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Angela Merkels Porträt für Kanzlergalerie in Berlin enthüllt

Nation

Angela Merkel schien große Freude an der Einweihung dieses Bildnisses zu haben. Damals, im Juli 2007, spottete sie: »Jetzt müssen die Besucher des Kanzleramtes nicht mehr fragen: Wann wird denn der Schröder aufgehängt …?«. Gemalt hatte das Porträt der eigensinnige und bereits erkrankte Künstler Jörg Immendorff, der den Termin nicht mehr erlebte. Das Schröder-Porträt ist das auffälligste in der bisherigen Kanzler-Galerie, er wird als überzeitlicher »Golden Boy« präsentiert. Ein besonderer Hingucker ist die Figur links im Vordergrund, die an einen verkümmerten Bundesadler erinnert – ein antipathetisches Deutschland-Accessoire oder ein Fingerzeig von Schröder-Fan Immendorff, dass es ohne diesen Kanzler nur bergab gehen kann. Schröder regierte von 1998 bis 2005, er ließ die Porträts seiner Vorkanzler im provisorischen Berliner Amtssitz aufhängen und ließ sie dort auch nicht zurück, als er 2001 ins neue Kanzleramt zog. Helmut Kohl regierte von 1982 bis 1998, in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn trat er als westdeutscher Kanzler an und fand erst mal keinen Frieden mit der Galerie seiner Vorgänger. So konnte er Willy Brandts modernistisches Porträt nicht ertragen, also überredete er den Kanzlerahnen, sich neu malen zu lassen. Beim eigenen Bildnis nahm Kohl es interessanterweise hin, dass ihn der Maler Albrecht Gehse nicht besonders staatsmännisch oder auch nur vollständig zeigte. Das Werk wirkt absichtlich unfertig, wobei dieses Unvollendete nicht mit großer Geste auf die Leinwand gebracht wurde. Man könnte vielmehr denken, Gehse habe keine Lust mehr gehabt. Zumindest verlieh er seinem Abbild von Kohl eine aufs Vergängliche hinweisende Flüchtigkeit, die sicher nicht zu dessen selbstbewusster Eigenwahrnehmung passte. Augen auf bei der Künstlerwahl? Kohls Entscheidung für Gehse ist auch deshalb interessant, weil dessen Lehrmeister – der viel prominentere DDR-Staatsmaler Bernhard Heisig – den SPD-Kanzler Helmut Schmidt für die politische Ahnengalerie porträtiert hatte. Welch eine Koalition. Auf Helmut Schmidt geht sie zurück: Die Idee einer Kanzlergalerie, die man nun mit dem Einzug von Angela Merkels Bild (hier übrigens eine Vorstudie ) eigentlich in Kanzler*innengalerie umtaufen könnte. Nur würde das die regierende CDU wohl nie zulassen, ihrer Meinung nach ist Gendern gefährlich und spaltet die Gesellschaft. SPD-Kanzler Schmidt regierte von 1974 bis 1982. Das 1976 eingeweihte Bonner Bundeskanzleramt erschien ihm schmucklos, und ein wenig demonstrativer Kunstsinn konnte auch der noch immer jungen Demokratie nicht schaden. Dass Schmidt sich selbst später – noch vor der Wende – vom Ostmaler Bernhard Heisig porträtieren ließ, galt als Coup und Provokation gleichermaßen. 1986 zog das Gemälde in den Bonner Regierungssitz ein. Ist es gut gealtert? Musste es nicht. Das Bild kam sozusagen alt auf die Welt: Schmidt, leicht expressiv und doch unnahbar, im Zentrum eine Zigarette vor der Krawatte. Dieses Bild von Willy Brandt lässt sich auch als Niederlage verstehen. Brandt war von 1969 bis 1974 im Amt und hatte sich – da war von der Kanzlergalerie noch keine Rede – vom Maler Georg Meistermann porträtieren lassen, modern, aufwühlend, unkenntlich. Helmut Schmidt erreichte es dann, dass Meistermann ein zweites Porträt von seinem Vorgänger schuf, mit dem Kohl später aber immer noch haderte. Das Ergebnis: Brandt saß Mitte der Achtzigerjahre dem Maler Oswald Petersen Modell, das dann produzierte Bild wirkt eher wie ein Poster, flach, wenig berührend, wenig aussagekräftig. Kohl aber war wohl endlich zufrieden. Gleich zwei Kanzler durfte der Porträtist Günter Rittner malen, Kurt Georg Kiesinger war einer davon, er regierte von 1966 bis 1969. Rittner entschied sich 1976 für eine Darstellung politischer Lässigkeit, durchdrungen von einer gewissen arroganten Undurchdringlichkeit. Die Beine locker überschlagen, die Hände bereit, sich jederzeit in Unschuld zu waschen. Die ARD nannte Kiesinger – Regierungschef der Bundesrepublik mit NS-Vergangenheit – in einem Dokumentarfilm den »vergessenen Kanzler«. Er war die personifizierte Kontinuität, was diesem Porträt aber nicht anzusehen ist. Der Zigarren- und Marktwirtschaftskanzler Ludwig Erhard amtierte von 1963 bis 1966 und wurde später ebenfalls von Günter Rittner gemalt. Die schon idealisierende Inszenierung einer Gravitas ähnelt dem Auftritt Kiesingers, wobei die Pose irritierender ist. Erhard sitzt einem frontal gegenüber, schaut aber zur Seite ins Unbestimmte. Ob es will oder nicht, sagt einem dieses Bild vor allem: Dieser Kanzler lässt sich ansehen, aber er sieht keinen an. Dieses Bild von Konrad Adenauer – erster Kanzler und von 1949 bis 1963 im Amt – wurde vom Kanzlergaleristen Helmut Schmidt ausgewählt. Geschaffen hat es der Maler Hans-Jürgen Kallmann 1963. Er wollte mit dem Porträt einerseits eine gewisse Nähe und Nahbarkeit erzeugen – Adenauer rückt fast schon zu dicht an den Bildvordergrund, fast fällt er aus dem Rahmen heraus – und gab ihm doch eine gewisse überhebliche Ausstrahlung mit. Schmidt erschien das in dieser Kombination offenbar angemessen für den Anfang der westdeutschen Ahnenreihe. Dessen vorläufiges Ende bildet nun das Porträt von Angela Merkel, die 2005 als erste Kanzlerin antrat. In ihrem Büro hing lange ein anderes Porträt von Adenauer, 1966 gemalt vom Österreicher Oskar Kokoschka.

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