Altersvorsorge: Diese Entscheidung kann ab 2027 Zehntausende Euro ausmachen
Ab dem 1. Januar 2027 löst das neue Altersvorsorgedepot die bisherige Riester-Rente ab. Die Altersvorsorge wird damit stärker am Kapitalmarkt ausgerichtet, gleichzeitig entstehen bei den Anbietern deutliche Preisunterschiede. Die Deka, das Wertpapierhaus der Sparkassen, hat als bislang größter Anbieter ihre Konditionen vorgelegt und zeigt exemplarisch, wie stark sich die Wahl des Produkts über Jahrzehnte auf das Ersparte auswirken kann.
Altersvorsorge künftig ohne Beitragsgarantie
Mit der Reform wird die Riester-Rente durch ein neues Fördersystem ersetzt. Kernstück ist das Altersvorsorgedepot, das im Gegensatz zu Riester ohne verpflichtende Beitragsgarantie auskommt und damit stärker in Aktien und ETFs investieren kann. Der Bundestag hatte die Reform am 27. März beschlossen, der Bundesrat stimmte am 8. Mai zu.
Für Sparende mit kleinen und mittleren Einkommen wurde die staatliche Förderung deutlich ausgebaut: Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Cent pro eingezahltem Euro, für weitere Beträge bis 1.800 Euro noch 25 Cent. Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro im Jahr, hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für unter 25-Jährige.
Um Verbraucher*innen die Wahl zu erleichtern, sieht das Gesetz ein sogenanntes Standarddepot vor, das bei jedem Anbieter verfügbar sein muss. Für dieses Standardprodukt gilt ein gesetzlicher Kostendeckel: Die Effektivkosten dürfen maximal ein Prozent pro Jahr betragen. Ursprünglich hatte der Gesetzentwurf einen Deckel von 1,5 Prozent vorgesehen, der Finanzausschuss senkte die Obergrenze kurz vor der Verabschiedung.
Deka verlangt 0,1 Prozent im Standarddepot
Die Deka hat am 9. September ihre Konditionen veröffentlicht. Im Standarddepot sind Depotführung und Zulagenverwaltung kostenlos, für die zugrunde liegenden ETFs fallen 0,1 Prozent pro Jahr an. Investiert wird in einen weltweit anlegenden Aktienfonds sowie einen europäischen Rentenfonds.
In der klassischen Variante fließt das Kapital zunächst vollständig in den Aktienfonds. Fünf Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn reduziert die Deka den Aktienanteil auf 50 Prozent, zwei Jahre davor um weitere 20 Prozentpunkte. Wer die Aufteilung selbst steuern möchte, kann das zu gleichen Konditionen über die Sparkassen-App tun.
Flankierend bietet die Deka für Kinder und Jugendliche die sogenannte Frühstart-Rente an, ebenfalls zu 0,1 Prozent Effektivkosten. Alle Angaben stehen noch unter dem Vorbehalt einer aufsichtsrechtlichen Genehmigung, die die Deka für November erwartet.
Topaktuell
Individualdepot kostet bis zu 1,5 Prozent
Neben dem Standardprodukt bietet die Deka ein aktiv gemanagtes Individualdepot an. Es besteht aus bis zu drei Fondsbausteinen, die entlang eines Lebenszyklusmodells gesteuert werden: In jungen Jahren wird vollständig in Aktien investiert, mit näher rückendem Ruhestand erfolgt eine schrittweise Umschichtung in Renten- und zuletzt Geldmarktfonds. Die Effektivkosten liegen je nach Vertragslaufzeit zwischen 1,0 und 1,5 Prozent pro Jahr.
Dass beim Individualdepot Kosten oberhalb des gesetzlichen Deckels möglich sind, liegt daran, dass die Obergrenze von einem Prozent ausschließlich für das Standarddepot gilt. Für frei gestaltete Varianten mit individuellem Fondsmanagement greift diese Beschränkung nicht.
Wie stark sich die Kostenspanne auswirkt, zeigt eine vereinfachte Modellrechnung mit eigenen Annahmen: Zahlt jemand 30 Jahre lang monatlich 200 Euro ein, das entspricht 2.400 Euro im Jahr, bei einer angenommenen Bruttorendite von 7 Prozent, ergeben sich je nach Kostenquote deutlich unterschiedliche Endvermögen. Zulagen, Steuern und Kursschwankungen bleiben in dieser Rechnung unberücksichtigt, damit allein der Kosteneffekt sichtbar wird.
Eingezahlt werden in allen drei Fällen 72.000 Euro. Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Szenario beträgt damit rund 54.000 Euro, obwohl die Kapitalmärkte vor Kosten in allen Fällen dieselbe Rendite geliefert hätten. Wie stark sich scheinbar kleine Prozentpunkte über lange Laufzeiten auswirken, hatte auch die Verbraucherzentrale Bundesverband während der parlamentarischen Anhörung im März 2026 vorgerechnet: Bei einem Standardprodukt mit 90 Prozent Aktienquote und 0,2 Prozent Kosten läge der Vermögenszuwachs nach 40 Jahren bei rund 179.800 Euro, bei 1,5 Prozent Kosten nur bei rund 79.800 Euro.00 Euro, bei 1,5 Prozent Kosten nur bei rund 79.800 Euro.
Wettbewerb drückt die Preise unter den gesetzlichen Deckel
Die Deka steht mit ihrem Standardangebot nicht allein. Mehrere Neobroker haben in den vergangenen Wochen eigene Konditionen für das Altersvorsorgedepot angekündigt und den gesetzlichen Kostendeckel von einem Prozent teils deutlich unterboten. Smartbroker+ erstattet nach eigenen Angaben im Standarddepot die laufenden ETF-Kosten für die ersten drei Jahre vollständig, begrenzt auf ein Anlagevolumen von 25.000 Euro; danach ist die weitere Erstattung an eine Mindestzahl von Transaktionen im Hauptdepot geknüpft.
Verbindlich sind sämtliche Konditionen noch nicht: Die Zertifizierung der Verträge nach dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz ist erst nach dem gesetzlichen Start zum 1. Januar 2027 endgültig abgeschlossen.
Förderung bleibt das ganze Jahr über erhalten
Ein vorschneller Vertragsabschluss ist nicht nötig. Wer bis Ende 2027 ein Altersvorsorgedepot eröffnet, kann die volle staatliche Förderung für das Jahr weiterhin in Anspruch nehmen. Interessierte haben also Zeit, Angebote zu vergleichen, sobald die Konditionen verbindlich feststehen.
Dass diese Zeit nötig ist, zeigt eine Befragung des Geldratgebers Finanztip: Nur 36 Prozent der Bevölkerung kennen das Altersvorsorgedepot bislang überhaupt, 57 Prozent haben noch nichts davon gehört. Selbst unter denjenigen, die es kennen, kann sich nach der Erhebung nur rund ein Drittel vorstellen, es tatsächlich zu nutzen. Als größte Hürde nennen die Befragten nicht das Risiko des Aktienmarkts, sondern die Sorge vor späteren politischen Regeländerungen sowie schlechte Erfahrungen mit der Riester-Rente.
Quellen: DekaBank; Smartbroker; Finanztip