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Anwohner berichtet: "Wir hatten Angst" - Großbrand beschäftigt die Menschen

Nation

31.07.26 - Der Schrecken steht Paul Westphal immer noch in den Gliedern. Er war am Mittwochnachmittag gerade von der Arbeit nach Hause gekommen, wollte mit den Kindern planschen, als seine Frau rief: "Komm schnell hoch, es brennt". Dann geht alles wie im bösen Film. Der dreifache Familienvater erkennt die Situation sofort, schickt Frau und Kinder raus auf die Straße, schnappt sich schnell noch wichtige Unterlagen aus der Wohnung im Graben. In unmittelbarer Nachbarschaft oberhalb der kleinen Häuser von der Straße "Am Graben" brennt es in mehreren Fachwerkhäusern lichterloh, der Rauch zieht rüber. "Es war eine Schocksituation, wir hatten Angst und wurden zügig aus der Gefahrenzone gebracht", sagt Westphal am Freitag. Insgesamt 23 Menschen fanden in der örtlichen Jugendherberge unbürokratisch eine Unterkunft. Hunderte Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen an. Fünf Häuser sind teils komplett zerstört oder zum Großteil schwer beschädigt. In fünf Wohnungen ist praktisch nichts mehr vorhanden. Auch mehrere Geschäfte sind von dem verheerenden Großbrand in der Altstadt von Lauterbach im Vogelsbergkreis betroffen. Wir treffen die Familie Westphal vor der Jugendherberge. Dorthin wurden sie und weitere Anwohner gebracht. "Hut ab vor der Blaulichtfamilie, die sehr, sehr gute Arbeit geleistet hat. Das ist wirklich schlimm, was passiert ist. Mir tun die Leute, die alles verloren haben, sehr leid", sagt Westphal. Er und seine Familie dürfen am Freitagmittag zumindest wieder zurück in ihre Wohnung. Dankbar über die Hilfe von Bürgermeister Holger Marx und dem Team der Jugendherberge will er nun schauen, wie es in seiner Wohnung aussieht. Vor allem der Rauch dürfte die Anwohner in der Straße Am Graben und der weiteren Nachbarschaft noch lange Zeit beschäftigen. Der Großbrand ist gelöscht. "Seit vergangener Nacht um 1 Uhr können wir sagen´Feuer aus´. Es geht jetzt noch darum, die statischen Dinge zu betrachten. Die Einsatzstelle wird so gesichert, dass wir Folgeschäden etwa durch herabfallende Dachziegel oder Einstürze vermeiden", sagt Stadtbrandinspektor Jürgen Eifert am Freitagmittag gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Nach einer Abschlussbesprechung auf dem Hof des Rathauses soll die Einsatzstelle von der Feuerwehr an die Bauaufsicht des Landkreises übergeben werden. In der Nacht sorgte die Feuerwehr Freiensteinau für die Brandwache. "In der Nacht war es ruhig", war Bürgermeister Holger Marx am Freitag froh. Ebenso wie Landrat Dr. Jens Mischak (beide CDU) ist er seit dem Ausbruch des Großbrandes am Mittwochnachmittag gegen 17:07 Uhr fast ausnahmslos am Einsatzort. Sie nehmen an den Besprechungen der Hilfs- und Rettungsorganisationen und der zuständigen Behörden und Energieversorger teil. Sie leisten aber auch moralische Unterstützung für die Einsatzkräfte und sind angesichts der schlimmen Lage aber auch begeistert, wie sehr die Menschen, die Geschäftsleute die Löscharbeiten unterstützen. Immer wieder bringen Anwohner beispielsweise belegte Brötchen und Getränke. Am Mittag mussten die Kräfte der Lauterbacher Feuerwehr nochmal in einen Bereich des zentralen Brandortes hineingehen und ein weiteres Glutnest ablöschen. Eine Situation, die bei dem Ausmaß des Brandherdes völlig normal ist. Die zum Großteil völlig zerstörten Dächer werden von einem Handwerksbetrieb mit Planen abgedeckt. Runder Tisch und Ministerbesuch am Sonntag Doch wie geht es nun weiter? "Ich werde am Montag einen Runden Tisch mit den Eigentümern der Häuser und den Geschäftsleuten abhalten, um sie über den Stand der Lage abzuholen und wie das weitere Vorgehen mit der Bauaufsicht geplant ist", sagte Marx. Am Sonntag wird sich auch der Hessische Innenminister Professor Dr. Roman Poseck (CDU) ein Bild von der Lage in der Innenstadt von Lauterbach machen. Von Normalität kann auch zwei Tage nach dem Brandausbruch längst noch keine Rede sein. Der Bereich am Marktplatz ist weiter gesperrt, einige Geschäfte im unmittelbaren Umfeld weiter geschlossen. Was genau zu dem Brandausbruch führte und wie hoch der Sachschaden beziffert werden muss, steht noch nicht fest. Gerüchte dazu sind völlig unangebracht. Dass der Brand im Erdgeschoss ausgebrochen ist, kann nach Zeugenaussagen jedenfalls ausgeschlossen werden. Paul Westphal und seine Familie dürfen immerhin wieder zurück und doch ist er mit den Gedanken bei den Nachbarn. Die Aufarbeitung und der Wiederaufbau dürften noch lange andauern. (Hans-Hubertus Braune) +++

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