Anhalt wäre besonders betroffen: Wähler der AfD würden am stärksten unter deren Politik leiden
Regionen mit hohem AfD-Stimmenanteil würden wirtschaftlich besonders stark unter einer Bundesregierung unter Führung dieser Partei leiden. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, über die der „Spiegel“ vorab berichtete. Die Politik der Rechtsextremen träfe demnach insbesondere die Menschen in Sachsen-Anhalt hart. „Durch die von der AfD geforderte Politik würden Menschen dort im Durchschnitt jährlich rund 1600 Euro pro Kopf an Einkommen verlieren“, schreibt DIW-Präsident Marcel Fratzscher dem Nachrichtenmagazin zufolge. „Zudem könnten rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen.“ Bei Fratzschers Berechnungen handle es sich allerdings nicht um eine präzise Prognose, sondern um ein Szenario auf der Basis von Zahlen aus verschiedenen wissenschaftlichen Studien. Der Wirtschaftswissenschaftler hat untersucht, welche Folgen es bundesweit hätte, wenn die AfD ihr Wahlprogramm tatsächlich umsetzen würde – etwa einen Ausstieg aus der EU und dem Euro. Fratzscher sieht Gefahr von „nationalen Schocks“ Das würde „nationale Schocks“ auslösen, zitiert der „Spiegel“ Fratzscher: „Ein Kurs gegen Europa und den Euro, Abschottung und Grenzschließungen, der Abbau staatlicher Institutionen, Investitionen und Leistungen sowie eine zunehmende Polarisierung machen die Lage der meisten Menschen messbar schlechter.“ Anfällig wären demnach insbesondere Regionen mit einer kleinteiligen Wirtschaft und vielen gering qualifizierten Arbeitnehmern. In solchen Gegenden sind die Rechtsextremen besonders erfolgreich. Dazu zählt auch Sachsen-Anhalt, wo die AfD vor der Landtagswahl am 6. September in Umfragen deutlich führt. Über einen Zeitraum von fünf Jahren, so die Annahme in Fratzschers Szenario, würde das Wirtschaftswachstum bundesweit um etwa sechs Prozentpunkte zurückgehen, die Inflation um gut fünf Prozentpunkte steigen, die Arbeitslosigkeit um zwei Prozentpunkte zulegen. Entscheidende Faktoren dafür seien die AfD-Forderungen nach einem Zuwanderungsstopp sowie nach staatlichen Kürzungen. Den ebenfalls geforderten Austritt aus Euro und EU könnte eine AfD-geführte Bundesregierung jedoch nicht ohne Weiteres umsetzen. Den DIW-Berechnungen zufolge würden die Einkommensverluste für Menschen in Sachsen-Anhalt doppelt so hoch ausfallen wie im Bundesdurchschnitt. Die größten Einkommensverluste von bis zu acht Prozent drohten in den sachsen-anhaltischen Kreisen mit den höchsten AfD-Anteilen: Burgenlandkreis, Mansfeld-Südharz und Salzlandkreis. Auch Wirtschaftsverbände warnen Der Partei werde das aber wohl kaum schaden, glaubt Fratzscher: „Unzufriedenheit schürt AfD-Unterstützung, aber AfD-Politik verschärft die Probleme weiter und führt in eine Abwärtsspirale.“ Auch Spitzenverbände der Wirtschaft positionieren sich vor den Landtagswahlen im Osten gegen die AfD. Aus Sicht von Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat die AfD keine Lösungen für die Probleme Deutschlands, wie er in einem Video-Interview der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Für mich ist klar, dass die Lösung für die Probleme, die wir in unserem Land haben, nur über die Parteien der Mitte erfolgen kann. Die sind im Moment vielleicht etwas weniger populär, als sie sonst waren, aber für mich ist das der einzige Lösungsweg“, sagte Dulger. Er sehe bei den politischen Rändern mit extrem rechts und extrem links „keine Lösungsansätze“. Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), sagte der dpa: „Die AfD ist keine Wirtschaftspartei. Alles, was ich bisher von ihr lese, zahlt nicht auf Wirtschaftswachstum oder Investitionen ein. Im Gegenteil: Es wird eher neue Unsicherheiten für Investitionen geben.“ (Tsp, mit dpa)