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Angriffe auf US-Schiffe: Lässt Iran den Krieg weiter eskalieren?

Welt

Eine Zeitlang herrschte zwischen Iran und den USA zumindest militärisch Ruhe. Seit vergangener Woche ist das wieder vorbei. Bei US-Angriffen starben laut iranischen Angaben 18 Menschen. Der gegenseitige Beschuss ging in der Straße von Hormus am Wochenende weiter.

Jetzt droht Mohammad Bagher Ghalibaf, iranischer Chefunterhändler und Sprecher des Parlaments, den Vereinigten Staaten mit einer neuen Vergeltungsstrategie: "Die Amerikaner müssen erkannt haben, dass die Ära der angemessenen Reaktionen zu Ende ist. Unsere jüngsten Angriffe gegen ihre Stützpunkte waren erst der Anfang. Sie sollten merken, bevor es zu spät ist, die Spielregeln haben sich geändert."

Von nun an, so Ghalibaf, werde jede Aggression gegen iranische Interessen eine Reaktion hervorrufen, die schneller, schwerer und schmerzhafter sei.

Iran greift US-Schiffe an

Zuletzt hatte Iran Handelsschiffe beschossen, die versuchten, die Straße von Hormus zu durchqueren. Jetzt haben die Streitkräfte zum ersten Mal in diesem Krieg Raketen direkt gegen US-Militärschiffe eingesetzt.

Im iranischen Staatsfernsehen erklärt der Chef des Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei, dies sei nur ein erster Test gewesen. Für die USA habe er bereits die Hölle bedeutet. "Der Vorfall war so schwerwiegend, dass sie ihn nicht leugnen konnten. Sie mussten es öffentlich anerkennen. Danach haben sie zwei Schiffe angegriffen, von denen eins Öl transportierte, das andere war leer", so Rezaei.

Das für die Region zuständige US-Kommando CENTCOM erklärte, Iran habe Militärschiffe angegriffen - jedoch soll es dabei keine Schäden gegeben haben.

Neues Vorgehen von Iran

Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist angesichts der Angriffe auf den niedrigsten Stand seit Mai gesunken. Der Ölpreis hingegen steigt. Irans Sicherheitratschef Rezaei erklärte nun, sein Land werde im Persischen Golf zusätzlich eine Sperrzone einrichten.

Schon interpretieren Militärfachleute in das iranische Vorgehen etwas Neues. Die schnellen Gegenschläge und das hohe Eskalationsrisiko sollten die USA noch stärker unter Druck setzen. Doch noch bleibt offen, ob Teheran die Strategie nachhaltig verändert hat - oder ob die Rhetorik bloß Entschlossenheit demonstrieren soll.

Belege für eine Neuausrichtung des Militärs gebe es noch keine, sagt der Teheraner Politikanalyst Nader Karimi Juni. "Denn wenn der Iran Öl- und Gaslieferungen aus dem Persischen Golf vollständig unterbinden würde, würde er sich selbst eine Null-Export-Politik auferlegen", so Karimi Juni. "Dann könnte der Iran sein eigenes Öl nicht mehr aus dem Golf transportieren." Gerüchten zufolge solle, so Karimi Juni, Iran auch weiterhin Öl exportieren, auf Tankern unter falscher Flagge - der US-Seeblockade zum Trotz.

"Niemand hat die Kraft, das durchzustehen."

Dass die fragile Lage um die Straße von Hormus jederzeit eskalieren kann - für die Menschen in Iran nur ein weiterer Unsicherheitsfaktor in einem Alltag zwischen Krieg, Repression und wirtschaftlicher Not.

Niemand wolle Krieg, sagt Mohammad, der in Teheran Reis verkauft. "Jeder wünscht sich eine ruhige Lage im Land. Doch nach allem, was geschehen ist, scheinen weder der Iran noch Amerika bereit, nachzugeben. Ich hoffe, dass der Krieg bald vorbei ist."

Auch die 60-jährige Zari, Lehrerin in Pension, ist verunsichert. "Ich habe ehrlich keine Ahnung, ob ein neuer Angriff kommt oder nicht. Was auch immer geschieht, ich hoffe, das Land bricht nicht auseinander. Niemand wird es wieder zusammensetzen können. Und niemand hat die Kraft, das durchzustehen."

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