Andrea Kiewel erlebt im "Fernsehgarten" ihr "Austerndesaster"
Am Sonntagmittag feierten Andrea Kiewel und das ZDF in Bremerhaven das Ende der "Fernsehgarten"-Saison. Zwischen Schlagermusik und Fischbrötchen wollte man die Zuschauer mit dem Thema "Austern" in Verzückung versetzen. Doch das kam weniger gut an als offenbar erwartet.
Eine Kritik
von Christian Vock
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informiere dich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.
"Wenn sie aufkreuzt, herrscht direkt Springflut", holt der Off-Sprecher am Sonntagmittag Moderatorin Andrea Kiewel auf die "Fernsehgarten"-Bühne. Das ist natürlich Quatsch, denn eine Springflut, eigentlich "Springtide", hat selbstverständlich nichts mit Andrea Kiewel zu tun, sondern mit Gezeiten. Aber weil der "Fernsehgarten" diesmal aus Bremerhaven kommt, wollte man wohl mit ein bisschen maritimem Flair starten.
Und so begrüßt Andrea Kiewel kurz darauf "zum allerletzten 'Fernsehgarten' der Saison 2026" und behauptet: "Es kann keinen besseren Ort geben, um Adieu zu sagen, als Bremerhaven."
Wie Kiewel auf diese Idee kommt, verrät sie nicht, daher kann man nur spekulieren, ob das nun als Kompliment oder als Beleidigung gemeint war. "Fernsehgarten" ist, wenn man nicht so genau hinhören sollte, was da alles so erzählt wird, und das gilt auch für Andrea Kiewels nächste Behauptung.
"Bremen und Bremerhaven gehören zusammen wie der 'Fernsehgarten' und Kiwi", zimmert Andrea Kiewel da nämlich einen windschiefen Vergleich zusammen. Denn während Kiewel und das ZDF nur eine Sparmaßnahme oder eine Neuausrichtung von einem nicht verlängerten Vertrag entfernt sind, wird eine Trennung von Bremen und Bremerhaven deutlich komplizierter. Aber es ist immer schön, wenn jemand mit so einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein ausgestattet ist.
Meer, Schlager, Kiewel
Deutlich fester ist da die Bindung des "Fernsehgarten" zu etwas Anderem. "Schlagerparty, das haben wir uns überlegt, ist doch eine gute letzte Show", erklärt Andrea Kiewel die Vorbereitung auf das Saison-Finale. Das klingt, als habe man sich wahnsinnig viele Gedanken gemacht – oder eben gar keine. Denn Schlager und der "Fernsehgarten" funktionieren immer, da kann man bei der Planung eigentlich nichts falsch machen. Und so hat man am Sonntagmittag nun alles beisammen für die letzte Ausgabe: Bremerhaven, Meeresmotto, Schlager und Andrea Kiewel.
Für den Schlager-Anteil hat man Vincent Gross, Tim Peters, Alina, Ramon Roselly, Laura & Mark feat. Amber, Jenice, Gentlemen Forever und Rosanna Rocci gebucht. Los geht es aber mit drei Künstlern, die den elterlichen Schlager-Betrieb übernommen haben und nun mit den Liedern ihrer Väter durch die Lande ziehen. Beim "Fernsehgarten" singen Alina Drews, Achim Petry und Lucas Cordalis ein Medley aus bekannten Songs von Wolfgang Petry, Jürgen Drews und Costa Cordalis.
Den Übergang vom Schlager- zum Meeres-Teil bildet der Chor de Tampentrekker, der mal hier und mal da mal ein paar Shantys durch Bremerhaven schicken. Ohnehin hat man das Küsten-Motto in dieser Ausgabe recht passend beisammengehalten. Kiewel schaut an einem Fischbrötchen-Stand vorbei, ein Herr zeigt ihr, wie man auf dem Wasser den Sport Pump Foiling betreibt, wieder ein anderer Herr führt die Kunst des Buddelschiffbauens vor und bei einer Regenklamotten-Modenschau läuft Achim Petry im Friesennerz durchs Publikum. Bei einem Programmpunkt haben sich Andrea Kiewel und das ZDF aber komplett verrechnet.
Denn Kiewel will am Sonntagmittag den Zuschauern zuhause und in Bremerhaven völlig begeistert das Thema "Austern" vorstellen, doch zumindest das Publikum vor Ort ist davon nur wenig begeistert. "Keine Reaktion", stellt Kiewel fest, als sie das Thema "Austern" ankündigt, und fragt direkt noch einmal nach: "Wer mag Austern?" Das Publikum antwortet mit Schweigen, doch als Kiewel die Gegenprobe "Wer mag keine Austern?" stellt, erntet sie einen Jubelsturm. "Alter: Wär ich 'ne Auster – ich würde mich jeden Tag selber essen!", antwortet Kiewel völlig verdutzt.
Eine Feststellung, die wirklich überhaupt keinen Sinn ergibt, doch Kiewel geht zur Recherche ins Publikum und fragt einen Mann nach seinen Gründen für den Austernverzicht. "Hab ich noch nicht probiert", erklärt der Zuschauer und vielleicht liegt die Zurückhaltung ja gar nicht am Geschmack der Weichtiere, sondern daran, dass nicht jeder über das Einkommen einer Fernsehmoderatorin verfügt. Trotzdem hat das ZDF einen kleinen Einspieler gedreht, wie sich Kiewel das ganze Prozedere rund ums Austernsammeln, -verkaufen und -essen erklären lässt.
Von der mauen Resonanz des Publikums offenbar überrascht, will Kiewel ihre Begeisterung fürs Austernessen nun teilen und nimmt sich Folgendes vor: "Ich mach jetzt Werbung für die Austern!" Tatsächlich macht Kiewel nun aber das genaue Gegenteil, denn sie macht nicht Werbung für die Austern, sondern Werbung dafür, Austern zu essen. Ein wichtiger Unterschied, denn Austernessen ist ein Vorgang, bei dem die Auster regelmäßig als Verliererin vom Teller in den Magen geht. Austern könnten deshalb auf Werbung für Austern sicher verzichten – zumindest, wenn sie weiterleben wollen.
Empfehlungen der Redaktion
Früherer ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser gestorben
"Was haben wir gelernt?" - "Von dir nix."
Mila Şahin ganz allein: Lohnt sich der erste Kieler Tatort ohne Borowski?
Am Ende merkt Kiewel dann, wahrscheinlich unbewusst, dass es bei der "Werbung für die Auster" gar nicht um die Auster geht, sondern um den Geschmack für den einen und ums Geld für den anderen: "Möge das Austerngeschäft blühen!", verabschiedet Kiewel ihre Gäste Jost und Markus, die einen Austernversand betreiben und bei Kiewel Werbung für ihr Austerngeschäft machen konnten. Kiewels Fazit: "Mein Austerndesaster – das ist traumatisch!"
Das Thema "Austern" kam am Sonntagmittag also nicht so gut bei den Zuschauern vor Ort an, aus Unterhaltungssicht war das aber völlig wurscht – und vielleicht sogar besser. Denn hätten alle vor Begeisterung "Oh" und "Ah" gerufen, wäre das untergegangen. Dass alle "Igitt" und "Bäh" gedacht haben, dürfte dagegen in Erinnerung bleiben. Und die Auster freut sich über diese Ablehnung wahrscheinlich am meisten.