AMD soll Testmuster blockiert haben
AMD hat die Radeon RX 9050 Ende Juli 2026 ohne Pressemitteilung, ohne Testmuster und ohne europäischen Marktstart in den Handel gebracht. Wer wissen wollte, was die kleinste RDNA-4-Grafikkarte tatsächlich leisten kann, war bislang auf einen einzigen Testbericht eines japanischen Hardware-Portals angewiesen. Inzwischen liegen allerdings die ersten Messwerte aus einem westlichen Testlabor vor. Zustande kamen sie allerdings nur, weil der australische Kanal Hardware Unboxed am offiziellen Vertriebsweg vorbei an eine Grafikkarte gelangte. AMD lieferte kein Muster, Hardware Unboxed testete dennoch Hardware Unboxed hat nach eigener Darstellung weder von AMD noch von einem Boardpartner eine Radeon RX 9050 erhalten. Der Kanal berichtet, dass der Hersteller seine Partner angewiesen habe, keine Karten an unabhängige Tester herauszugeben. Dieses Testmuster wurde demzufolge schließlich über "side channels", also über inoffizielle Kanäle, beschafft. Die Quelle stellte dafür jedoch klare Bedingungen: keine Aufnahmen der Grafikkarte, keine Aufnahmen der Verpackung und keine Nennung des Boardpartners. Ein Benchmark-Test ohne ein einziges Bild des Testobjekts ist in der Hardware-Berichterstattung ein durchaus ungewöhnlicher Vorgang. Auch die Regionalpolitik erschwerte den Zugang. AMD nennt als Startmärkte ausschließlich Asien-Pazifik, Japan und Lateinamerika. Australien und Korea bleiben laut Hardware Unboxed trotz ihrer Zugehörigkeit zur APJ-Region außen vor. Dem in Australien ansässigen Kanal fehlte damit selbst der reguläre Weg über den Einzelhandel oder ein Testmuster des US-Herstellers selbst. Es ist dabei nicht das erste Mal, dass Hardware Unboxed in einer solchen Rolle auftaucht. Bereits im Dezember 2020 hatte Nvidia den YouTube-Kanal wegen dessen Fokus auf Rasterizing-Leistung von seiner Liste für Testmuster gestrichen und die Entscheidung nach öffentlichem Druck binnen Tagen zurückgenommen. Radeon RX 9050 im Benchmark: 49 Fps in Full HD, 33 Fps in WQHD Über zehn Spiele hinweg erreicht die Radeon RX 9050 im Parcours von Hardware Unboxed 49 Fps in Full HD und 33 Fps in WQHD. Für Käufer zählt dabei weniger der Abstand zur Konkurrenz als der zur eigenen Vorgänger-Generation. Die 2023 eingeführte Radeon RX 7600 liegt in Full HD 22 Prozent vorn, die Geforce RTX 5050 um 20 Prozent. In WQHD schrumpft der Abstand, weil beide 8-GiB-Karten am Speicher hängen. Die Radeon RX 9050 und die Geforce RTX 5050 landen dort bei identischen 33 Fps, während die deutlich ältere Radeon RX 7600 auf 35 Fps kommt. Das Fazit des Kanals fällt entsprechend aus: Hardware Unboxed verweist auf den Gebrauchtmarkt, auf Intels Arc B580 oder darauf, bis zur Radeon RX 9060 XT weiterzusparen. Radeon RX 9050: 16 Compute Units riechen Resteverwertung Die AMD Radeon RX 9050 aktiviert lediglich 16 der 32 Compute Units des bereits bekannten RDNA-4-Grafikprozessors ("Navi 44"). Damit kommt sie auf exakt die Hälfte der Shader-Einheiten einer Radeon RX 9060 XT. Übrig bleiben 1.024 Shader-Einheiten, 16 Raytracing- und 32 KI-Beschleuniger sowie der vollständige Infinity Cache mit bekanntermaßen 32 MiB. Der Speicherausbau umfasst 8 GiB GDDR6 mit 18 Gbps an einem 128 Bit breiten Interface, woraus sich eine Bandbreite von 288 GByte/s ergibt. Die TDP respektive die typische Boardleistung beziffert AMD auf 92 Watt. Hardware Unboxed hält die Karte für eine niedrigere Selektionsstufe von Navi-44-Grafikprozessoren, welche die Vorgaben der größeren AMD Radeon RX 9060 nicht erfüllen. AMD hat diese Einordnung bislang nicht bestätigt. Ohne eine offizielle Stellungnahme des US-Herstellers bleibt sie daher eine Arbeitshypothese und kein belegter Fakt. Die Variante mit 4 GiB bleibt eine OEM-Grafikkarte Neben dem Modell mit 8 GiB existiert eine Ausführung mit 4 GiB, die nicht in den Einzelhandel kommt. AMD hat bereits bestätigt, dass diese Version für ein einzelnes Partnersystem entwickelt wurde: den CyberPowerPC - Gamer Master, welcher über die E-Commerce-Plattform Best Buy verkauft wird. Bildquelle: Best Buy Mit der Speicherkapazität halbiert sich auch das Speicherinterface auf 64 Bit. Die Bandbreite sinkt dadurch von 288 auf 144 GByte/s. Beide Karten tragen denselben Namen, sodass Käufern von Komplett-PCs die Unterscheidung überlassen bleibt. Kein Marktstart in Deutschland, dafür steigende Radeon-Preise Die Radeon RX 9050 wird in Deutschland vorerst nicht verkauft. Treiber-Support gibt es seit der Adrenalin Edition 26.7.1 trotzdem. Die Preisempfehlung liegt bei 279 US-Dollar; Hardware Unboxed hält höchstens 200 US-Dollar für angemessen. Eine Umrechnung wäre derzeit ohnehin wenig belastbar, denn AMD hat seinen Boardpartnern für August einen Aufschlag von mindestens zehn Prozent auf das Kit aus GPU und Grafikspeicher angekündigt. Im PCGH-Preisvergleich hat sich diese Maßnahme bereits niedergeschlagen: Die AMD Radeon RX 9070 XT startete am 31. Juli bei rund 669 Euro und notierte nur zwölf Tage später 30 Euro höher. Inzwischen kostet das RDNA-4-Flaggschiff mindestens 709 Euro. Für die Einsteiger-Grafikkarten ergibt sich daraus eine unangenehme Rechnung, weil der GDDR6-Grafikspeicher bei ihnen einen überproportionalen Anteil an den Herstellungskosten einnimmt. Genau in diesem Umfeld ist eine Karte mit halbiertem Chip und 8 GiB Speicher als Neuware schwer zu verteidigen. Aus Herstellersicht ergibt der ausgebliebene Versand von Testmustern damit plötzlich Sinn. Der zu erwartenden Kritik der Fachpresse wollte sich AMD ganz offensichtlich nicht stellen. Ob AMD den Vorgang kommentiert, ist offen. Eine Stellungnahme zu den Angaben von Hardware Unboxed liegt bislang nicht vor. Mitmachen und kommentieren Wie stehen Sie zu diesem Thema? 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