Angstexposition im Supermarkt: So behandelt die Tagesklinik Soltau
Startseite Lokales Heidekreis Walsrode Angstexposition im Supermarkt: So behandelt die Tagesklinik Soltau Uns auf Google folgen Die Tagesklinik Soltau behandelt Angstpatienten direkt dort, wo die Angst entsteht – auf belebten Plätzen statt im Übungsraum. Auf ein Vorgespräch warten Interessierte derzeit bis zu fünf Monate. Heidekreis – Die Fachabteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Heidekreis-Klinikums feiert im Juli ihr 25-jähriges Bestehen. Wie das Heidekreis-Klinikum mitteilt, nahm die psychiatrische Abteilung am 2. Juli 2001 ihren Betrieb auf. Aus der neuen Fachabteilung eines Kreiskrankenhauses ist seither ein differenziertes psychiatrisches Versorgungsnetz für den gesamten Heidekreis geworden. Den Grundstein legte der Kreistag Ende 1999 mit der Entscheidung, eine eigene wohnortnahe Versorgung einzurichten. Das Ziel: Psychisch erkrankte Menschen sollten nicht mehr in weit entfernte Fachkliniken verwiesen werden, sondern in Verbindung mit ihrem sozialen Umfeld behandelt werden. Erster Chefarzt war Friedrich Landzettel, der die Abteilung mehr als 15 Jahre leitete und ihren sozialpsychiatrischen Grundcharakter prägte. Bereits 2002 folgte die Eröffnung einer psychiatrischen Tagesklinik in Soltau, 2012 kam eine zweite Tagesklinik in Walsrode hinzu. Ab 2016 führte Dr. Rahul Sarkar die Abteilung, bevor 2020 Dr. Florian Gal die Leitung übernahm. Unter seiner Führung wurden die psychotherapeutischen Angebote systematisch ausgebaut – mit störungsspezifischen Gruppen- und Einzeltherapien für Menschen mit Depressionen, Angsterkrankungen oder Psychosen. Heute verfügt die Klinik über 61 stationäre Betten sowie 36 tagesklinische Plätze an beiden Standorten. Hinzu kommen die Psychiatrische Institutsambulanz sowie eine enge Zusammenarbeit mit ambulanten, sozialen und gemeindepsychiatrischen Partnern im Heidekreis. 2024 zog die Tagesklinik Soltau in neue Räume im Hauptgebäude des Heidekreis-Klinikums am Standort Soltau um – mit 18 modern ausgestatteten Plätzen und als konzeptionelle Blaupause für den geplanten Klinikneubau in Bad Fallingbostel. Wie sich psychiatrische Versorgung im Heidekreis heute versteht, zeigt sich besonders in der Tagesklinik Soltau. Sie steht seit Kurzem unter der Leitung von Katharina Janz, Psychologische Psychotherapeutin. Das Team setzt auf eine starke individuelle Anpassung der Behandlung und schließt auch Krankheitsbilder ein, die andernorts häufig weitervermittelt werden, etwa Traumafolgestörungen. Prägend ist die enge Verzahnung von Therapie und gelebtem Alltag: Angstexpositionen finden nicht im Übungsraum statt, sondern dort, wo die Angst entsteht – im Supermarkt, auf belebten Plätzen oder im öffentlichen Leben. Auch die Ergotherapie folgt diesem Ansatz. Janz erklärt: „Wer Schwierigkeiten hat loszulassen, arbeitet vielleicht mit einem Gießbild – einer Technik, bei der Farben über eine schräg gehaltene Leinwand fließen und das Ergebnis nicht kontrollierbar ist. Korbflechten wiederum schult Handlungsplanung und Konzentration und kann Menschen mit ADHS gezielt ansprechen.“ Ein zentrales Thema ist der Verlust von Alltagsstruktur. Chefarzt Dr. Florian Gal sagt: „Viele Patientinnen und Patienten haben durch Krankheit, Isolation oder berufliche Auszeiten den Rhythmus des Alltags verloren – ein Phänomen, das seit der Corona-Pandemie deutlich sichtbarer geworden ist. Die Tageskliniken in Soltau und Walsrode können dabei helfen, wieder aktiv zu werden: Schritt für Schritt zurück ins Berufsleben, zurück in soziale Teilhabe, zurück in den gewöhnlichen Alltag.“ Der hohe Bedarf spiegelt sich in den Wartezeiten wider: Auf ein Vorgespräch warten Interessierte derzeit bis zu fünf Monate. Wer das Vorgespräch absolviert hat, wird in der Regel innerhalb von zwei bis acht Wochen aufgenommen. Für Chefarzt Gal ist das Jubiläum Anlass für einen klaren Rückblick: „25 Jahre psychiatrische Versorgung im Heidekreis sind kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis konsequenter Arbeit an einem klaren Anspruch: psychisch erkrankte Menschen wohnortnah, respektvoll und nach modernen Standards zu behandeln. Wir sind überzeugt, dass sich gute Psychiatrie immer am Alltag der Menschen orientieren muss: Nah an ihren Bedürfnissen und nah an ihrem Leben.“