Andy Borg über KI-Musik: „Das Schlimme ist, ich falle manchmal selber drauf rein“
Der 65-Jährige, der seit über 40 Jahren als Sänger und Moderator auf der Bühne steht, vermisst bei vielen aktuellen Produktionen zunehmend den menschlichen Anteil und das klassische musikalische Handwerk. Im Gespräch mit der Schweizer Zeitung „Blick“ machte Andy Borg, der eigentlich ganz anders heißt, seinem Unmut über die Entwicklung Luft. Ihn störe besonders, dass Musik seiner Ansicht nach immer häufiger am Computer zusammengestellt werde, anstatt auf traditionelle Weise zu entstehen. „Wie andere Schlagerfuzzis sammeln auch wir das ganze Jahr über Lieder, bekommen Vorschläge für das nächste Album zugeschickt“, so Borg. Bei der Suche nach neuen Songs für kommende Alben würden ihm inzwischen immer öfter am Computer erstellte Demos präsentiert, schilderte der „Adios amor“-Interpret. Dabei übernehme die KI sowohl den Gesang als auch das Arrangement. Melodien und Texte würden dabei nach seinen Worten lediglich nach bestimmten Vorgaben zusammengestellt und anschließend vom Computer ausgegeben. Andy Borg erkennt KI-Songs selbst nicht immer Selbst nach mehr als vier Jahrzehnten im Musikgeschäft erkennt Andy Borg, der bei seinem Auftritt noch ganz anders aussah, nicht immer sofort, ob ein Song von Menschen oder mithilfe Künstlicher Intelligenz entstanden ist. Besonders frustrierend sei für ihn, dass er selbst gelegentlich auf KI-generierte Demos hereinfalle. „Das Schlimme ist, und das ärgert mich am meisten: Ich falle manchmal selbst drauf rein“, schilderte der Sänger, wenn er gemeinsam mit seiner Frau neue Aufnahmen im Büro anhöre. ANZEIGE ANZEIGE Erst bei genauerem Zuhören würden ihm die auffällige Perfektion und die künstlich wirkende Machart der Songs auffallen. Borg bedauert diese Entwicklung: „Schrecklich und schade, schade, schade – wir können es nicht verhindern.“ Seiner Ansicht nach habe sich die Musikbranche die aktuelle Situation letztlich selbst zuzuschreiben. Für den Entertainer, der mit seiner SWR-Sendung „Schlager-Spaß mit Andy Borg“ regelmäßig ein Millionenpublikum erreicht, ist Musik nach wie vor eine Frage des Handwerks. Ein Lied sollte seiner Überzeugung nach von Menschen geschrieben und gestaltet werden – und nicht allein durch automatisierte Computerprozesse entstehen. Dass sich der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz noch aufhalten lässt, glaubt Borg allerdings nicht. „Denn, wie heißt es so schön: Die Geister, die ich rief! Wir haben uns alles selbst eingebrockt.“ Übrigens: Im September wird die allerletzte Ausgabe von „Immer wieder sonntags“ ausgestrahlt. Schlagerstar Andy Borg fällt der Abschied von der Kult-Show schwer, wie er nun verriet. (jag)