Angeli, Finja und Max verbindet eine zentrale Sorge: Wie sieht ihre Zukunft aus in einer Welt, die entweder brennt oder absäuft?
Das Problem ist längst bekannt, wissenschaftlich erwiesen. Es verursacht ein Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit in der Gesellschaft. Die Rede ist vom menschengemachten Klimawandel. Gegenüber dem SWR schildern Angeli, Finja und Max, allesamt der sogenannten „Gen Z“ (Jahrgänge von 1995 bis 2010) angehörig, ganz ohne Scheuklappen ihre Ängste und Nöte in Hinblick auf die rasant fortschreitende Erderwärmung.
„Man kriegt auch ein bisschen Angst, weil es immer näherkommt“, macht Studentin Finja aus Nürtingen direkt eine klare Klima-Ansage. Vor allem, dass Waldbrände und andere Folgen der Hitzewellen nicht nur entfernte Regionen, sondern inzwischen auch das Nachbarland und das eigene Land treffen, bereite ihr große Sorgen. Ähnliche Gedanken teilt Angeli aus Münsingen-Trailfingen (Kreis Reutlingen). Für sie stehen die Hitzerekorde und die Trockenheit für eine Abwärtsspirale, die sofortiges Handeln erfordere.
Jugend besonders pessimistisch
„Jetzt hatten wir eine Hitzewelle, aber irgendwie wird das Ganze viel zu wenig thematisiert in der Politik. Das löst in mir primär eigentlich nur Frust aus“, fühlt sich auch Max aus Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) wie unter die Räder geworfen. Ihn beschäftige es sehr, dass die drohenden Folgen des Klimawandels den Menschen bekannt seien und sich trotzdem nichts ändere. Alle Drei betonen, dass sie die Hitzewelle in diesem Sommer besonders belastet habe. Von der Politik fühlen sie sich im Stich gelassen. Für Angeli sind gerade deshalb Scharfsinn und ein realistischer Blick umso wichtiger: „Es gibt keinen Reset-Button oder so, wir als Gesellschaft müssen jetzt einfach gucken, wie wir damit klarkommen.“
Wie das Umweltbundesamt in einer im vergangenen Jahr durchgeführten Umfrage herausfand, leiden die 14- bis 22-Jährigen besonders unter klimabedingten Zukunftsängsten. Für drei Viertel aller Befragten stellten Umwelt- und Klimaschutz ein sehr priorisiertes Thema dar. Gleichzeitig gaben rund 70 Prozent an, dem Problem Klimawandel pessimistisch entgegenzublicken. So stehen die jungen Angeli, Finja und Max nur sinnbildlich für eine ganze Generation.
Klimaangst kann zermürben und krank machen
Und die Lösung? Für den 21-jährigen Max führen die fatalen Folgen des Klimawandels dazu, dass er sich bereits jetzt Gedanken über das Auswandern macht. So wäre Norwegen aus seiner Sicht ein eventuelles Fluchtziel. „Irgendwohin, wo der Sommer deutlich kühler ist und auch trotz Klimawandel deutlich kühler bleiben wird als hier unten in der Rheinebene“, versucht er seiner Hilflosigkeit etwas Luft zu machen. Auch Finja graut es beim Blick in die Zukunft. Die 19-Jährige ist sich unschlüssig, ob sie einmal Kinder in eine solche Welt setzen möchte.
Doch wie gelingt ein angemessener Umgang mit ganz realen Ängsten wie diesen? Psychologin Dr. Ahlke Kip von der Universität Freiburg beschäftigt die Frage nach der grassierenden Klimaangst nicht erst seit gestern. „Wenn jemand sagt, ich habe diese Angst, ist es schon gut, sich damit und mit den Ursachen, mit dem Thema auseinanderzusetzen“, so Kip. Im nächsten Schritt rät die Expertin, aktiv zu werden und sich in Vereinen, Organisationen oder politischen Jugendgruppen zu engagieren. Betroffenen helfe es, auch kleinere Verhaltensweisen im Alltag umzustellen, wie etwa das Auto stehenzulassen oder ein Balkonkraftwerk einzurichten. Wer allerdings eine starke Belastung oder Einschränkung im Alltag erfährt, dem rät Kip eine psychologische Beratung.