Angriff auf Juden in Düsseldorf - Tatverdächtige gefasst
Nach dem Angriff auf einen jüdischen Mann in Düsseldorf sind die beiden Tatverdächtigen gefasst. Das meldete die Polizei am Dienstagnachmittag. „Aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung konnten die Beamtinnen und Beamten der ,EK Rathaus’ einen 18-jährigen Deutsch-Marokkaner aus Duisburg als Tatverdächtigen ermitteln“, heißt es in der Mitteilung. Der 18-Jährige sei bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Der zweite Tatverdächtige, ein 21 Jahre alter Duisburger mit deutsch-marokkanischer Staatsbürgerschaft, habe sich am Nachmittag der Polizei gestellt.
Die beiden Tatverdächtigen wurden von der Polizei verhört und danach wieder auf freien Fuß gesetzt. „Die Personen wurden erkennungsdienstlich behandelt“, sagt ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei. Es habe auch die Durchsuchung einer Wohnung gegeben.
Den Vorgang insgesamt kommentiert Polizeipräsidentin Miriam Brauns: „Wir legen viel Wert auf den Schutz von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern in unserer Stadt. Dies zeigt sich nicht nur durch unsere tägliche Arbeit, insbesondere im Objektschutz. Dieser Ermittlungserfolg der ,EK Rathaus' verdeutlicht, mit welchem Engagement und Einsatz die Kolleginnen und Kollegen sich dieser Aufgabe widmen und sich für ein friedliches Miteinander in Düsseldorf einsetzen." Die weiteren Ermittlungen des Staatsschutzes, unter anderem zur Tatmotivation, dauern an, wie es heißt.
Was war passiert? Ein 35-Jähriger war in Begleitung seiner Freundin zu Fuß am Rheinufer unterwegs. Der Mann trug eine Kippa und einen schwarzen IDF-Pullover, in Bezugnahme auf die israelische Armee „Israel Defense Forces“. Dann wurde er den Schilderungen der Polizei zufolge unvermittelt von zwei unbekannten Frauen angesprochen und beleidigt. Unter anderem soll das Wort „Kindermörder“ gefallen sein. In dieses Streitgespräch mischten sich zwei männliche Passanten ein.
Im Gespräch mit unserer Redaktion schilderte der 35-Jährige, was dann geschah: „Im weiteren Verlauf begannen sie, uns lautstark und wiederholt verbal anzugreifen und zu beleidigen. Unter anderem fielen Äußerungen wie ,Judenkopf’“, sagte er. „Einer der Männer forderte uns außerdem sinngemäß auf, mit ihm nach Hause zu kommen, und äußerte, sein Vater würde uns anspucken.“ Er habe dann noch geschildert, was sein Vater mit ihnen machen würde, wenn sie mitkämen, sagt der 35-Jährige. „Die Männer lachten dabei wiederholt und setzten die verbalen Angriffe fort.“
Doch dabei blieb es nicht. Nach Angaben der Polizei griffen die Männer ihr Opfer mit Schlägen und Tritten an. Als drei aufmerksame Zeugen versuchten, schlichtend einzugreifen, wurde einer von ihnen von einem Schlag getroffen und leicht verletzt. Die beiden Angreifer sowie die beiden Frauen konnten unerkannt entkommen. Bis jetzt.
Aus einem Bericht von Innenminister Herbert Reul (CDU) an den Innenausschuss des Landtags ging derweil hervor, dass mittlerweile auch wegen Raubes gegen die Männer ermittelt wird. Denn die weiße Kippa des 35-Jährigen sei seit der Tat nicht mehr auffindbar gewesen. Es bestehe der Verdacht, dass die Schläger sie mitnahmen. Außerdem werde wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung ermittelt.
Im Papier des Innenministers findet sich auch diese Zahl: So hat es 2025 insgesamt 104 antisemitische Vorfälle in Düsseldorf gegeben. NRW-weit sind die Zahlen seit dem Überfall der radikalislamischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 stark gestiegen. Zum Jahrestag am Mittwoch findet ab 18 Uhr vor dem Düsseldorfer Rathaus eine Demonstration gegen Antisemitismus statt.