Alternativveranstaltung nach Boykottaufruf geplant: Was haben die Ultras von Hertha BSC beim Spiel in Dresden vor?
Inzwischen ist das Thema sogar auf der offiziellen Ebene angekommen. Der SV Babelsberg hat dieser Tage bei Hertha BSC nachgefragt, wie viele Ultras des Berliner Fußball-Zweitligisten denn am Samstag zum Spiel von dessen zweiter Mannschaft im Karl-Liebknecht-Stadion zu erwarten seien und wann genau mit ihnen zu rechnen sei. Dass Herthas aktive Fans am Samstag mit voller Kapelle in Babelsberg aufschlagen werden, um dort ihre U23 zu unterstützen, ist allerdings nur ein Gerücht.
Zeit hätten sie eigentlich, nachdem sie sich dazu entschlossen haben, das Spiel von Herthas Profis am Samstag bei Dynamo Dresden (20.30 Uhr, RTL und Sky) aus Protest zu boykottieren. Es ist daher nicht auszuschließen, dass auch Mitglieder der Ultras am Nachmittag (14 Uhr) vereinzelt zur Regionalligapartie nach Babelsberg reisen werden. Aber ein geschlossener Auftritt der aktiven Fans als Ersatz für das Zweitligaspiel in Dresden ist nach Informationen des Tagesspiegels nicht geplant.
Als die Harlekins, Herthas wichtigste Ultra-Gruppierung, vor knapp drei Wochen den Boykott dieses Spiels angekündigt haben, erklärten sie zugleich, dass es am Spieltag eine Alternativveranstaltung geben werde. Wie genau die aussehen wird, haben sie bisher noch nicht bekannt gegeben.
Aber nach dem, was aktuell im Netz kursiert, deutet sich eine eher kleine Lösung an. Die Ultras wollen sich offenbar am Samstagabend in einem Berliner Park treffen und Herthas Spiel in Dresden auf Smartphones oder Tablets verfolgen.
Fußball auf dem Smartphone statt im Stadion
Die ursprünglichen Pläne für ein großes Public Viewing, zum Beispiel in der Ostkurve des Olympiastadions, haben sich aus rechtlichen Gründen nicht realisieren lassen. Anders als im Frühjahr 2010, als bei Herthas Heimspiel gegen den VfB Stuttgart nur 25.000 Heim-Fans ins Olympiastadion durften. Alle anderen konnten sich die Partie in der benachbarten Waldbühne anschauen. Organisiert und bezahlt wurde dieses Public Viewing damals von Hertha.
Mit dem Boykott des Spiels in Dresden protestieren die Ultras gegen die Strafen des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) nach dem letzten Aufeinandertreffen beider Klubs am Osterwochenende. Damals war es zu einem massiven Einsatz von Pyrotechnik und heftigen Auseinandersetzungen beider Fangruppen gekommen. Anhänger beider Teams hatten den Innenraum gestürmt. Zudem schossen Dynamo-Anhänger Feuerwerksraketen Richtung Hertha-Block. 17 Menschen wurden verletzt.
Nach dem Urteil des DFB-Sportgerichts muss bei den Spielen zwischen Hertha und Dynamo in dieser Saison das Gästekontingent um die Hälfte reduziert werden, zudem dürfen an die Gästefans nur personalisierte Tickets ausgegeben werden. Gegen solche Kollektivstrafen wehren sich Ultras generell, auch die von Herthas.
„Kollektivstrafen lösen keine Probleme und verfehlen somit ihren Zweck. Sie zeigen, dass die Verbände weiterhin keine vernünftigen Lösungen anzubieten haben“, haben die Harlekins in der Ankündigung ihres Boykotts geschrieben. Am vergangenen Wochenende, nach Herthas Auswärtssieg in Osnabrück, erklärte Vorsänger „Kreisel“ auch den Spielern per Megafon den Hintergrund für ihr Fernbleiben. „Wir würden unglaublich gerne dahinfahren“, sagte er. „Aber es gibt gewisse Dinge, für die wir einstehen müssen.“
In ihrer Erklärung haben die Ultras auch andere Fans des Vereins aufgefordert, ihrem Beispiel zu folgen: „Holt Euch keine Tickets für das Spiel in Dresden!“ Offenbar mit Erfolg. Hertha hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass insgesamt 700 Fans das Team nach Dresden begleiten werden. Im April waren es noch 3000 gewesen. Selbst das um die Hälfte reduzierte Kontingent wird also nur etwa zur Hälfte ausgeschöpft.