Alnatura bei Netto: Warum diese Discounter-Premiere in Berlin für Wirbel sorgt
Alnatura bei Netto – was jahrelang undenkbar schien, wird nun Realität: Erstmals landet die bekannte Bio-Marke aus Darmstadt bei einem Discounter im Regal. Ab August sollen bis zu 80 Alnatura-Produkte in rund 260 Netto-Filialen in Berlin erhältlich sein. Das berichtete die Lebensmittel Zeitung. Für Verbraucher in der Hauptstadt bedeutet das kürzere Wege zu einer der beliebtesten Bio-Marken des Landes. Für die Branche ist es ein Signal: Bislang lehnte Alnatura Listungen bei Discountern konsequent ab. Doch hinter dem Start steckt ein bemerkenswerter Widerspruch – denn Netto und Alnatura beschreiben das Vorhaben mit auffällig unterschiedlichen Worten. Was genau bei Netto ins Regal kommt Netto, die Discount-Tochter von Edeka, erweitert mit dem Schritt sein bestehendes Bio-Sortiment. Nach eigenen Angaben führt der Discounter je nach Zählweise „über 500" BioBio-Lebensmittel beziehungsweise „über 1000" Bio-Artikelsorten dauerhaft im Angebot. Das neue Alnatura-Sortiment stammt zunächst aus dem Trockenbereich: Grundnahrungsmittel, Kochzutaten, Öle, Snacks, Süßwaren, Frühstücksprodukte und pflanzliche Alternativen zum Kochen. Frischeprodukte gehören vorerst nicht dazu. In diesem Bereich setzt Netto bereits auf die Bio-Anbauverbände Biokreis und Naturland. Ein Fokus auf das Trockensortiment ist auch strategisch nachvollziehbar: Laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) legte genau dieses Segment zuletzt zweistellig zu. Test oder Auftakt? Der Streit ums Wörtchen Hier wird es interessant. Beide Partner beschreiben die Kooperation völlig unterschiedlich. Alnatura spricht ausdrücklich von einem „zeitlich begrenzten Test in der Region Berlin". Netto formuliert es in seiner Mitteilung deutlich offensiver: Der Discounter spricht von einem „Auftakt" in Berlin – ein Wort, das nach mehr klingt als nach einem einmaligen Versuch. Die Alnatura-Pressestelle betont zudem, die Zusammenarbeit erfolge „in enger Abstimmung mit unserem langjährigen Handelspartner Edeka". Man komme damit auch „dem Wunsch von Edeka nach, Alnatura Produkte künftig bei Netto anzubieten". „Mit Alnatura bringen wir eine der bekanntesten Bio-Marken Deutschlands dorthin, wo Millionen Menschen jede Woche einkaufen", erklärte Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Netto Marken-Discount. War Alnatura wirklich nur bei Edeka zu haben? Die verbreitete Darstellung, Alnatura sei bislang fast ausschließlich in eigenen Märkten oder bei Edeka erhältlich gewesen, greift zu kurz. Die offizielle Alnatura-Handelspartnerseite nennt in Deutschland zahlreiche weitere Partner – darunter AEZ, BUDNI, Combi, famila Nordwest, Globus, HIT, Müller, Rossmann, Selgros und tegut. Neu ist also vor allem eines: der Discounter-Kanal. Das Unternehmen weist allerdings darauf hin, dass das Sortiment je Handelspartner-Markt variieren kann. Passend dazu ist Berlin bereits ein Schwerpunkt für die Marke. Alnatura bezeichnete die Hauptstadt im März 2026 als „zentralen Expansionsstandort" und betreibt dort nach aktuellen Angaben 20 eigene Märkte. Was Experten zur Preisfrage sagen Handelsexperte Prof. Dr. Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn bewertete den Schritt gegenüber dem Fachmedium BioHandel als überraschend. Eine große Konkurrenz für die eigenen Alnatura-Märkte sieht er nicht, da diese eine andere Zielgruppe ansprechen. Entscheidend sei aber der Preis. „Sollte Netto die Produkte deutlich günstiger anbieten als die Vollsortimenter, werden diese nicht glücklich sein", warnte Rüschen. Damit würden die Alnatura-Produkte für die Edeka-Vollsortimenter unattraktiver. Dass Alnatura sich stärker für preisbewusste Kunden öffnet, zeigt sich ohnehin: Bereits im Frühjahr 2026 senkte das Unternehmen die Preise seiner Discount-Eigenmarke „Prima! Alnatura" auf das Niveau des Wettbewerbers dm. Lesen Sie mehr zum Thema