Apple löscht Telegram-App kurzzeitig aus dem App Store
Apple hat die App des Messagingdienstes Telegram für wenige Stunden aus seinem App Store gelöscht. Grund hierfür war nach Angaben des Unternehmens ein einziger Nutzer, der auf Telegram »Material über sexuellen Kindesmissbrauch« geteilt haben soll. Nachdem Telegram die Inhalte gelöscht und den Nutzer von der Plattform entfernt hatte, hat Apple die App wieder zugelassen. Für bestehende Nutzerinnen und Nutzer hatte der Vorfall keine spürbaren Auswirkungen. Ein Apple-Sprecher bestätigte die kurzzeitige Entfernung und erklärte, bei der Überprüfung seien Inhalte gefunden worden, die gegen die Richtlinien zum Verbot von Material über Kindesmissbrauch verstießen. »Die App wurde anschließend wieder freigeschaltet, nachdem der Entwickler die Inhalte umgehend entfernt und den Nutzer, der sie gepostet hatte, gesperrt hatte«, sagte der Sprecher. Telegram ist inzwischen wieder im App Store verfügbar. Wer die App bereits installiert hatte, war von Apples Schritt ohnehin nicht betroffen. Dass Apple eine App von der Größe wie Telegram aus seinem App Store entfernt, ist außergewöhnlich. Erstaunlich ist auch, dass Apple sich so detailliert dazu geäußert hat, warum eine App entfernt wurde. Meist gibt das Unternehmen keine umfassenden Erklärungen darüber ab, aus welchen Gründen Apps entfernt werden oder warum diese im App Store verbleiben können. Telegram machte sich mit mehreren Beiträgen auf der Plattform X über den Schritt lustig. Zunächst postete das Unternehmen auf X den Satz : »Die Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben« mit einem Apfel-Emoji. Der Satz ist eine Anlehnung an den US-amerikanischen Schriftsteller Mark Twain, über dessen Tod 1897 fälschlicherweise berichtet wurde. Zudem schrieb Telegram in einem weiteren Beitrag sarkastisch: »Ich bin mir sicher, dass diese Haltung in Zukunft auch auf alle anderen Apps im Store gleichermaßen angewendet wird, oder, Apple?« Das dürfte eine Anspielung darauf sein, dass Apple von Kritikerinnen und Kritikern immer wieder vorgeworfen wird, die eigenen Regeln nicht stringent umzusetzen. Telegram wird immer wieder vorgeworfen, nicht genug gegen kriminelle und extremistische Inhalte vorzugehen, auf Behördenanfragen zur Ermittlung von Straftaten nur unzureichend zu reagieren. Im Jahr 2024 warf die Pariser Staatsanwaltschaft Durow gar Beihilfe zur organisierten Verbreitung von Kindesmissbrauchsaufnahmen und Drogenhandel vor. Durow wurde damals bei einem Zwischenstopp in Frankreich festgenommen, durfte das Land erst nach mehr als einem Jahr wieder verlassen. Im April hatte die britische Regulierungsbehörde Ofcom eine Untersuchung gegen Telegram eingeleitet, weil es Hinweise auf die Verbreitung von Kindesmissbrauchsaufnahmen auf der Plattform geben soll. Telegram wies die Vorwürfe der Kommunikationsaufsichtsbehörde »kategorisch« zurück und fügte hinzu, dass es die öffentliche Verbreitung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch durch Erkennungsalgorithmen seit 2018 »praktisch unterbunden« habe. 338.000 gesperrte Gruppen und Kanäle Das Unternehmen dementiert wiederholt, dass man nicht genug gegen strafbare Inhalte unternehme, und verweist auf die eigenen Bemühungen. Laut Telegram wurden etwa allein in diesem Jahr fast 338.000 Gruppen und Kanäle wegen der Verbreitung von Kindesmissbrauchsaufnahmen gesperrt. Eine aktuelle Anfrage des SPIEGEL zur temporären Sperrung ließ Telegram zunächst unbeantwortet.