro angeboten. Maßgeblich befeuert hat die Allrad-Szenerie allerdings der Mercedes Sprinter, der in der aktuellen dritten Generation hervorragende Offroad-Eigenschaften zu deutlich günstigeren Aufpreisen ermöglicht. Selbst sehr preisbewusste Anbieter wie Pössl und Hannes-Camper hatten deshalb bereits im vergangenen Jahr den Mercedes-Transporter in sechsstelligen Preisregionen eingeführt. Das Gleiche gilt für den erfolgreich gestarteten Eura Xtura, der als schickes Abenteuer-Mobil zu Preisen zwischen 150.000 und 180.000 Euro rund 200 Mal im ersten Jahr verkauft wurde - und für einen weiteren wichtigen Trend steht: Autarkie. Obwohl es, außer in Norwegen, eigentlich in keinem europäischen Land wirklich erlaubt ist, frei zu campen, scheinen Reisemobilisten vermehrt auf möglichst lange Standzeiten ohne Landstrom Wert zu legen. Ermöglicht wird das durch Solarzellen auf dem Dach und zusätzliche Lithium-Batterien, die über einen Wechselrichter Strom an Bord erzeugen können. Wird das in größeren Modellen auch für ein Induktionskochfeld genutzt, kann in Verbindung mit den immer häufiger eingesetzten Kompressor-Kühlschränken und Dieselheizungen (auch das ist ein erkennbarer Trend) das Wohnmobil gasfrei betrieben werden. Auf schwere Gasflaschen kann dann verzichtet werden. Wunsch nach komfortableren Waschräumen Aus dem Kundenwunsch nach komfortableren Waschräumen hat sich der Trend zu Kombi-Nasszellen mit großer Schwenkwand und sogar zu einem neuen Grundriss-Muster mit wagenbreitem Heckbad entwickelt. Der Sanitärbereich mit Extra-Duschwanne, Toilette und Waschbecken bietet damit zwar sehr viel Bewegungsfreiheit, auf eine Heckgarage muss man dafür aber verzichten. Diese Alternative zu Einzel- oder Queensbett-Grundrissen wird, wie der 6,40 Meter lange, neue Teilintegrierte Yrteo Y885 der spanischen Marke Benimar, fast ausschließlich mit einem Hubbett für zwei Personen kombiniert, das über der Sitzgruppe herabgelassen werden kann. Einzige Ausnahme: Der neue Hobby T740 WE platziert direkt vor dem Heckbad zwei seitlich angeschlagene Einzelbetten, misst allerdings auch einen guten Meter mehr als das spanische Wohnmobil. Besonders ausgefallene Grundriss-Ideen präsentiert zum neuen Modelljahrgang die französische Rapido-Gruppe. Einmal mit den Camper-Van-Ausbauten Rapido V64 und Dreamer D64, die in einem 6,36-Meter-Fiat-Ducato erstmals ein echtes Queensbett verwirklichen. Und bei der deutschen Westfalia-Tochter feiert der Columbus Liner Premiere, der das Dach samt Dachterrasse in den Wohnbereich mit einbezieht und auf der gleichen Fiat-Basis Luxus auf drei Ebenen bieten soll. Run auf Kastenwagen leicht rückläufig Insgesamt hat der Run auf die Kastenwagen aber leicht nachgelassen. Sie bilden mit über 50 Prozent Anteil aber immer noch die beliebteste Wohnmobil-Gattung. Am meisten in der Gunst der Kunden haben die Teilintegrierten zugelegt. Ebenfalls im Plus ist die Königsklasse der Integrierten, die mit der Master-Line der Hymer B-Klasse eines der Neuheiten-Highlights der Saison präsentiert. Der Alkoven spielt vor allem bei Familien und in der Vermietung noch eine wichtige Rolle. Geschätzt wird vor allem das große Platzangebot zu verhältnismäßig günstigen Preisen. Der runderneuerte A699 der Einsteigermarke Forster etwa wird in drei Versionen mit sieben und sogar acht Schlafplätzen ab 59.000 Euro angeboten. Kein Trend in puncto Elektromobilität Gar kein Trend ist aktuell in puncto Elektromobilität zu erkennen. Von vereinzelten vollelektrischen Ausbauten wie dem Eifelland-Camper-Van auf Basis des Nissan Interstar-e einmal abgesehen sind alle Studien der vergangenen Jahre, von Dethleffs, Knaus und Bürstner mit viel Optimismus präsentiert, komplett wieder in der Versenkung verschwunden. Die Gewichtsproblematik mit der 3,5-Tonnen-Begrenzung war nicht in den Griff zu bekommen. Mittlerweile ist die neue Führerscheinrichtlinie mit der Erhöhung des Gewichtslimits auf 4,25 Tonnen vom Europäischen Parlament abgesegnet, muss allerdings noch in die nationale Gesetzgebung umgesetzt werden. Das muss bis 2028 geschehen, weshalb man davon ausgehen kann, dass die Entwicklungsabteilungen der großen Hersteller im Hintergrund bereits an Lösungen arbeiten. Zulassungen seit Jahren rückläufig Nach Lösungen wird auch bei den Caravanern gesucht. Mit Ausnahme eines kleinen Zwischenhochs während Corona sind die Zulassungen nämlich seit Jahren rückläufig. Auch in diesem Jahr. Die Wohnwagen-Sparte scheint vom Aussterben bedroht. Dabei fehlte es in der Vergangenheit ja nicht an Ideen. Das innovative Innenraum-Konzept des Dethleffs Coco fand nicht genügend Anklang - eingestellt. Ein Patentrechtsstreit stoppte die zukunftsweisende Frame-Technologie von Knaus-Tabbert. Der abgespeckte, aber schicke Strand-Caravan Beachy von Hobby stieß zwar auf Akzeptanz, konnte die Talfahrt der Wohnwagen aber ebenso wenig aufhalten wie der leichte Fendt Next. Und zum Caravan-Salon kam dann auch noch die Hiobsbotschaft, dass Traditionshersteller Bürstner zum Modelljahr 2027 die Wohnwagen-Produktion komplett einstellt. Zudem streicht Dethleffs, immerhin der "Erfinder des Wohnwagens", die Hälfte seines Portfolios bis auf nur noch drei Baureihen zusammen. Da ist es schon eine positive Nachricht, dass Marktführer Hobby ankündigt, dass das Produktportfolio für 2027 in vollem Umfang erhalten bleibt, die Nordlichter sich aber ansonsten mit Modernisierungsmaßnahmen begnügen. Lediglich Knaus-Tabbert setzt mit der ganzjahrestauglichen Baureihe Knaus Nordwind und dem Comeback des Tabbert Vivaldi neue Akzente und sorgt für positive Signale. Aber ob das für einen optimistischen Blick in die Zukunft reicht?