Andrew Tate: Auslieferung nach Großbritannien droht
Nach der Festnahme durch Beamte des U. S. Marshals Service in Miami wegen mutmaßlicher Sexualstraftaten in Großbritannien wehren sich die Influencer Andrew und Tristan Tate gegen eine Auslieferung. Bei einer Anhörung vor einem Bundesgericht in Florida nannten die Anwälte der früheren Kickboxer mit amerikanischem und britischem Pass die Verhaftung am Montag „eine politische Entführung“. „Sie haben nichts falsch gemacht. Das Ganze ist Müll, eine Intrige“, sagte der Strafverteidiger Joseph McBride. Die britischen Justizbehörden hatten seinen Mandanten schon in der Vergangenheit einige Dutzende Vergehen wie Vergewaltigung, Förderung der Prostitution, Menschenhandel und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Wie am Montag bekannt wurde, erweiterte die britische Staatsanwaltschaft die Anklage inzwischen um Übergriffe auf vier weitere Frauen. Unter anderen soll Andrew Tate eine Pornodarstellerin, die für eines seiner Unternehmen arbeitete, im Jahr 2015 bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt haben. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Er soll sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt haben Nach der beantragten möglichen Überstellung nach Großbritannien müsste sich der Neununddreißigjährige wegen mehr als 40 Anklagepunkten vor Gericht verantworten. Seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Tristan erwartet bei einer eventuellen Auslieferung ein Prozess zu insgesamt 17 Anklagepunkten, unter ihnen Menschenhandel, sexueller Missbrauch und die mutmaßliche, wiederholte Vergewaltigung einer früheren Lebensgefährtin in den Jahren 2012 und 2013. Nach Karrieren als Kickboxer waren die Söhne eines afroamerikanischen Schachspielers und einer britischen Kellnerin in Reality-Serien im Fernsehen und in sozialen Medien durch frauenverachtende Thesen aufgefallen. Als Influencer der sogenannten Manosphere betreiben die Brüder seit Jahren auch pornographische Websites und versuchen sich als Vorbilder bei Geldanlagen. Vor mehr als zehn Jahren, kurz nach den ersten Missbrauchsvorwürfen gegen Andrew Tate in Großbritannien, waren die Brüder nach Rumänien ausgewandert. Im Jahr 2022 nahm die rumänische Justiz die beiden wegen des Verdachts auf Menschenhandel, Entführung und Förderung der Prostitution fest. Als das Land Anfang des vergangenen Jahres überraschend die Reisebeschränkungen für die Tates aufhob, kehrten sie in die Vereinigten Staaten zurück. Nach der Zivilklage eines mutmaßlichen amerikanischen Missbrauchsopfers soll inzwischen auch die Staatsanwaltschaft in Florida gegen sie ermitteln. Angebliche Verbindungen zur Familie Trump Die Festnahme der Brüder wirft auch ein Schlaglicht auf ihre angeblichen Verbindungen zur Familie Trump. Laut „New Yorker“ sollen sich Vertreter der amerikanischen Regierung in der Vergangenheit in Rumänien für Andrew Tate und seinen Bruder eingesetzt haben. Verschiedene amerikanische Medien berichteten zudem über eine Verbindung der Präsidentensöhne Don Jr. und Barron Trump zu dem mutmaßlichen Sexualstraftäter. Andrew Tate hatte seine fast elf Millionen Follower bei der Plattform X, ehemals Twitter, schon 2024 zur Wiederwahl Trumps aufgerufen. „Ich unterhalte enge Verbindungen zur Familie Trump. Ich kenne sie gut“, ließ Tate damals wissen. Der nächste Gerichtstermin zu einer möglichen Überstellung nach Großbritannien erwartet ihn und seinen Bruder in der nächsten Woche. Falls das Bundesgericht dem Antrag der britischen Justiz auf Auslieferung zustimmt, hat Marco Rubio, amerikanischer Außenminister und wie Trump Republikaner, das letzte Wort.