Angewohnheit im Alltag unterscheidet erfolgreiche Menschen vom Rest
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Eine Angewohnheit im Alltag unterscheidet erfolgreiche Menschen vom Rest
Von: Andreas Apetz
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Viele erfolgreiche Menschen führen ihren Aufstieg nicht nur auf sich selbst zurück. Sie feiern ihre Erfolge nicht alleine. Genau daran scheitern viele.
Frankfurt – Was haben Steve Jobs, Arnold Schwarzenegger und Barack Obama gemeinsam? Zuerst das Offensichtliche: Sie alle gehören zu den Besten, die ihr jeweiliges Feld hervorgebracht hat. Die Technologiebranche, der Bodybuildingsport und die Weltpolitik wurden durch diese drei Namen stark geprägt. Gleichzeitig hatten alle drei dieselbe feste Überzeugung: Erfolg entsteht nicht ohne Hilfe.
„Die meisten Menschen rufen nie an, sie fragen nie. Und das unterscheidet manchmal die Menschen, die Dinge bewegen, von denen, die nur davon träumen“, sagte Steve Jobs 1994 bei einem Interview im Silicon Valley. Vierzehn Jahre zuvor gewann Schwarzenegger zum letzten Mal den Titel des Mr. Olympia, was er laut eigener Aussage niemals ohne „unendlich viel Hilfe“ geschafft hätte. Und an einem Universitätscampus in North Carolina erklärte Obama – kurz bevor er zum zweiten Mal zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde –, dass jedem erfolgreichen Menschen auf seinem Weg nach oben geholfen wird.
Unterstützung auf dem Weg zum Erfolg: Was große Persönlichkeiten auszeichnet
Die Angewohnheit, Hilfe nicht nur anzunehmen, sondern auch danach zu fragen, verbindet laut der bekannten US‑Psychologin Angela Duckworth die meisten erfolgreichen Menschen. Die Professorin aus New Jersey ist selbst nicht unerfolgreich: Mit ihrem Buch namens „Grit“, in dem es um die Notwendigkeit von Leidenschaft und Durchhaltevermögen für das Erreichen langfristiger Ziele geht, wurde sie zur Bestsellerautorin. Doch genau die Vorstellung vom verbissenen Einzelkämpfer kritisiert sie nun in einem Kommentar bei der New York Times: „Ich hasse dieses Bild. Ausnahmslos jeder erfolgreiche Mensch, den ich untersucht habe, schreibt seinen Erfolg einer Vielzahl von Unterstützern zu“, schreibt Duckworth.
In den zahlreichen Interviews mit Prominenten sei ihr aufgefallen, dass sich die meisten erfolgreichen Menschen nicht scheuen, ihren Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern ausführlich zu danken. Menschen wie Obama, Jobs oder Schwarzenegger zeigen sich nicht nur bescheiden. Doch die Vorteile für Menschen, die auch mal um Hilfe bitten, sind wissenschaftlich belegt: Wer proaktiv Unterstützung bei anderen sucht, schneidet laut Forschenden der Texas State University besser an der Universität ab. Auch in der Geschäftswelt zeigte sich dieser Effekt: Gründerinnen und Gründer wachsen mit ihren Unternehmen nachweislich schneller, wenn sie aktiv den Austausch suchen und aus den Erfahrungen anderer lernen. Das geht aus einer Studie der University of Washington und weiterer US‑Hochschulen hervor.
Auch wenn er Duckworths These für etwas zu „idealisiert“ hält, stimmt Markus Hummel der US-Psychologin grundsätzlich zu. Hummel ist psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt in Österreich. „Natürlich ist nicht jeder wirtschaftlich oder politisch erfolgreiche Mensch gut darin, Hilfe anzunehmen“, sagt er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Viele Machtmenschen würden gerade deshalb Spitzenpositionen anstreben, weil sie nicht wieder um Hilfe bitten, sondern diese einfordern wollen.
Psychoanalytiker über „inneres Wachstum“ durch Unterstützung
Trotzdem sei der positive Einfluss durch Unterstützung garantiert. „Wir lernen fast ausschließlich von anderen“, sagt Hummel. Wem es schwerfalle, Hilfe von außen anzunehmen oder auch mal nach Hilfe zu fragen, der müsse sich sein Wissen abschauen. Oberflächlich funktioniere das gut und auch Erfolg könne man damit haben. Macht und Status ließen sich erzwingen, aber echtes persönliches Wachstum, mentale Gesundheit und Lebenszufriedenheit entstünden erst durch Bindung. „Für echtes inneres Wachstum brauchen wir die Hilfe anderer. Nur so können wir uns weiterentwickeln.“
Der Psychoanalytiker vergleicht dafür unser Innenleben mit einer eigenen kleinen Welt: Wer sich nicht traut, um Hilfe zu bitten, empfindet diese Welt oft als feindselig und einsam. Andere Menschen gelten dort als Gefahr, der man misstrauen muss. Wer hingegen Unterstützung zulässt, trägt eine warme und friedliche innere Welt in sich, geprägt von gegenseitigem Vertrauen – was das „Wachstum“ wiederum erleichtere.
Aber woher kommt es, dass sich viele Menschen so schwer damit tun, bei anderen nach Hilfe zu fragen oder diese anzunehmen? Die Ursachen können vielfältig sein. Einen Teil sieht Psychoanalytiker Hummel quasi als naturgegeben an. Als Säugling komme der Mensch in völliger Abhängigkeit auf die Welt. Da die kindlichen Bedürfnisse selten lückenlos erfüllt werden, entstehe daraus der Drang, sich losgelöst und autark bestmöglich selbst zu versorgen.
Später würden viele Menschen einen sehr strengen inneren Kritiker entwickeln. „Dieses innere Gericht verhindert manchmal, dass wir um Unterstützung bitten. Stattdessen macht man sich plötzlich Sorgen, ob eine Bitte angebracht ist. Man fürchtet, unangenehm aufzufallen, und schämt sich.“ Die Haltung wird seiner Meinung nach durch eine narzisstisch geprägte Gesellschaft verstärkt: „Es geht um Anerkennung, Bewunderung und Erfolg. Ein Teil dieses Narzissmus ist ein klares Ideal: Man will andere nicht brauchen und selbst der sein, der alles kann“, sagt Hummel.