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Anschlag für Russland? Spezialkräfte fassen mutmaßliche Saboteure in Baden-Württemberg

Nation

Um 20.57 Uhr steigen zwei Männer über einen Blechzaun. Dahinter steht Wola Krobowska 31A, südlich von Warschau gelegen, die Bodenstation des Satellitennetzes Starlink. Die Männer gießen einen Brandbeschleuniger auf einen Schaltschrank, zünden ein Feuer an. Etwa drei Minuten bleiben sie auf dem Gelände. Dann verschwinden sie über den Zaun. Eine Überwachungskamera zeichnet den Anschlag auf.

Anschlag für Russland in Polen? MEK nimmt zwei mutmaßliche Saboteure in Baden-Württemberg fest

Knapp drei Wochen später werden Muslum T., 34, und Umit E., 38, am Bahnhof Nürtingen festgenommen. Einer 42.000 Seelen zählenden Stadt im Landkreis Esslingen vor den Toren Stuttgarts. Beamte eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der baden-württembergischen Polizei greifen am Montag gegen 16 Uhr zu. Nach Recherchen unserer Redaktion wurden die beiden türkischen Staatsbürger zuvor tagelang observiert.

Sie sollen den Brandanschlag am 23. September im Auftrag eines russischen Nachrichtendienstes verübt haben. Starlink ermöglicht ukrainischen Soldaten und zivilen Helfern die Kommunikation auch dort, wo Mobilfunknetze und andere Internetverbindungen auf den Schlachtfeldern der Ukraine zerstört wurden.

T. lebte zuletzt in Liederbach am Taunus in Hessen, zuvor im rheinland-pfälzischen Rülzheim. E. hat eine Anschrift in Schelklingen westlich von Ulm im Alb-Donau-Kreis. Polnische Ermittler sind dem Duo auf der Spur, rekonstruierten penibel ihre jüngste Vergangenheit: die Reise zum Anschlagsziel, die Rückkehr nach Deutschland. Werten Überwachungsvideos, Mobilfunkdaten, Mautinformationen und Zeugenaussagen aus. Ein Taxifahrer liefert ihnen zudem eine Aufnahme der Gespräche, die seine Fahrgäste auf Türkisch führen.

Anschlag auf Bodenstation des Satellitennetzes Starlink in Polen

Nach Polen kommen die Männer am Morgen des 23. September in einem Mini Clubman mit Karlsruher Kennzeichen. Am Steuer: eine 24-jährige türkische Staatsbürgerin. Das Auto ist auf eine Firma in Bad Schönborn zugelassen. Ob Verantwortliche des Unternehmens von der Fahrt oder dem Anschlagsplan wissen, ist derzeit unbekannt.

In Łódź geht das Trio einkaufen, isst gemeinsam. Am frühen Nachmittag erreicht der Mini Wola Krobowska. Die Männer schlendern am Grundstück der Starlink-Station entlang. Einer trägt eine Papiertüte, der andere betritt einen angrenzenden Obstgarten. Ihre Fahrerin wendet und fährt nach Deutschland zurück. Als am Abend der Schaltschrank brennt, hat sie Polen bereits verlassen.

Die Feuerwehr verhindert, dass die gesamte Anlage abbrennt. Vollständig beschädigt wird nach Angaben in den Haftbefehlen der elektrische Verteilerschrank, der die einzelnen Teile der Station mit Strom versorgt. Die Männer fliehen. Am nächsten Morgen um 9.37 Uhr kontrolliert eine polnische Streife sie zehn Kilometer vom Tatort entfernt. E. zeigt das Foto eines Ausweisdokuments. T. gibt sich als „Sergat Ganc“ oder „Serhat Gano“ aus, nennt ein falsches Geburtsdatum. Beide geben Frankfurt als Wohnort an. Nach einer Datenabfrage lassen die Beamten sie weitergehen.

Wenig später steigen die Männer mit schmutziger, nasser Kleidung in ein Taxi nach Warschau. Sie berichten, im Wald geschlafen zu haben. Der Fahrer zeichnet ihre Gespräche auf; die Polizei lässt die Aufnahme ins Polnische übersetzen. Laut der Zusammenfassung spricht einer der Männer über eine „Aktion“, „Basis“ und einen „Satelliten“. Ein Freund aus dem Gefängnis solle Fahrkarten für die Ausreise beschaffen.

Nach Anschlag in Polen: Spur führt nach Baden-Württemberg

Auch eine Spur nach Baden-Württemberg fällt in diesem Gespräch: Ein Mann aus der türkischen Stadt Dersim, der sich im Raum Stuttgart aufhalte, habe eine Telefonnummer vermittelt. Über die könne Hilfe für die Rückreise erbeten werden. Für die Fahrerin seien „4000“ vorgesehen, sagt einer der Männer. Eine Währung nennt er nicht.

Am folgenden Tag fährt ein bislang unbekannter Mann mit einem Mercedes mit Berliner Kennzeichen nach Warschau. Nahe dem Bahnhof Warszawa Śródmieście holt er T. und E. ab, bringt sie nach Deutschland zurück. Kamerabilder zeigen auf der Rückfahrt den Fahrer und seine beiden zwei Fahrgäste. Die Strecke stimmt nach Angaben der Ermittler mit den Mobilfunkdaten eines Verdächtigen überein.

Die polnische Staatsanwaltschaft geht zwingend davon aus, dass die Männer für einen russischen Nachrichtendienst handelten. Der Anschlag habe die Starlink-Kommunikation auch in der Ukraine stören und die Unterstützung für das angegriffene Land schwächen sollen. Die Tat und die Reisewege haben polnische Ermittler detailliert rekonstruiert. Am Bahnhof Nürtingen endet die Reise des Duos, Elitepolizisten des MEK legen den beiden Männern Handschellen an.

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