Andrew Garfield: "Es ist nicht einfach 'nur' eine Rebellion"
"The Uprising – Für die Freiheit" mit Andrew Garfield in der Hauptrolle handelt vom Bauernaufstand des Jahres 1381. Warum ein Film über das mittelalterliche England aktueller denn je ist, erzählten uns Regisseur Paul Greengrass und die Hauptdarsteller.
England im 14. Jahrhundert. Die Pest hat die Bevölkerung drastisch dezimiert, Familien und Dorfgemeinschaften dauerhaft zerstört. Von Kirche oder Krone können die gebeutelten Menschen keine Hilfe erwarten. Im Gegenteil: Mehr und mehr Steuern werden gnadenlos eingetrieben. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Situation kippt. Als die Steuereintreiber einmal mehr brutal vorgehen, reicht es dem Bauern Ploughman (Andrew Garfield). Er wehrt sich, Blut wird vergossen, für ihn und sein Dorf gibt es danach kein Zurück mehr.
Was Ploughman da noch nicht ahnt: Er und seine (noch) wenigen Verbündeten sind nicht allein. Längst haben sich an anderen Stellen Aufständische zusammengeschlossen. Angeführt werden die Rebellen von Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und dem Prediger John Ball (Jamie Bell). Sie wollen nach London, um einem weinerlichen jungen König Richard II. (ganz fantastisch: Woody Norman) ihre Forderungen zu überreichen.
Sie sind sich sicher, dass der König – wenn er nur endlich von ihrer Misere erführe – seine falschen Berater loswerden und sich auf ihre Seite stellen würde. Rührend naiv irgendwie. Aber auch das besonders Faszinierende an "The Uprising". Der tiefe (Aber-)Glaube an die göttliche Ordnung ist aus heutiger Sicht schwer zu verstehen. Dass man dennoch Parallelen zur heutigen Zeit ziehen kann und sollte, ist für Regisseur Paul Greengrass ("Das Bourne Ultimatum") keine Frage.
"Natürlich geht es eigentlich um längst vergangene Zeiten, den Bauernaufstand von 1381", sagt er gegenüber unserer Redaktion. "Wenn man sich aber diese Welt anschaut, die so tief gespalten ist – die reichen Eliten und privilegierte Oligarchen auf der einen und der ganze Rest auf der anderen Seite; so hoffnungslos, dass ein Funke genügt, um alles in Flammen zu setzen –, fühlt es sich plötzlich nicht mehr so vergangen an. Sondern sehr nah dran an einem möglichen Morgen." Und er setzt nach: "Genau deswegen haben wir den Film gemacht."
Gab's nur Getreidebrei? "Schön wär's!"
In der Hauptrolle gibt Ex-Spider-Man und Hollywood-Star Andrew Garfield einen überzeugenden, hungernden mittelalterlichen Bauern. Wie bereitet man sich auf so eine Rolle vor? Wälzte er Geschichtsbücher und aß nur Getreidebrei? "Schön wär's!", lacht Garfield und scherzt: "Wir durften gar nichts essen. Paul (Greengrass) hat es verboten. Wir sollten aussehen, als würden wir Getreidebrei essen – bekamen aber nichts."
"Wir sollten hungrig aussehen," ergänzt Thomasin McKenzie, die eine junge Frau aus einem Konvent spielt, die sich der Revolution anschließt. "Ausgezehrt, verzweifelt." McKenzie ist in Neuseeland geboren und musste sich in diese Zeit erst einlesen. "Ich wusste eigentlich nichts von diesem Bauernaufstand in England und musste viel lernen. Aber Paul (Greengrass) und sein Team haben großartiges Material zusammengestellt."
Andrew Garfield: "Es ist nicht einfach 'nur' eine Rebellion"
Anders war die Sache bei Garfield: "Ich habe über den Aufstand schon in der Schule gelernt, allerdings wurde es uns damals eher aus der Perspektive von John of Gaunt (historische Figur, er erdachte die Kopfsteuer und wird im Film von Stephen Dillane [Stannis Baratheon] gespielt) erzählt. Da waren die aufständischen Bauern die Bösen und nicht die Helden."
In "The Uprising" sieht das anders aus: "Es wird deutlich, wo unsere Sympathien liegen, auch wenn es sehr viele Nuancen gibt. Es ist nicht einfach 'nur' eine Rebellion. Auch innerhalb dieser Gruppen gibt es unterschiedliche Standpunkte und Antriebe. Paul (Greengrass) macht das in meinen Augen ganz hervorragend: Er erschafft einen vielschichtigen Aufstand, nicht einfach nur Gut gegen Böse."
"The Uprising" ist eine besondere Origin Story
Für eine historisch möglichst genaue Darstellung setzte das Team auf Experten. "Wir hatten den großartigen Dan Jones, der das wunderbare Buch 'Summer of Blood' über diese Epoche geschrieben hat."
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Andrew Garfield gerät geradezu ins Schwärmen. "Er ist der Lehrer, den man sich schon damals in Geschichte gewünscht hat. Er ist so cool! Und die Art und Weise, wie er die Geschichte erzählt, lässt sie geradezu lebendig werden. Und natürlich setzt man dann Details um, wie etwa, dass Ploughmans Ochse als eine Art Heizung auch im Haus schläft. Und wir hatten Lieder aus der Zeit. Mittelalterliche, christliche und vorchristliche. All diese Details und Informationen halfen uns dabei, uns ganz in diese Zeit zu versetzen."
Es ist nicht nur diese Liebe zum Detail, die den Film sehenswert macht. Schön brutal, beklemmend aktuell und bis in die kleinste Nebenrolle großartig besetzt, ist er auf jeden Fall einen Kinobesuch wert. Dazu hat er am Ende einen Twist, der vielleicht nicht super überraschend, aber dennoch ziemlich cool ist. Denn "The Uprising" ist auch so etwas wie eine Origin Story. Wie schon in "The Amazing Spider-Man" spielt Andrew Garfield auch hier einen jungen Mann, der sich seinem Schicksal stellen und über sich hinauswachsen muss. Kommt ihr drauf?