Amazon Leo: Letzter Atlas-V-Satellitenstart ebnet Weg gegen Starlink
Mit 396 Satelliten im Orbit will Amazon seinen Breitbanddienst noch 2026 starten – doch der Raketenengpass bleibt. Amazon Leo hat jetzt ausreichend Satelliten im Erdorbit, um noch in diesem Jahr Internet aus dem All anzubieten und damit Starlink Konkurrenz zu machen. Am Donnerstag startete eine Atlas-V-Rakete von Cape Canaveral und brachte 29 Amazon-Leo-Satelliten ins All. Weiterlesen nach der Anzeige Für Amazon markiert der Flug einen strategischen Wendepunkt: Mit mehr als 390 Satelliten im niedrigen Erdorbit sieht sich der Konzern in der Lage, seinen Internetdienst noch in diesem Jahr kommerziell zu starten. "Wir haben genug Starts für den Erstdienst in diesem Jahr abgeschlossen", schrieb Chris Weber, Vizepräsident bei Amazon Leo, in einem LinkedIn-Beitrag. Zugleich räumte das Unternehmen ein, dass die frisch ausgesetzten Satelliten erst von ihrem 465-Kilometer-Parkorbit auf die operative Höhe von 630 Kilometern angehoben werden müssen. Wie viele zusätzliche Satelliten in naher Zukunft noch in die Erdumlaufbahn geschossen werden können, ist unklar. Wie SpaceNews berichtet, war der Start am Donnerstag voraussichtlich der letzte mit Atlas-V-Raketen. Die verbliebenen sechs Stück sind demnach ausschließlich für Boeings krisengeplagte Starliner-Kapsel reserviert. Vulcan-Rakete am Boden, Zeitdruck wächst Der Abschluss der Atlas-Kampagne zwingt Amazon zum Umstieg auf eine Vulcan-Centaur-Rakete von United Launch Alliance (ULA). Das Problem: Die Schwerlastrakete des Boeing-Lockheed-Martin-Joint-Ventures fliegt seit einem Booster-Defekt im Februar nicht mehr, ein neuer Starttermin steht aus. Amazon hat mindestens 40 Vulcan-Flüge gebucht, bislang aber keinen einzigen genutzt. Weiterlesen nach der Anzeige Melissa Wuerl, Direktorin Startsysteme bei Amazon Leo, verwies gegenüber SpaceNews auf "Hunderte flugbereite Satelliten" in Cape Canaveral und eine neue Integrationsanlage, die für die erste Vulcan-Mission bereitstehe. Amazons Raketenpoker mit SpaceX Die Abhängigkeit von kriselnden Trägern treibt kuriose Blüten: Trotz Milliardenverpflichtungen bei ULA, Arianespace und Blue Origin hat Amazon Ende 2025 still zehn zusätzliche Falcon-9-Starts beim direkten Konkurrenten SpaceX gebucht, wie Bloomberg berichtet. Auch Blue Origins New-Glenn-Rakete fällt nach einer Explosion beim Triebwerkstest am 28. Mai 2026 zunächst aus – Blue Origin plant aber eine Rückkehr zum Flug noch im Jahresverlauf. Amazons Fabrik nahe Seattle fertigt zwar mehrere Satelliten pro Tag, drosselt aber inzwischen die Produktion bewusst, weil schlicht die Raketen fehlen. FCC gibt Bezos mehr Zeit Immerhin hat die US-Regulierungsbehörde FCC im Juni eine bedingte Ausnahmegenehmigung erteilt, wonach Amazon bis Ende Juli 2026 genau 1.616 Satelliten im Orbit haben müsste – eine Frist, die mit gerade einmal über 390 Einheiten kaum erreichbar scheint. Die Endfrist für die volle Erstkonstellation aus 3.232 Satelliten bleibt allerdings bei Juli 2029.