Angela Merkel: „Ich vermisse ihren Politikstil“ - Bode-Museum boomt
Berlin – Angela Merkel (72) zieht noch immer die Menschen an. Zur Signierstunde der Altkanzlerin im Bode-Museum kommen am Sonntag zahlreiche Besucher auf die Museumsinsel. Die begehrten Tickets waren binnen kürzester Zeit vergriffen. Wer in der Schlange steht, will meist mehr als nur eine Unterschrift. Viele verbinden mit Merkel Erinnerungen an ihre 16 Jahre im Kanzleramt. Manche bringen ihr sogar Geschenke mit.
Blumen für die Altkanzlerin
Suna Turhan hält einen Blumenstrauß in den Händen. Der ist für Angela Merkel bestimmt. „Ich habe Blumen mitgebracht“, erzählt sie B.Z. „Einfach als Zeichen der Anerkennung. Tolle Frauen wie Angela Merkel verdienen mindestens Blumen.“ An der ehemaligen Kanzlerin schätze sie vor allem deren Lebensweg. „Als ostdeutsche Frau hat sie es bis an die Spitze geschafft und Deutschland 16 Jahre lang regiert. Hat sie alles richtig gemacht? Vielleicht nicht. Aber vieles.“ Nach Angaben des Museums gab es insgesamt rund 450 Tickets für die Signierstunde. Rund 300 Karten waren bereits wenige Stunden nach Freischaltung vergriffen. Suna Turhan gehörte zu den Glücklichen, die sich eines der begehrten Tickets sichern konnten.
„Ich vermisse ihren Politikstil“
Auch Lara P. will sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. „Ich bin 25 und mit ihr aufgewachsen“, sagt die Berlinerin. Das Merkel-Porträt hatte sie bereits bei der Langen Nacht der Museen gesehen, nun hofft sie auf ein Autogramm. Vor allem eines fehle ihr heute: „Ich vermisse ihren Politikstil.“ Und weiter: „Gerade in dieser männergeprägten Welt freue ich mich, vielleicht noch eine Stimme der Vernunft zu hören.“
Viele erinnern sich gern an ihre Kanzlerschaft
Auch Andreas Uhlig ist wegen Merkel gekommen. „Ich möchte Frau Dr. Angela Merkel mal treffen. Ich fand sie toll als Bundeskanzlerin“, sagt er. „Sie hat einen tollen Job gemacht und wirkte bodenständiger als manche andere Politiker und auch menschlicher.“
Kerstin Schulz-Brüling interessiert sich zwar auch für das Porträt und dessen Maler, dennoch verbindet auch sie viel mit der Altkanzlerin. „Sie ist die Probleme ihrer Zeit angegangen und hat sie pragmatisch behandelt. Das vermisse ich heute ein bisschen“, sagt sie. Beeindruckt habe sie außerdem Merkels Werdegang: „Wie sie es bis zur Bundeskanzlerin geschafft hat im vereinten Deutschland, das finde ich bemerkenswert.“
Porträt sorgt für Besucherboom
Das große Interesse an der ehemaligen Kanzlerin macht sich auch im Bode-Museum bemerkbar. Nach Angaben des Hauses sind die Besucherzahlen seit Beginn der Präsentation des Merkel-Porträts zeitweise um rund 85 Prozent gestiegen. Doch nicht nur Angela Merkel schrieb Autogramme. Gemeinsam mit ihr signierte auch der Maler ihres Porträts, Jérémie Queyras, die Kunstpostkarten. Der französisch-deutsch-kanadische Künstler hatte sich 2022 handschriftlich bei der Altkanzlerin beworben und erhielt schließlich den Auftrag für ihr offizielles Kanzlerinnen-Porträt.