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Amprion gründet neue KI-Firma: Energiewende macht es notwendig

Wirtschaft

Netzbetreiber mit Vorstoß

Neue KI-Firma soll deutsches Stromsystem künftig steuern

01.10.2026 - 08:15 UhrLesedauer: 3 Min.

Durch die Energiewende ist das Stromsystem komplex geworden. Einer der großen Netzbetreiber will die Steuerung deshalb künftig der KI überlassen – und gründet dafür ein Unternehmen.

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion gründet eine KI-Firma, die in Zukunft die Stromnetze steuern und das Stromsystem vor Ausfällen bewahren soll. Das teilten die neue alphaGrid und Amprion gemeinsam am Mittwoch mit. Amprion ist eine der vier Firmen, die in Deutschland die großen Stromautobahnen betreiben und dafür sorgen, dass Strom durch das ganze Land und nach Europa verteilt werden kann.

Die neue Tochtergesellschaft von Amprion, alphaGrid, soll von Thomas Dederichs und Benjamin Schwarzer geleitet werden. In den kommenden zehn Jahren will Amprion laut Pressemitteilung einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in Alpha Grid investieren.

KI kann auch vor Blackouts schützen

Durch die Energiewende ist das Stromsystem viel komplexer geworden als in der Vergangenheit. Statt auf einige wenige Kraftwerke, die Strom erzeugen, setzt das Land immer mehr auf viele kleinere, dezentrale Anlagen – von der privaten Solaranlage über den kommunalen Windpark bis zu den großen Gas- und Wasserstoffkraftwerken. Diese vielen verschiedenen Strommengen zu steuern und zu transportieren, wird für die Betreiber zu einer immer größeren Herausforderung. An dieser Stelle soll Alpha Grid KI-Anwendungen entwickeln und die Netzbetreiber künftig unterstützen.

"Heutzutage geht es um Sekunden, um einen Blackout zu verhindern", sagt Thomas Dederichs im Gespräch mit t-online. Das habe man beim großen Stromausfall auf der iberischen Halbinsel 2025 gesehen. "Das waren 27 Sekunden, die zum Reagieren bleiben – das ist nicht viel Zeit." In Zukunft soll KI helfen, solche Situationen zu bewältigen und das neue, erneuerbare System sicher zu steuern.

Das Unternehmen plant, ein KI-System, vielleicht auch mehrere verschiedene Systeme, zu entwickeln und zu trainieren. Zum Start sollen diese Systeme nur für Amprion entwickelt werden – erst später sollen auch Kooperationen mit anderen Energieunternehmen hinzukommen. "Wenn wir etwas entwickeln, das allen Netzbetreibern wirklich hilft, dann wollen wir das natürlich auch teilen", sagt Benjamin Schwarzer zu t-online. Zu Beginn soll es aber nicht darum gehen, Produkte zu verkaufen und so Geld zu verdienen, erklären die Geschäftsführer.

"Man muss keine Angst vor KI haben"

Angesichts der aktuellen Debatte rund um die Sicherheit von KI – angestoßen von den großen KI-Entwicklern in den USA – sagte Schwarzer: "Man muss keine Angst vor KI haben, aber Respekt. Gleichzeitig braucht es den Mut anzuerkennen, dass wir diese Technologie wirklich brauchen. Ohne KI geht es auch im Stromsystem nicht mehr." Zudem betonten die Alpha-Grid-Chefs, dass ihre KI-Modelle als Expertensysteme ganz anders sein werden als jene, die in der Techwelt gerade diskutiert werden.

Bei Alpha Grid habe man lange und intensiv darüber gesprochen, ob es das Ziel sein soll, dass der Netzbetrieb irgendwann ohne menschliches Eingreifen funktioniert – und diesen Grundsatz verworfen. "Ingenieure, auch die neuen, müssen ihr System richtig verstehen. Die KI kann Ratschläge geben und vor allem in Notsituationen bei der Entscheidungsfindung helfen. Aber ersetzen wird sie den Menschen nicht", glaubt Schwarzer, der IT-Leiter von Amprion ist und das auch bleiben wird. "Deutschland hat eines der sichersten Stromsysteme der Welt. Dieser Anspruch bleibt", ergänzt Dederichs.

Neben der Bewältigung von Notsituationen soll die KI von Alpha Grid künftig auch bei der Netzplanung unterstützen und so Prognosen erstellen, wie sich der Strombedarf und die Stromflüsse unter unterschiedlichen Bedingungen verändern.

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