Alphabet-Aktie tiefer: Warum eine überraschende Verbindung zu Elon Musk heute wichtig wird
Musk hält rund 6,4 Milliarden SpaceX-Aktien, Alphabet gut 551 Millionen
Beteiligungsgewinne vor allem aus SpaceX trieben Alphabet im zweiten Quartal
SpaceX legt heute nach US-Börsenschluss seine Zahlen zum dritten Quartal vor
Wenn SpaceX heute nach US-Börsenschluss seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegt, steht nicht nur das Vermögen von Elon Musk auf dem Prüfstand, sondern auch ein gewichtiger Posten in der Bilanz von Alphabet. Nach einer Rechnung von Investor's Business Daily stecken in den SpaceX-Aktien der beiden Großaktionäre zusammen rund 979 Milliarden US-Dollar. Die Summe verbindet zwei Investoren, die mit derselben Aktie völlig unterschiedliche Interessen verfolgen.
Gründer mit Kontrolle, Konzern mit Minderheitsanteil
Die Gewichte sind klar verteilt. In seiner Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC vom August meldete Musk zuletzt rund 6,4 Milliarden SpaceX-Aktien, umgerechnet 48,4 Prozent der Aktien der Klasse A. Darin enthalten sind Papiere in Treuhandvermögen, beschränkt übertragbare Aktien und Optionen auf 350 Millionen weitere Titel. Über Aktien der Klasse B mit zehnfachem Stimmrecht hält Musk zudem die Kontrolle über das Unternehmen. Alphabet kommt in der eigenen Mitteilung über die Tochter Google auf gut 551 Millionen Aktien und damit auf 7,2 Prozent der Klasse A. Der Mutterkonzern von Google ist damit ein großer, aber passiver Minderheitsaktionär ohne nennenswerten Einfluss auf die Strategie.
Wie SpaceX die Gewinnrechnung der Alphabet-Aktie bewegt
Für Alphabet hat sich der lange Atem ausgezahlt. Im Jahr 2015 stieg Google gemeinsam mit Fidelity mit einer Milliarde US-Dollar bei SpaceX ein. Einem damaligen Bloomberg-Bericht zufolge erhielten beide zusammen rund zehn Prozent. Zum 30. Juni bewertete Alphabet seine SpaceX-Aktien im Quartalsbericht an die SEC mit 94,1 Milliarden US-Dollar. Seit dem Börsengang am 12. Juni diesen Jahres um Ausgabepreis von 135 US-Dollar folgt der Wert des Pakets dem Börsenkurs, und genau das schlägt sich in der Gewinnrechnung nieder.
Im zweiten Quartal verbuchte Alphabet Gewinne aus Aktienbeteiligungen von 99,0 Milliarden US-Dollar, nach knapp 1,3 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Getrieben wurde das vor allem von SpaceX und einem weiteren nicht börsennotierten Unternehmen. Der verwässerte Gewinn je Aktie kletterte um 294 Prozent auf 9,11 US-Dollar, wovon allein 6,26 US-Dollar auf diese Beteiligungsgewinne entfielen. Das operative Geschäft lief dabei ebenfalls stark, der Umsatz stieg um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar, Google Cloud wuchs um 82 Prozent. Alphabet selbst warnt im Bericht, dass Wertschwankungen der Beteiligungen das Finanzergebnis künftig erheblich schwanken lassen können.
Haltefristen und ein Aktiengeschenk
Frei verfügen konnte Alphabet über die Position zum Quartalsende nicht. Laut Quartalsbericht unterlagen zum 30. Juni Aktien im Wert von 80,0 Milliarden US-Dollar kurzfristigen Verkaufsbeschränkungen, weitere 14,1 Milliarden US-Dollar sind bis ins dritte Quartal 2027 gebunden. Musk wiederum kündigte am 19. Oktober auf X an, im kommenden Jahr jedem Kind in den USA eine seiner SpaceX-Aktien zu schenken. Gemessen an seinem Paket von rund 6,4 Milliarden Aktien bleibt das allerdings eine Randnotiz.
Was Anleger der Alphabet-Aktie mitkaufen
Wer die Alphabet-Aktie hält, die heute an der NASDAQ zuletzt um 1,03 Prozent auf 336,65 US-Dollar nachgab, trägt damit indirekt auch das Kursrisiko von SpaceX. Jeder Ausschlag der Aktie von Musks Konzern, die aktuell 0,04 Prozent auf 148,02 US-Dollar zulegt, landet über die Neubewertung im Quartalsergebnis von Alphabet, nach oben wie nach unten. Hinzu kommt, dass SpaceX unter dem Strich noch Verluste schreibt. Für das zweite Quartal meldete das Unternehmen zuletzt einen Umsatzsprung um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden US-Dollar, aber auch einen Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar nach gut einer Milliarde US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Ein zweites Risiko liegt in der Machtverteilung: Über Strategie und Kapitalbedarf von SpaceX entscheidet Musk, nicht der Mitaktionär aus Mountain View.
Den ersten Gradmesser liefern die Zahlen von SpaceX am heutigen Abend. Wie stark die Kursentwicklung in der Bilanz von Alphabet nachwirkt, zeigt anschließend der Quartalsbericht von Alphabet, der den Anteil an SpaceX zum Stichtag 30. September neu bewertet.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.