Alzheimer vor 65: Diese Beschwerden fallen schon Jahre vor der Diagnose auf
Alzheimer betrifft nicht nur ältere Menschen. Bei einem Teil der Betroffenen beginnt die Erkrankung bereits vor dem 65. Lebensjahr. Forscher aus Finnland haben untersucht, welche gesundheitlichen Auffälligkeiten bei diesen Menschen schon lange vor der Diagnose auftreten. Dafür werteten sie die Krankengeschichten von 407 Alzheimer-Patienten und 4.035 gleichaltrigen Kontrollpersonen aus.
Schwindel und Depressionen häufen sich vor der Alzheimer-Diagnose
In den fünf Jahren vor der Alzheimer-Diagnose waren bestimmte Beschwerden und Erkrankungen bei den später Erkrankten deutlich häufiger dokumentiert als bei Menschen ohne Alzheimer. Besonders auffällig waren:
Schwindel: 5,9 Prozent gegenüber 2,1 Prozent in der Vergleichsgruppe
Depressionen: 5,7 gegenüber 2,3 Prozent
Kopfschmerzen: 4,9 gegenüber 1,6 Prozent
Schilddrüsenerkrankungen: 2,5 gegenüber 0,8 Prozent
Auch Schlaganfälle, Epilepsie und bestimmte Hirnverletzungen wurden häufiger festgestellt. Im Jahr unmittelbar vor der Alzheimer-Diagnose stieg zudem die Zahl der Arzt- und Krankenhauskontakte bei den später Erkrankten deutlich an.
Hörprobleme fallen bereits sechs bis zehn Jahre vorher auf
Besonders interessant: Bereits sechs bis zehn Jahre vor der Alzheimer-Diagnose waren bestimmte Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich häufiger dokumentiert. Dazu gehörten Tinnitus und beidseitiger Hörverlust durch eine Störung im Innenohr oder am Hörnerv.
In diesem Zeitraum hatten 4,7 Prozent der späteren Alzheimer-Patienten mindestens eine solche Diagnose erhalten, gegenüber 2,1 Prozent der Kontrollpersonen. Die Zahlen beziehen sich auf beide Hörprobleme zusammen. Noch früher, elf bis 15 Jahre vor der Alzheimer-Diagnose, fanden die Forscher keine statistisch eindeutigen Unterschiede zwischen den Gruppen.
Bluthochdruck spielt in dieser Studie keine auffällige Rolle
Ein überraschendes Ergebnis betrifft die bekannten Risikofaktoren Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte. Diese waren bei den später Erkrankten nicht signifikant häufiger dokumentiert als in der Vergleichsgruppe. Bei Alzheimer im höheren Lebensalter spielen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren dagegen eine größere Rolle.
Für die im Fachjournal „Alzheimer's & Dementia“ veröffentlichte Studie werteten die Forscher landesweite Gesundheitsregister aus. Die 407 Alzheimer-Patienten waren bei ihrer Diagnose im Durchschnitt knapp 61 Jahre alt. Ihre Krankengeschichten verglichen die Forscher mit denen von 4.035 Personen gleichen Alters und Geschlechts ohne entsprechende Erkrankung.
Bedeuten diese Beschwerden ein erhöhtes Alzheimer-Risiko?
Aus den Ergebnissen lässt sich nicht vorhersagen, ob ein Mensch mit Schwindel, Depressionen oder Tinnitus später Alzheimer entwickelt. Selbst unter den später Erkrankten waren die einzelnen Beschwerden nur bei einer Minderheit dokumentiert.
Außerdem bleibt unklar, ob die Auffälligkeiten frühe Folgen der Alzheimer-Erkrankung sind oder andere Ursachen haben. Die Studie beruht auf bereits dokumentierten Diagnosen und kann solche Zusammenhänge nicht klären. Die Forscher hoffen dennoch, dass die Erkenntnisse künftig helfen könnten, Alzheimer bei jüngeren Menschen früher zu erkennen.