Anwohner verzweifelt an Zuständen in Magdeburger Viertel: "Ich fühle mich fremd"
Reporterin Jana Gareis trifft während ihrer Recherche unter anderem die sogenannte "Mauergruppe". Die Freunde leben bereits seit Jahren im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt und berichten von illegal abgeladenem Müll, Lärm, Böllern und weiteren Problemen. Einige führen die Zustände auf zugezogene Roma-Großfamilien zurück.
Ein Anwohner, der nach eigenen Angaben seit 1998 im Viertel lebt, sagt: "Ich fühle mich fremd." Vor allem rund um den Nikolaiplatz und die Lübecker Straße habe sich aus seiner Sicht viel verändert.
Auch die Einwohnerzahlen haben sich verändert. Laut MDR lebten einst knapp 160 rumänische Staatsbürger in Magdeburg, inzwischen seien es fast 3000.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit seien zudem die Sozialausgaben für rumänische Staatsbürger von gut 140.000 Euro im Jahr 2013 auf mehr als drei Millionen Euro im Jahr 2025 gestiegen.
Für die Recherche reist Gareis nach Rumänien. Besonders im Ort Fantanele, aus dem viele Menschen nach Magdeburg gezogen sind, habe sich seit ihrem letzten Besuch einiges verändert.
Zu sehen sind größe Häuser, moderne Autos und immer wieder Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen. Bewohner berichten, dass Geld aus Deutschland in den Bau von Häusern und in den Lebensunterhalt vor Ort fließt. Viele würden weiterhin regelmäßig in ihre Heimat zurückkehren.
Der Bürgermeister von Fantanele erklärt, dass ein großer Teil der Roma-Gemeinschaft zeitweise im Ausland lebe. Deutschland bleibe dabei für viele ein wichtiger Arbeits- und Lebensmittelpunkt.
Zurück in Magdeburg konfrontiert Gareis Oberbürgermeisterin Simone Borris (63, parteilos) mit der Situation.
"Wir können bloß die Symptome bekämpfen", so die 63-Jährige. Die gesetzlichen Grundlagen würden schließlich nicht von der Stadt geschaffen. Magdeburg müsse bestehende Regeln umsetzen.
Für Änderungen sieht Borris deshalb vor allem Bund, Land und teilweise auch die Europäische Union in der Verantwortung.
Die Stadt habe jedoch schon selbst über weitere Maßnahmen nachgedacht. Unter anderem sei geprüft worden, Wohnraum regelmäßiger zu kontrollieren. Das Vorhaben sei jedoch auch an fehlenden Ressourcen gescheitert.
Dass Kommunen durchaus weitere Möglichkeiten nutzen können, zeigt sich am Beispiel von Hagen in Nordrhein-Westfalen. Dort arbeitet bereits seit rund zehn Jahren eine Taskforce, an der unter anderem Polizei, Ordnungsamt und Jobcenter beteiligt sind.
Die komplette "exactly"-Reportage "EU-Armutsmigration: Sozialstaat in der Sackgasse?" seht Ihr jederzeit auf Abruf in der ARD-Mediathek.