Anschlag: „Es ist einfach Wahnsinn“ – Extremismus
Audioplayer wird geladen Anzeige Extremismus-Experte Ahmad Mansour hat der Berliner Linken vorgeworfen, Islamismus aus identitätspolitischen Gründen zu verharmlosen und Kritik daran pauschal als antimuslimischen Rassismus zurückzuweisen. „Die Linke in Berlin verfolgt eine Ideologie. Und diese Ideologie heißt: Identitätspolitik. Jegliche Kritik an Islamismus wird als antimuslimischer Rassismus abgetan“, sagte Mansour im Gespräch mit WELT TV. Nach dem tödlichen islamistischen Terrorangriff am Rande des Berliner CSD am Wochenende hatte die Linke Neukölln ihre Anteilnahme bekundet, in einer Stellungnahme aber das Wort „Islamismus“ nicht ein Mal erwähnt. Der 21-jährige mutmaßliche Attentäter Abdul Ballout war den Behörden als Angehöriger der islamistischen Szene und als Gefährder bekannt. Im Statement des Neuköllner Bezirksverbands hieß es, dass man sich dagegen wehre, die Tat für „rassistische, antimuslimische oder sonstige reaktionäre Hetze“ zu instrumentalisieren. Anzeige Lesen Sie auch Nach kritischen Kommentaren ergänzte die Neuköllner Linke den Post einen Tag später durch eine „Klarstellung“: „Wenn wir vom Erstarken rechter und antifeministischer Kräfte sprechen, dann gehören der IS und andere reaktionäre islamistisch-fundamentalistische Gruppen für uns selbstverständlich dazu, deren frauen-, queer- und transfeindliches und unterdrückerisches Weltbild wir ablehnen und bekämpfen.“ Und weiter: „Diesen Anschlag verurteilen wir aufs Schärfste. Wir stehen unmissverständlich an der Seite queerer Menschen.“ Mansour sagte dazu: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es in den Reihen der Linke in Berlin auch islamistische Akteure gibt oder solche, die den Islamismus bewusst verharmlosen möchten.“ Die Partei hält er nicht für einen „Partner im Kampf gegen Islamismus“. Anzeige Die Berliner Linke plädiert dafür, die Mittel der Polizei zu streichen. „Es ist einfach Wahnsinn“, sagte Mansour dazu. „Es fehlen Ressourcen überall.“ Wer wollte Polizist in einem Staat werden, wo eigentlich fast jeden Tag Polizisten angegangen und verteufelt würden? Lesen Sie auch Er kritisierte weiter, dass Ballouts Teilnahme am Deradikalisierungsprogramm als Ersatzstrafe gehandhabt wurde. Er hatte seine Jugendstrafe mit der Auflage erhalten, eine Beratung zur Deradikalisierung wahrzunehmen. „Deradikalisierungsarbeit ist keine Ersatzstrafe“, sagte Mansour. Sie funktioniere am besten, wenn diese Menschen im Gefängnis sitzen und intensiv begleitet werden. „Das macht mich unfassbar wütend, weil die Richter genau dort eine Fehleinschätzung getroffen haben. Und das hat Menschenleben gekostet“, sagte Mansour. Wie hätte man in diesem Fall entscheiden müssen? Ballout hatte die deutsche Staatsbürgerschaft, seine Familie stammt aus dem Libanon. Dorthin konnte er nicht abgeschoben werden. Es werde ein konsequenter Rechtsstaat benötigt, so Mansour. Im Gefängnis könne man daran arbeiten, dass Extremisten sich von der Ideologie distanzieren. Es gäbe viele Islamisten mit deutscher Staatsbürgerschaft. „Sie haben sich vor zehn Jahren dem IS angeschlossen. Und sie waren fast alle Deutsche“, sagte Mansour. Sind sie auf freiem Fuß, müssten die Richter anders entscheiden, meint der Extremismus-Experte. „Sie müssen beobachtet werden. Und man muss alles tun, um zu verhindern, dass diese Menschen ein Auto mieten und in eine Menschenmenge reinfahren.“ Ballout hat sich seit Jahren radikalisiert Ballout hat sich nach Einschätzung der ihn betreuenden Präventionsberatung über mehrere Jahre hinweg radikalisiert. „Er hatte einen jahrelangen Radikalisierungsprozess hinter sich. Es war keine Turboradikalisierung“, sagte Thomas Mücke vom Violence Prevention Network (VPN) der „Berliner Morgenpost“. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, „warum er einem Deradikalisierungsprogramm erst so spät zugeführt wird“. Lesen Sie auch Bei einer Amokfahrt am Samstagabend unweit des Christopher Street Days (CSD) war der 21-jährige Abdul Ballout nach Angaben der Ermittler mit einem Transporter in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau aus Polen starb, 29 weitere wurden teils schwer verletzt. Die Bundesregierung geht von einem islamistischen Anschlag aus. Ballout war daraufhin geflohen und konnte am Sonntagabend nach intensiver Fahndung gestellt werden. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde er dabei angeschossen und erlag anschließend den Verletzungen. Er hatte zuvor Polizisten mit einer Stichwaffe angegriffen. Ballout war deutscher Staatsbürger und hatte einen libanesischen Hintergrund. Der Berliner Generalstaatsanwaltschaft zufolge hatte er sich in den vergangenen Monaten radikalisiert und 2025 mehrmals versucht, sich im Ausland der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschließen. Im Mai wurde er demnach zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein. shem