Andrew Tate: Zwei Frauenhasser jammern über Kakerlaken und hoffen auf Trump
KI-Stimme. Info Andrew Tate hat Millionen Jungspunden eingetrichtert, ein Mann müsse Schmerz verachten, Schwäche ausmerzen, die Welt dominieren – und Frauen sowieso. Das ist sein Geschäftsmodell und das seines Bruders. Nun sitzt der selbsternannte „Oberboss“, der online gern mit nackter Brust und Zornesfalte auf der Stirn posiert, in einem Bundesgefängnis in Miami und zeigt, nun ja, Weichei-Qualitäten. Er lässt seine Anwälte über Hitze, Kakerlaken, überlaufende Toiletten und ungenießbares Wasser lamentieren – und hofft auf Donald Trump. Andrew und Tristan Tate wurden am 18. Juli in Florida von US-Marshals festgenommen. Großbritannien verlangt die Auslieferung der notorischen Troubleshooter. Dort erwarten sie 59 Anklagepunkte: Vergewaltigung, Körperverletzung, Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sowie Delikte mit Missbrauchsdarstellungen und extremer Pornografie. Die Vorwürfe betreffen sieben mutmaßliche weibliche Opfer aus den Jahren 2010 bis 2017. Die Brüder bestreiten alles. Tate Brüder: Anhörung findet am 13. August statt Sie sind Leitfiguren der „manosphere“, ein grotesker digitaler Männerkosmos aus Anti-Feministen und verkorksten Möchtegern-Bonobos. Ihr Angebot an verunsicherte Jungen: Wir sind bei dir, wenn Frauen, Feminismus und eine verweichlichte Gesellschaft dir deine Herrschaft genommen haben. Tate 1 und 2 garnieren ihre Botschaften gern mit Ferraris, Zigarren, Muskeln und dem Versprechen schnellen Reichtums. Frauen sind in dieser Welt keine gleichberechtigten Menschen, sondern Besitz, Einnahmequelle und Beute. Tate sagt, in einer Ehe „gehört die Frau dem Mann“. Opfer sexueller Gewalt trügen „einen Teil der Verantwortung“. Er prahlte, 18- oder 19-Jährige zu bevorzugen, weil er ihnen noch „seinen Stempel aufdrücken“ könne. In Schulungen seines Netzwerks „War Room“ erklärte er, Frauen müssten verliebt gemacht und ins Sexgeschäft gedrängt werden: „Man muss beim Zuhältern militant sein.“ Für den 13. August ist in Miami eine Anhörung angesetzt, bei der entschieden werden soll, ob sie während des Auslieferungsverfahrens freikommen. Die Justiz in London muss die vollständigen Unterlagen bis Mitte September vorlegen. Dann prüft ein amerikanisches Gericht die Umstände. Am Ende kann Außenminister Marco Rubio die Überstellung genehmigen oder verweigern. News aus den USA Damit beginnt jener Teil der Geschichte, den Andrew Tate, der Lautsprecher unter den Brüdern, am liebsten erzählt: die angebliche Schutzleitung ins Haus Trump. Er behauptet, der Präsidentenfamilie nahezustehen. Nach dem Attentat auf den Präsidenten 2024 in Butler/Pennsylvania erklärte er, er habe mit Trumps jüngstem Sohn Barron gesprochen. Barron interessierte sich für die penetrant machohaften Influencer, die seinem Vater politisch den Zugang zu jungen Männern erleichtert haben sollen. Der Tate-Vertraute Justin Waller besuchte Barron in Mar-a-Lago. Donald Trump Jr. trat mit Andrew Tate in einem Livestream zur Vermarktung eines Maga-Memecoins auf. Trotz Vorgeschichte. Nach Recherchen des „New Yorker“, gestützt auf Nachrichten, Gerichtsakten und Aussagen mutmaßlicher Opfer, lockten die Brüder Frauen mit Liebesversprechen nach Rumänien und ließen sie vor Webcams arbeiten. Manche trugen Tätowierungen wie „Tate Owned“. Andrew behauptete, er habe diese Methode bei mehr als hundert Frauen angewandt. Die Brüder bestreiten Zwang, Gewalt und Menschenhandel; eine Verurteilung gibt es nicht. Die Tates waren 2015 nach Rumänien gezogen, nachdem drei Frauen in Großbritannien Andrew Tate Vergewaltigung und Würgen vorgeworfen hatten. Er bestritt das. Rumänische Ermittler warfen den Brüdern später vor, eine kriminelle Gruppe zur sexuellen Ausbeutung aufgebaut zu haben. Ende 2022 wurden sie festgenommen und saßen danach monatelang in Untersuchungshaft und unter Hausarrest. Richard Grenell, Trumps Sondergesandter, sprach 2025 mit rumänischen Regierungsvertretern über ihren Fall. Kurz danach wurden die Reisebeschränkungen gelockert. Alina Habba, Juristin und Donald Trump-Vertraute, bekannte sich öffentlich als großer Tate-Fan und sagte: „Ich stehe hinter dir.“ Tates Anwalt: Andrew hat Trumps Sieg gefördert Warum genau Barron Trump Tate bewunderte, hat er nie öffentlich erklärt. Von Mutter Melania, immerhin Amerikas First Lady, ist keine Stellungnahme zu den Kontakten ihres Sohnes mit Tate bekannt. Das Schweigen ist pikant. Ihre Initiative „Be Best“ wirbt für das Wohlergehen von Kindern und Sicherheit im Internet. Nun wird ihr Sohn mit einem Mann in Verbindung gebracht, dessen Videos Jungen beibringen, Frauen zu erniedrigen. Passt irgendwie nicht. Allein, mit der Nähe zum Trump-Clan kann es nicht weit her sein. Präsidenten-Sprecherin Karoline Leavitt antwortete kürzlich auf die Frage, ob Donald Trump zugunsten der Brüder eingreifen werde, kühl mit „Nein“. Dass der Auslieferungsvertrag mit London für die Tates ausgehebelt wird, erscheint laut Insidern in Regierungskreisen zurzeit als „unwahrscheinlich“. Tates Anwalt Joseph McBride versucht deshalb, Druck zu erzeugen. „Andrew Tate war maßgeblich daran beteiligt, Präsident Trumps Sieg zu sichern“, sagte er dem Magazin „Vanity Fair“. Lasse die Regierung seine Mandanten fallen, könne die junge männliche Wählerschaft mit den Republikanern brechen. Aber ein Schutzversprechen Trumps gibt es nicht. Die US-Regierung lässt das Verfahren vorläufig laufen. Vielleicht ist das für Andrew und Tristan Tate – neben den Kakerlaken in ihrer Zelle – die größte Demütigung. Sie könnten den Unterschied zwischen Zugang und Einfluss verwechselt haben.