ARD-Doku "Money Maker": Nic Kaufmann und der Traumberuf Influencer
Content Creator Nic Kaufmann erzählt in der ARD-Dokureihe "Money Maker" von seinem Weg an die Spitze – und von den Ängsten, die er sich dabei einhandelte. Eine Kritik von Felix Reek Diese Kritik stellt die Sicht von Felix Reek dar. Informiere dich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht. Für junge Menschen ein Traum, für Eltern eher Anlass schlafloser Nächte: In den letzten Jahren belegen immer wieder Studien, dass mehr als 40 Prozent aller Abiturientinnen und Abiturienten am liebsten Influencer werden wollen. Oder Content Creator, wie sich der neue Berufsstand selbst bezeichnet. Die Vorstellung, wie ein solches Leben abläuft, dürfte viel mit dem zusammenhängen, was die Stars dieser Szene täglich auf Social Media posten: exklusive Reisen, Geschenke von großen Firmen, Partys und viel Geld verdienen. Nur mit ein paar Fotos und Videos. Die Realität sieht natürlich anders aus. Einer, der es geschafft hat, ist Nic Kaufmann. Die ARD-Doku-Reihe "Money Maker" (15. Juli um 23:50 Uhr, ab 14. Juli in der Mediathek) begleitet den 25-Jährigen rund um die Welt. Fashion Shows in Mailand, Fotoshootings, Interviews. Die Mutter ist Inderin, der Vater Deutscher. Aufgewachsen ist Kaufmann in Singapur. Mit 17 geht er nach Deutschland und studiert Informatik. Mit 18 fängt er als Creator an. Eine strategische Entscheidung. "Ich wollte viele Follower haben", sagt er in der Doku. Also machte er weltweit alle Trends mit, um viral zu gehen. Eine geplante Influencer-Karriere. Heute hat er Follower überall auf der Welt: 18 Millionen auf TikTok, zwei Millionen auf Instagram. Geld verdient er vor allem mit Kooperationen. Mode ist sein Metier. Er bekommt von Louis Vuitton, Prada oder Gucci Geld für seine Beiträge. 1.000 bis 40.000 US-Dollar können das sein, pro Video. Also haben die Abiturienten recht? Content Creator, ein Traumberuf? Angststörungen, Depressionen und Burnout Nicht ganz. In dem Beitrag von Susan Penack kommen auch Psychologen zu Wort. Elias Jessen zum Beispiel erklärt, dass der ständige Zahlendruck die Creator am meisten stresst. Sie wüssten nie, wann ihr Content nicht mehr relevant ist und der Algorithmus sie innerhalb kürzester Zeit links liegen lässt. Angststörungen, Depressionen und Burnout sind in diesem Beruf weit verbreitet. Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass mit steigendem Erfolg Hass und Neid zunehmen. So berichtet auch Nic Kaufmann, dass er vier Jahre lang jeden Tag zwölf Stunden gearbeitet habe, ohne Pause, bis er Angstschübe bekommen habe und in Therapie gegangen sei. Dass er in der Schule gemobbt worden sei, sich als Kind als jemanden empfunden habe, "der nicht wichtig ist". Die Kompensation, der Schritt vor die Handykamera, ist nicht unüblich für Content Creator. Ein Agenturchef erzählt, dass er das von vielen Influencern kenne, mit denen er arbeite. Der Drang, endlich wahrgenommen zu werden, sei bei denen größer, die in der Schule Außenseiter waren, als bei denen, die schon damals beliebt waren. Die Tiefen des Berufs kommen zu kurz Abschrecken dürfte die halbstündige ARD-Dokumentation junge Menschen allerdings kaum. Nic Kaufmann schildert zwar die Tiefen des Berufs und spricht Trends wie Looksmaxxing an, bei dem vor allem junge Männer versuchen, ihr äußeres Erscheinungsbild systematisch zu optimieren. Doch das tut Kaufmann allzu schnell ab. Er erwähnt auffällig oft in der Dokumentation, dass ihm klar sei, dass sein gutes Aussehen einen großen Teil seines Erfolges ausmache. Insgesamt bestätigt "Money Maker", vielleicht doch ein wenig zu sehr, wie erstrebenswert der Beruf des Content Creators ist. Kaufmann bei den Fashion-Schauen in der ersten Reihe. Hinter den Kulissen, wie er sich Designerkleidung vorführen lässt. Und dabei erklärt, dass sein Urteil auch davon abhänge, ob er sie mit nach Hause nehmen darf. Die perfekten Markenbotschafter Auf alle Facetten des Daseins als Content Creator kann die Dokumentation in 30 Minuten nicht eingehen — etwa darauf, dass dieser Beruf auch deshalb existiert, weil Influencer eine gewisse Authentizität und Nähe erzeugen. Die Follower sind Teil ihres vermeintlichen Alltags. Sie meinen, sie zu kennen, sie vertrauen ihrem Urteil, sind Freunde. Nur aus diesem Grund sind sie für Firmen interessant: Sie sind die perfekten Markenbotschafter. Die Realität ist aber eben auch, dass nur ein Bruchteil der Creator davon leben kann und die Karriere der meisten auf ein paar Jahre beschränkt ist. Und dass sie zwischen den Erwartungen ihrer Follower und denen der Firmen aufgerieben werden. Empfehlungen der Redaktion Influencer, Irrsinn und ein Mann ohne Hose: Berlin ist wieder Modehauptstadt "Beauty & The Nerd" kehrt im August zurück: Das sind die neuen "Nerds" "Echter Schatz": Verkäuferin kämpft mit den Tränen Nic Kaufmann hat scheinbar einen guten Zwischenweg gefunden, das alles für sich zu managen. Die Angst, dass irgendwann der nächste Trend kommt und der nächste Influencer, der seinen Job übernimmt, wird er aber nie loswerden.