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Alzheimer-Wirkstoff RSQ-020: Wie er wirkt und wann Studien am Menschen kommen

Gesundheit

Ein winziges Molekül repariert, was Alzheimer im Gehirn zerstört. Fruchtfliegen erinnerten sich wieder. Doch bis zur Therapie für Menschen ist der Weg noch weit.

Die Fliegen hatten ihre Lern- und Gedächtnisfähigkeit verloren. Nach der Gabe von RSQ-020 schnitten sie wieder ab wie gesunde Tiere.

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Die Wirkung hielt an, lange nachdem die Forscher das Molekül abgesetzt hatten. RSQ-020 half also selbst dann, als der Schaden schon da war.

Dahinter steht ein Team um Giorgos Skretas vom Alexander-Fleming-Forschungszentrum und der Nationalen Griechischen Forschungsstiftung. Skretas leitet zudem das Spin-off ResQ Biotech.

Kein festes Schloss

Klassische Wirkstoffsuche folgt dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Forscher suchen ein Molekül, das exakt an eine Stelle des Zielproteins passt. Bei Alzheimer klappt das nicht. Proteine funktionieren wie Origami: Nur richtig gefaltet erfüllen sie ihre Aufgabe, falsch gefaltet verklumpen sie. Die beteiligten Proteine wechseln zudem ständig ihre Form. Sie hätten "kein festes Schloss", sagt Skretas.

Sein Team sucht deshalb nicht den passenden Schlüssel, sondern direkt das, was die Tür öffnet. Die Forscher schleusen das menschliche Protein in Bakterien der Art E. coli. Diese produzieren Milliarden verschiedener kleiner Moleküle, jedes ein eigener Lösungsversuch. Findet das Protein in eine normalere Form zurück, leuchtet die Zelle grün. Entwickelt hat das Team die Methode ursprünglich für die Nervenkrankheit ALS und das Protein SOD1.

Das Prinzip: ein Stadion mit Milliarden Zuschauern, in dem nur das Licht anknipst, wer die richtige Antwort kennt. "Anstelle jahrelanger Versuche in Reagenzgläsern finden wir so innerhalb weniger Tage Moleküle, die in einer lebenden Zelle funktionieren", sagt Skretas.

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Ziel: das Tau-Protein

Die bisher zugelassenen Alzheimer-Therapien greifen das Eiweiß Beta-Amyloid an. Laut den Forschern bremsen sie die Krankheit nur sehr begrenzt und haben etliche Nebenwirkungen. Skretas’ Team zielt auf das Tau-Protein. Verklumpt es, geht das mit Gedächtnisverlust einher. Tau steigt mit dem geistigen Abbau wie ein Thermometer mit dem Fieber.

RSQ-020 ist ein kleines, ringförmiges Molekül, das ins Gehirn gelangen kann. Es stabilisiert einzelne Tau-Proteine, bevor sie verklumpen.

Drei Krankheiten, ein Treffer

Fliegen sind keine Menschen. Deshalb zählt ein zweiter Befund: Im Labor löste RSQ-020 Ablagerungen auf, die aus Gehirnen verstorbener Patienten stammten. Das gelang bei Alzheimer, bei der Pick-Krankheit, einer Form der frontotemporalen Demenz, und bei der progressiven supranukleären Lähmung, einer seltenen Hirnerkrankung.

Bei allen dreien faltet sich Tau falsch, aber jeweils anders. Moleküle, die auf eine Form zugeschnitten sind, versagen meist bei den anderen. Das erklärt laut Skretas zum Teil die Rückschläge in diesem Feld. RSQ-020 wirkte bei allen. Laut ResQ Biotech schnitt es im lebenden Organismus zudem besser ab als die Tau-Hemmer LMTX und EGCG.

Noch kein Medikament

Bisher hat das Team RSQ-020 nur an Fruchtfliegen und an Gewebeproben im Labor getestet. Am Menschen noch nie. Die griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA betont: Eine Therapie ist damit nicht gefunden. Ein Menschenhirn ist komplexer als ein Fliegenhirn.

Als Nächstes kommen Mäuse, die dem Menschen biologisch näher stehen. Dafür braucht das Team Geld. 2024 gab es eine Proof-of-Concept-Förderung des Europäischen Forschungsrats über 150.000 Euro, bereits 2023 war Google-Maps-Mitgründer Lars Rasmussen eingestiegen. Für die nächste Phase reicht das nicht. Skretas warnt: Solche Forschung verlässt Europa oft genau dann, wenn sie vielversprechend wird.

Klappen die Mausversuche, könnten laut Skretas in drei Jahren Daten vorliegen, die Studien am Menschen rechtfertigen. Für Betroffene heißt das: Ein Medikament ist noch Jahre entfernt. Der nächste echte Prüfstein sind die Mausstudien.

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