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Alphaville-Sänger Marian Gold warnt vor rechtsradikalen Tendenzen

Unterhaltung

Im Streit um die Aus- und Wiedereinladung seiner Band Alphaville beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring legt der Sänger Marian Gold nach und warnt zudem vor rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland. „Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung“, sagte er dem „Spiegel“. „Man kann als Veranstalter nicht einfach bestimmte Dinge ausblenden, weil die einem am Künstler nicht passen.“

Alphaville hätte an diesem Wochenende bei dem Festival auftreten sollen, einem der größten Musikfestivals in Deutschland. Die Organisatoren hatten jedoch erklärt, ihr Festival sei „keine Plattform für politische Äußerungen“. Da sich Alphaville bei einer früheren Veranstaltung mehrfach politisch geäußert hatte, wurde die Band ausgeladen – und später wieder eingeladen. Sie akzeptierte die Entschuldigung, verzichtete aber auf den Auftritt. Mitveranstalter Markus Krampe bezeichnete seine ursprüngliche Entscheidung am Rande des Festivals als Fehler: „Das ist superdämlich gewesen.“

Zahlreiche Künstler nutzten den ersten Festivaltag am Freitag, um sich für die Band oder für politische Meinungsfreiheit auszusprechen. Auch am zweiten Tag werden entsprechende Äußerungen erwartet. Unter anderem treten die Berliner Band Culcha Candela und DJ Felix Jaehn auf.

Gold kann der Debatte aber auch etwas Gutes abgewinnen. „Das mediale Aufsehen, das durch diesen ganzen Konflikt entstanden ist, hat im besten Fall den aktuell laufenden öffentlichen Diskurs, wie es in Deutschland weitergehen soll, befördert und vielleicht viele Menschen aufgeweckt“, sagte der 72-Jährige.

Es sei höchste Zeit, „sich den demokratiefeindlichen und rechtsradikalen Bewegungen, die immer mehr an Boden gewinnen, vehement entgegenzustellen, bevor es zu spät ist“, sagte Gold. „Zu spät“ sei es dann, wenn solche Kräfte durch Wahlen in Ämter gelangten und die durch das Grundgesetz garantierten Rechte einschränken oder abschaffen könnten. „Wenn ihnen das gelingt, dann gute Nacht, Deutschland“, sagte er.

Hinter dem Glücksgefühle-Festival stehen der frühere Fußballstar Lukas Podolski und Eventmanager Markus Krampe. Insgesamt werden rund 250.000 Zuschauer erwartet. Die Fans feiern und die Bühne wird zum Schauplatz für politische Statements. Der Wunsch nach einem unpolitischen Glücksgefühle-Festival sorgt für das Gegenteil. Zahlreiche Künstler melden sich zu Wort.

Rapper Ski Aggu hat sich im Streit um politische Äußerungen auf dem Glücksgefühle-Festival für die Freiheit von Künstlern starkgemacht. „Wenn ihr eine Meinung habt, dann lasst sie euch niemals verbieten“, sagte er bei seinem Auftritt auf dem Musik-Event.

Es sei „absolut selbstverständlich, dass man für Werte eintritt, einsteht, wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Freiheit“, sagte der Musiker. „Ich finde auch, als Künstler sollte man Haltung zeigen können und dürfen. Man sollte für die Dinge einstehen können, für die man steht.“ Er finde es „absolut cool, wenn Künstler das machen“. Und: „Solange ich auf einer Bühne stehe, werde ich immer für eine offene Gesellschaft stehen. Und ich will, und ich wünsche mir, dass wir alle zusammenhalten.“

Hintergrund des Konflikts waren politische Aussagen von Alphaville-Sänger Marian Gold bei einem früheren Konzert. Nach Angaben Krampes hatten sich daraufhin Besucher beschwert - sie wollten beim Festival abschalten und nichts über Themen hören, die ohnehin aus den Nachrichten bekannt seien. Die Veranstalter erklärten, das Festival sei „komplett unpolitisch“; es gehe um den Rahmen der Veranstaltung und das Versprechen „Good vibes only“. Gold sprach dagegen von einem „Maulkorberlass“.

Mehrere Künstler reagierten mit Solidaritätsbekundungen: Sänger Tom Gregory eröffnete sein Set mit „Forever Young“, Rapperin Nura spielte den Alphaville-Klassiker an. Auch Ski Aggu spielte den Song. Die Mallorca-Hit-Sängerin Mia Julia sagte: „Wir müssen den Mund aufmachen, um gewisse Augen zu öffnen.“ DJ Beauty & the Beats sagte seinen Auftritt ab.

DJ Felix Jaehn kündigte für seinen Auftritt am Samstag eine politische Botschaft von der Bühne an. Die Band Culcha Candela will sich auf dem Festival „notfalls mit Megaphonen“ positionieren. Auch ihr Auftritt ist für Samstag vorgesehen.

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