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Anthropic Börsengang: Nvidia als Ankerinvestor - 2 Billionen Bewertung

Wirtschaft

Chiphersteller investiert Milliarden in seinen eigenen Kunden – und könnte damit den größten KI-Börsengang aller Zeiten befeuern. Die Verflechtungen sind enorm.

Wenn das KI-Unternehmen Anthropic an die Börse geht, könnte das sogar noch den Börsengang von SpaceX in den Schatten stellen. Wie jetzt bekannt wurde, verhandelt der Chiphersteller Nvidia offenbar darüber, als Ankerinvestor aufzutreten.

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Das berichtete Reuters unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Anthropic strebt demnach an, bis zu 100 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital zu beschaffen. Das würde den Entwickler des KI-Chatbots Claude mit rund 2 Billionen US-Dollar bewerten.

Nvidia erwäge, bis zu 10 Milliarden US-Dollar beizusteuern, so eine der Quellen.

Die Pläne befinden sich laut den Informanten noch in der Diskussionsphase und können sich ändern. Weder Anthropic noch Nvidia haben die Berichte bislang offiziell bestätigt. Anthropic lehnte gegenüber Reuters eine Stellungnahme ab und Nvidia reagierte nicht auf Anfragen.

Ein Vertrauenssignal für den Markt

Ein Ankerinvestor wie Nvidia könnte das Vertrauen anderer Anleger in den Börsengang stärken.

Das Konzept ist bei Mega-Börsengängen zunehmend verbreitet: Beim Chipdesigner Arm etwa zählten laut Reuters Nvidia und Amazon zu den Ankerinvestoren, beim SpaceX-IPO im Juni war es demnach der saudische Staatsfonds PIF.

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Sollte Anthropic sein Ziel erreichen, würde der Börsengang der SpaceX-Rekord noch übertroffen: SpaceX konnte – inklusive Mehrzuteilungsoption – knapp 86,2 Milliarden US-Dollar einsammeln.

Noch im Mai lag Anthropics Post-Money-Bewertung bei 965 Milliarden US-Dollar, nachdem das Unternehmen 65 Milliarden US-Dollar frisches Kapital eingesammelt hatte. Damit überholte es bereits die im März gemeldete Bewertung des Konkurrenten OpenAI von 852 Milliarden US-Dollar.

Der nun geplante Börsengang soll laut Reuters vor den US-Zwischenwahlen im November abgeschlossen werden. Ein früherer Reuters-Bericht ging von einem Börsengang Mitte Oktober aus.

Komplexe Verflechtungen zwischen Chiplieferant und Kunde

Die mögliche Investition Nvidias verdeutlicht die tiefen Abhängigkeiten in der KI-Branche und die Gefahr der Blasenbildung.

So ist Anthropic für den Betrieb von Claude stark auf Nvidia-GPUs angewiesen. Bereits im November 2025 hatte Nvidia bis zu 10 Milliarden US-Dollar in das Start-up investiert – als Teil einer Partnerschaft, in deren Rahmen Anthropic 30 Milliarden US-Dollar für Rechenkapazität auf Microsoft Azure zusagte, die auf Nvidia-Chips basiert.

Parallel sicherte sich Anthropic weitere Ressourcen: mehr als 100 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre für Amazons AWS mit über einer Million Trainium2-Chips sowie zusätzliche TPU-Kapazität durch Vereinbarungen mit Google und Broadcom.

Wie komplex Nvidias Rolle dabei inzwischen geworden ist, zeigt ein 35-Milliarden-Dollar-Vertrag mit dem Cloud-Anbieter Lambda: Nvidia mietet dort Rechenzentrums-Kapazität bei Hut 8, stellt sie Lambda bereit und ist zugleich an dem Cloud-Anbieter beteiligt.

Um die Abhängigkeit langfristig zu verringern, baut Anthropic laut Reuters außerdem ein eigenes Chip-Design-Team auf.

Großbanken buhlen um künftige KI-Millionäre

Wie Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtet, konkurrieren Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Bank of America, BNY Mellon und Wells Fargo bereits darum, das Privatvermögen der Anthropic-Mitarbeiter nach dem IPO zu verwalten.

Anthropic habe die Banken aufgefordert, ihre Gebührenmodelle und Dienstleistungen zu präsentieren.

Vermögensverwalter Brandon Smith von Laird Norton Wetherby bezeichnete die erwarteten Gewinne der Mitarbeiter gegenüber Bloomberg als "vergleichbar mit einem Lottoschein".

Riskante Prognosen hinter der Billionen-Bewertung

Die angestrebte Zwei-Billionen-Bewertung basiert auf ambitionierten Annahmen. Laut Reuters lag Anthropics annualisierte Umsatzrate Ende Juli bei über 65 Milliarden US-Dollar, Ende 2025 waren es noch rund 9 Milliarden. Die Bewertung stützt sich auf Unternehmensprognosen von 190 bis 200 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2028.

Wie ein früherer Bericht zu Anthropics Börsenplänen zusammenfasste, bleiben die Annahmen hinter diesen Projektionen weitgehend intransparent. Zugleich verzeichnete Anthropic laut Bloomberg allein 2025 einen Verlust von rund 42 Milliarden US-Dollar.

Der Börsengang dürfte damit zum wichtigsten Test werden, ob öffentliche Märkte bereit sind, die enormen Kapitalanforderungen führender KI-Labore dauerhaft zu tragen.

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