DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,28 % 52.358,92 Pkt 19:00:40 S&P 500 +1,25 % 7.719,16 Pkt 19:00:40 Nasdaq +1,94 % 26.457,92 Pkt 19:00:41 Nikkei +1,73 % 63.268,37 Pkt 07:45:03 Gold +0,84 % 4.072,30 USD 18:50:27 Silber +0,54 % 54,40 USD 18:50:32 Brent -5,53 % 109,41 USD 18:50:30 WTI -1,93 % 99,80 USD 18:50:39 Bitcoin +0,47 % 80.385,78 USD 19:00:38 EUR/USD -0,73 % 1,11360 USD 18:59:44 EUR/GBP -0,24 % 0,83650 GBP 19:00:42 EUR/CHF -0,16 % 0,92260 CHF 19:00:42 EUR/JPY -0,04 % 175,838 JPY 19:00:42

Als Hausarzt weiß ich: Diese Medikamente können Albträume auslösen - auch Ibuprofen

Gesundheit

Verschiedene Medikamente können über ihren Einfluss auf das zentrale Nervensystem oder den Hormonhaushalt die Schlafqualität und die Intensität von Träumen verändern. Dieses Phänomen tritt vergleichsweise selten auf, ist aber seit Jahrzehnten dokumentiert. Immer wieder tauchen dabei dieselben Wirkstoffgruppen auf.

Diese Medikamente können Albträume auslösen

Zu den möglichen Auslösern zählen Antibiotika aus der Gruppe der Gyrasehemmer. Sie können das zentrale Nervensystem stimulieren und dadurch besonders intensive Träume oder Albträume begünstigen.

Auch Betablocker wie Metoprolol oder Propranolol stehen im Verdacht, den Schlaf zu beeinflussen. Sie können durch die Hemmung der nächtlichen Melatoninproduktion Angstträume oder intensivere Traumphasen fördern.

Antimetabolite wie Methotrexat sind ebenfalls dafür bekannt, gelegentlich am Tag nach der Einnahme Albträume auszulösen. Zudem können H2-Antagonisten wie Famotidin und Nizatidin sowie ACE-Hemmer den Schlafrhythmus oder hormonelle Abläufe verändern, was die Traumintensität steigern kann.

Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Tenoxicam stören vor allem den Tiefschlaf und verschlechtern dadurch mitunter die Schlafqualität. Auch Hypnotika wie Zolpidem und Nikotinpflaster können paradoxerweise lebhafte oder ungewöhnliche Träume hervorrufen und die Dauer der Tiefschlafphasen verändern.

Darüber hinaus werden auch Virustatika wie Aciclovir mit intensiveren Träumen in Zusammenhang gebracht. Die genauen Mechanismen sind nicht in allen Fällen vollständig geklärt. Klar ist für mich jedoch: Sowohl Wirkungen auf das zentrale Nervensystem als auch hormonelle Veränderungen können eine Rolle spielen.

Ältere und mehrfach behandelte Patienten sind besonders gefährdet

Die bekannteste deutsche Fallsammlung dazu stammt aus dem NETZWERK der gegenseitigen Information, das im arznei-telegramm 51 Berichte über arzneimittelbedingte Albträume dokumentiert hat. Gyrasehemmer wurden dabei mit 15 Meldungen am häufigsten als Auslöser genannt; daneben tauchten Betablocker, Methotrexat, H2-Antagonisten, ACE-Hemmer, NSAR, Hypnotika und Nikotinpflaster auf. Diese Auswertung ist allerdings schon Jahrzehnte alt und beruht auf freiwilligen Meldungen – die tatsächliche Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung lässt sich daraus nicht ableiten. Als Hinweisgeber taugt sie aus meiner Sicht dennoch.

Einige Personengruppen scheinen besonders anfällig zu sein. Dazu gehören ältere Menschen. So zeigte der Fall eines 62-jährigen Rentners, dass die Kombination aus Metoprolol und Hydrochlorothiazid intensive Angstträume bis hin zu Suizidimpulsen im Traum auslösen kann.

Auch Menschen mit Vorerkrankungen oder einer Mehrfachmedikation gelten als gefährdet, insbesondere bei Kombinationen wie Betablocker und Diuretikum oder bei Arzneimitteln mit zentralnervöser Wirkung. Häufiger berichten außerdem Personen über solche Nebenwirkungen, die empfindlich auf Schlafveränderungen reagieren oder psychisch belastet sind. Ein Beispiel dafür ist der dokumentierte Fall einer Patientin unter Methotrexat.

Was die aktuelle Forschung zu Betablockern zeigt

Weil Betablocker zu den meistverordneten Medikamenten überhaupt gehören, lohnt hier ein genauerer Blick. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse, die 2025 im British Journal of Clinical Pharmacology erschienen ist, hat 89 Studien mit gut 53.000 Erwachsenen ausgewertet – und das Bild ist differenzierter, als viele Ratgeber suggerieren.

Am deutlichsten belegt ist ausgerechnet nicht der Albtraum, sondern Schwindel: Gegenüber Placebo war das Risiko um 72 Prozent erhöht. Für Schlaflosigkeit fand die Auswertung nur einen leichten Anstieg. Und für Albträume ließ sich in den wenigen kontrollierten Studien kein statistisch abgesicherter Effekt nachweisen – schlicht, weil die Datenlage dünn ist.

Ein anderes Bild zeigt jedoch die Auswertung von Nebenwirkungsmeldungen: Dort wurden Pindolol und Metoprolol am häufigsten mit Albträumen in Verbindung gebracht. Entscheidend war dabei die Fettlöslichkeit des Wirkstoffs. Je fettlöslicher ein Betablocker ist, desto leichter überwindet er die Blut-Hirn-Schranke – und desto häufiger wurden Albträume gemeldet. Als Mechanismus gilt unter anderem, dass die Blockade der Beta-1-Rezeptoren die Signalübertragung an die Zirbeldrüse hemmt und dadurch der nächtliche Melatoninspiegel sinkt.

Meine Einordnung: Einen belastbaren Beweis, dass Betablocker generell Albträume verursachen, gibt es nicht. Ein plausibles Signal für die stark fettlöslichen Vertreter gibt es sehr wohl. Für mich ist das Grund genug, im Einzelfall genauer hinzusehen – aber kein Grund zur Panik. Erschwerend kommt hinzu: Drei Viertel der ausgewerteten Studien stammen aus der Zeit vor 1996, viele weisen ein hohes Verzerrungsrisiko auf. Die Autorinnen und Autoren fordern deshalb ausdrücklich neue, methodisch saubere Untersuchungen.

Wichtig: Setzen Sie Medikamente nie ohne ärztliche Absprache ab

Wenn der Verdacht besteht, dass Medikamente Albträume verursachen, sollten Sie besonnen und strukturiert vorgehen. Setzen Sie Medikamente keinesfalls eigenständig ab. Veränderungen an der Medikation sollten immer gemeinsam mit einem Arzt erfolgen, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Wichtig ist außerdem, dass Sie Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt gezielt über die auftretenden Albträume informieren. Hilfreich ist dabei eine möglichst genaue Schilderung: Wann treten die Albträume auf? Wie oft kommen sie vor? Und seit welcher Medikation bestehen die Beschwerden?

Timing und Wechsel können gegen Albträume helfen

Bestätigt sich der Verdacht, dass die Medikation tatsächlich die Ursache ist, kommen mögliche Alternativen in Betracht. So kann ein Wechsel auf Medikamente mit geringerer zentralnervöser Wirkung sinnvoll sein. Auch innerhalb derselben Wirkstoffgruppe lässt sich prüfen, ob ein anderes Präparat verfügbar ist, das den Schlaf weniger beeinflusst. Die Deutsche Herzstiftung nennt für Betroffene, die unter Metoprolol schlecht schlafen, beispielsweise Carvedilol oder Nebivolol als mögliche Alternativen – das ist aber immer eine Einzelfallentscheidung, die in ärztliche Hand gehört.

In manchen Fällen hilft auch eine veränderte Dosierung. Ein spezieller Tipp gilt für Nikotinpflaster: Wer damit unter lebhaften Träumen oder Albträumen leidet, muss nicht gleich die Rauchentwöhnung abbrechen. Häufig genügt es, das Pflaster abends zu entfernen und erst am Morgen ein neues zu kleben, statt es rund um die Uhr zu tragen.

Auch der Einnahmezeitpunkt kann entscheidend sein. Mitunter hilft es bereits, ein Medikament zu einer anderen Tageszeit einzunehmen. Um den Zusammenhang zwischen Einnahme und Albträumen besser einschätzen zu können, empfehle ich ein Schlaftagebuch. Darin lässt sich festhalten, wann das Medikament eingenommen wurde und welche Schlafprobleme oder Albträume anschließend auftraten.

Neben einem möglichen Wechsel der Medikation können auch pflanzliche Mittel oder nicht-medikamentöse Maßnahmen hilfreich sein. Bei Bluthochdruck-Patientinnen und -Patienten unter Betablockern hat eine kleine randomisierte Studie zudem gezeigt, dass eine ergänzende Melatonin-Einnahme den Schlaf verbessern kann – auch das sollten Sie allerdings nicht im Alleingang ausprobieren, sondern vorher ärztlich abklären lassen. Mein Ziel ist dabei immer, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten eine Lösung zu finden, die sowohl die Grunderkrankung behandelt als auch die Nebenwirkungen möglichst gering hält.

Quellen: arznei-telegramm, „Arzneimittelbedingte Alpträume", a-t 1995; Nr. 10: 103 (NETZWERK der gegenseitigen Information) · Ez Eddin L. et al., „β-Blockers and risk of neuropsychiatric disorders: A systematic review and meta-analysis", British Journal of Clinical Pharmacology 2025; 91(2): 325–337 · Deutsche Herzstiftung, Herz-Sprechstunde: „Was tun, wenn es unter Betablockern zu Schlafstörungen kommt?" · Scheer F.A.J.L. et al., „Repeated melatonin supplementation improves sleep in hypertensive patients treated with beta-blockers", Sleep 2012; 35(10): 1395–1402

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren