Anleihen im Ausverkauf: Was hinter dem Beben am Anleihemarkt steckt
Im Jahr 1993 äußerte der Chefberater von US-Präsident Bill Clinton einen unorthodoxen Wunsch. Wenn er wiedergeboren werden sollte, dann nicht als Papst, nicht als Präsident, sondern am liebsten als Anleihemarkt. Denn der, so sagte es James Carville damals, könne jeden einschüchtern. Vor allem Politiker, die mit Ausgabeprogrammen und Schuldenplänen von sich reden machen. Dieser Tage zeigt der oft als langweilig gescholtene Anleihemarkt wieder seine Kraft. Wollen sich Staaten für 30 Jahre Geld leihen, müssten sie dafür so hohe Zinsen zahlen wie seit der Finanzkrise von 2007 nicht mehr. Anleger müssen keine Anleiheexperten sein, um zu ahnen: Das ist kein schmeichelhafter Vergleich. »Der Renditeruck bringt die Zuversicht der Anleger ins Wanken«, sagt Marktstratege Jochen Stanzl von der Consorsbank. Denn der Aufruhr am Anleihemarkt hat Folgen, bis hinein in die Depots von Millionen ETF-Anlegern im Land.