DAX +0,74 % 26.319,45 Pkt 18:00:00 MDAX -0,06 % 32.407,20 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,33 % 6.523,86 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,57 % 54.036,93 Pkt 22:50:36 S&P 500 +0,44 % 7.757,64 Pkt 22:50:24 Nasdaq +1,24 % 26.690,62 Pkt 23:15:59 Nikkei -0,12 % 65.606,71 Pkt 08:45:02 Gold +1,36 % 4.399,70 USD 22:59:55 Silber +0,26 % 63,50 USD 22:59:56 Brent 0,00 % 83,55 USD 22:59:58 WTI 0,00 % 78,18 USD 22:59:59 Bitcoin -0,08 % 64.851,00 USD 12:10:51 EUR/USD +0,04 % 1,15620 USD 23:29:57 EUR/GBP -0,15 % 0,85670 GBP 23:29:57 EUR/CHF +0,13 % 0,93350 CHF 23:29:57 EUR/JPY +0,13 % 182,378 JPY 23:29:57

Arbeitstrend schadet der Gehirnleistung

Technologie

Startseite Panorama Schwerwiegende Fehler: Dieser Arbeitstrend schadet der Gehirnleistung Von: Andreas Apetz Uns auf Google folgen Technischer Fortschritt gibt viele Versprechen: Für Unternehmen geht es meist um Schnelligkeit und Effizienz. Für die Beschäftigten um ihre Gesundheit. Frankfurt – Die einen fürchten um ihre Jobs, die anderen wittern das Geschäft: Wie viel Arbeit lässt Künstliche Intelligenz (KI) dem Menschen übrig? Selbst die meisten Fachleute halten die Potenziale und Möglichkeiten der rasant lernenden Sprachmodelle für unkalkulierbar. Wenn es um die Arbeitsplätze der Zukunft geht, wird dem Menschen oft nur noch die Rolle als Kontrollinstanz im ansonsten KI-gesteuerten Prozess prophezeit – Expertinnen und Experten sprechen vom „human in the loop“. Unterm Strich soll eine schnellere und effizientere Wertschöpfung stehen. Doch auf wessen Kosten? Denn wie es bei KI häufig der Fall ist, lässt sich über Veränderungen und Auswirkungen nur mutmaßen, insbesondere, wenn es um den Menschen geht. In der Theorie dienen Chatbots als Assistenzsysteme, die uns den Alltag und die Arbeit erleichtern. Doch gerade im Kontext des Berufs zeigt sich bereits das Gegenteil: In Bereichen, in denen KI Arbeitsschritte komplett übernimmt und der Mensch nur noch zusieht, leidet langfristig die eigene Urteilskraft und das tiefe Systemverständnis. Dieser unsichtbare Preis wird in der Wissenschaft auch „cognitive debt“ genannt, also kognitive Schuld. „Tatsächlich mehren sich empirische Studien, die darauf hinweisen, dass eine Überdelegation von kognitiven Aufgaben an generative KI-Systeme dazu führt, dass wesentliche Kompetenzen nicht mehr erworben werden“, erklärt Ute Schmid, Leiterin des Lehrstuhls für Kognitive Systeme an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Der Einsatz von KI selbst sei nicht das Problem, vielmehr gehe es um die Art, wie sie genutzt wird: „Das Generieren von Lösungen sollte nie am Anfang stehen“, sagt Schmid. Der menschliche Denkprozess und die Auseinandersetzung mit einem Problem sollten immer der erste Schritt sein. Harvard-Studie: Falsche KI-Nutzung am Arbeitsplatz kann Effizienz und Qualität verschlechtern Eine Untersuchung für das Management-Magazin „Harvard Business Review“, veröffentlicht im März 2026, zeigt nun, wie unterschiedlich sich der Einsatz von KI auf die mentale Belastung auswirken kann. Eine Forschungsgruppe befragte dafür 1488 Vollzeitbeschäftigte in den USA, die in großen Unternehmen und unterschiedlichen Branchen arbeiten. Die Teilnehmenden machten Angaben dazu, wie sie KI nutzen, wie viele Systeme sie gleichzeitig einsetzen und wie sich das auf ihre Arbeit und ihr Denken auswirkt. Die Ergebnisse beruhen damit auf Selbstauskünften. Sie zeigen Zusammenhänge, beweisen aber keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Die Forschenden nennen die akute mentale Erschöpfung durch eine intensive KI-Nutzung „AI brain fry“, frei übersetzt: einen überlasteten Kopf. Der Softwareentwickler Francesco Bonacci beschreibt das Gefühl so: „Ich beende jeden Tag völlig erschöpft – nicht von der Arbeit selbst, sondern davon, die Arbeit zu managen.“ Besonders belastend war demnach nicht die Nutzung von KI an sich, sondern das ständige Überwachen, Prüfen und Koordinieren ihrer Ergebnisse. Wer KI dagegen monotone und wiederkehrende Aufgaben übernehmen ließ, berichtete seltener von emotionaler Erschöpfung. Am Arbeitsplatz führte die intensive KI-Kontrolle zu mehr verspürter mentaler Müdigkeit durch die erhöhte Informationsbelastung. Darunter litten auch Effizienz und Qualität der Arbeit: Wer vom „AI brain fry“ betroffen war, berichtete von deutlich mehr Entscheidungsmüdigkeit in Verbindung mit schwerwiegenden Fehlern. Lediglich die Abgabe von Routineaufgaben hatte einen positiven Effekt und senkte das Burnout-Risiko um 15 Prozent. Konzentrationsprobleme und Erschöpfung: Woran Betroffene des „AI brain fry“ leiden Die Anzeichen für eine kognitive Überlastung wie beim „AI brain fry“ sind den Betroffenen zu Beginn häufig nicht bewusst und entwickeln sich schleichend. „Ein erstes Warnsignal ist das Gefühl, trotz KI-Unterstützung nicht wirklich schneller oder klarer voranzukommen“, sagt Patrizia Thamm, Wirtschaftspsychologin und Expertin für Gesundheitsförderung bei der Krankenkasse Pronova BKK, der Frankfurter Rundschau. Typische Anzeichen seien Konzentrationsprobleme, geistige Erschöpfung, häufiges Wechseln zwischen Aufgaben, aber auch das Bedürfnis, jede Frage sofort an die KI weiterzugeben. Wer dauerhaft unter kognitiver Belastung steht, leidet auch langfristig darunter: „Hält die Überlastung an, kann aus mentaler Ermüdung chronischer Stress werden. Die Folgen reichen von Konzentrations- und Leistungsabfall über mehr Fehler und Entscheidungsmüdigkeit bis hin zu emotionaler Erschöpfung oder Burnout-Symptomen“, sagt Thamm. Wie auch Professorin Schmid empfiehlt Thamm, künstliche Intelligenz, wo möglich, nur als digitale Unterstützung zu nutzen und klar von der eigenen Intuition abzugrenzen. „Wir nutzen KI als Werkzeug, verlassen uns aber weiterhin vor allem auch auf unser eigenes inneres Navigationssystem“, sagt sie. Unsicherheiten seien normal bei technologischen Veränderungen. Das zu akzeptieren und sich mit Kolleginnen und Kollegen darüber auszutauschen, könne bereits helfen, um im KI-Wandel resilient zu bleiben.

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