Analyse der nordeuropäischen Verteidigung und Resilienz
In den nordischen Staaten sind Heimwehr und Territorialverteidigung fest in Staat und Gesellschaft verankert. Der Vergleich mit dem deutschen Heimatschutz zeigt, welche Ansätze auch für die Bundesrepublik relevant werden könnten.
Inhalt:
Norwegen: Heimwehr mit Pflichtanteil
Dänemark: Heimatschutz zu Land, in der Luft und zur See
Schwedens Hemvärnet vor weiterem Wachstum
Sonderfall Finnland
Lehren für Deutschland
Nordische Sicherheitskonzepte basieren auf einer klaren Einbindung in NATO und EU, zeichnen sich aber auch durch ein hohes Maß an Eigenständigkeit aus. Vor allem müssen diese Sicherheitskonzepte neben niedrigen Bevölkerungszahlen die Randlage der Region und ihre komplexe Topografie berücksichtigen, wozu zerklüftete Fjordlandschaften, dichte Waldgebiete, kleinteilige Inselwelten und lange Küstenlinien gehören. Zusammen mit einem hohen Urbanisierungsgrad und einer empfindlichen kritischen Infrastruktur hat dies im Norden Europas zur Entwicklung unterschiedlicher Heimwehr- und Territorialverteidigungskonzepte geführt.
Die primär mit Aufgaben der Territorialverteidigung betrauten Heimwehren sind dabei in umfassende Gesamtverteidigungskonzepte eingebunden, international häufig als „Total Defence“ bezeichnet. Diese Konzepte umfassen Wehrpflichtmodelle, eine ausgeprägte Reservistenkultur, einen glaubhaften Zivilschutz und nicht zuletzt auch Elemente psychologischer Verteidigung. Insbesondere bilden nordische Heimwehrstrukturen wertvolle Bindeglieder zwischen Zivilgesellschaft und Streitkräften, erhöhen das allgemeine Sicherheitsgefühl und stärken gesellschaftliche Resilienz.
Norwegen: Heimwehr mit Pflichtanteil
Gemessen an seiner Einwohnerzahl verfügt Norwegen über die größte Heimwehrorganisation unter den hier betrachteten nordischen Staaten. Gut die Hälfte der 40.500 Angehörigen der Heimevernet besteht aus ehemaligen Wehrpflichtigen, die nach ihrem zwölfmonatigen Wehrdienst zur Heimwehr beordert wurden, die übrigen Angehörigen engagieren sich freiwillig. In beiden Fällen werden Offiziere, Unteroffiziere und Spezialisten bis zu neun Tage im Jahr zum aktiven Dienst einberufen, Mannschaftsdienstgrade bis zu sechs Tage. Angehörigen besonderer Berufsgruppen versucht die Heimwehr nach Möglichkeit berufsnahe Tätigkeiten zuzuweisen (etwa Ärzten und Pflegekräften, Journalisten oder Geistlichen), was die Einbindung in die Zivilgesellschaft in besonderer Weise vertieft.