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Arendsee-Sanierung gestoppt: Landkreis lehnt umstrittenen Chemie-Einsatz ab

Wissenschaft

Nach jahrelanger Prüfung

Landkreis stoppt Chemie-Sanierung des Arendsees

Stand: 20.07.2026 14:19 Uhr

Der Arendsee wird vorerst nicht mit einem chemischen Mittel behandelt, das seine Wasserqualität verbessern sollte. Der Altmarkkreis Salzwedel hat die dafür notwendige Genehmigung verweigert. Als Gründe nannte der Kreis unkalkulierbare Risiken fürs Ökosystem und fehlende Nachhaltigkeit. Bürgermeister Klebe zeigt sich enttäuscht.

von MDR SACHSEN-ANHALT

Der Altmarkkreis Salzwedel hat einen jahrelang vorbereiteten Antrag zur Sanierung des Arendsees abgelehnt. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) wollte insgesamt 5.120 Tonnen Polyaluminiumchlorid (PAC) in zwei Schritten in den See einbringen. Das Mittel sollte Phosphor binden, da Phosphor im Wasser das Wachstum von Algen fördert. Sterben die Algen ab, verschlechtert sich die Wasserqualität und es kann zu Sauerstoffmangel kommen.

Die Untere Wasserbehörde des Landkreises sieht für den Einsatz von PAC jedoch die rechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt.

Risiken für Ökosystem im Fokus

Die Behörde begründet ihre Entscheidung vor allem mit unkalkulierbaren Risiken für das Ökosystem des Sees. Die Abbauprodukte von PAC – Aluminiumphosphat und Chlorid – würden dauerhaft im See bleiben. Da weiterhin Phosphor über das Grundwasser in den See gelangt, wäre der Effekt einer Bindung des Phosphors ohnehin zeitlich begrenzt, solange die Ursachen der Belastung nicht behoben sei.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Arendsee Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 ist. Für Eingriffe in solchen Gebieten müssten erhebliche Beeinträchtigungen sicher ausgeschlossen werden – dieser Nachweis gelang dem LHW nach Einschätzung des Landkreises nicht.

Diese generelle Ablehnung, auch ohne eine Alternative zu benennen, halte ich jetzt für sehr problematisch. Norman Klebe (CDU), Bürgermeister der Stadt Arendsee (Altmark)

Ein zentrales Argument der Behörde: Eine Behandlung dieser Dimension sei bei einem bis zu 52 Meter tiefen See bislang weltweit nicht dokumentiert. Erfahrungswerte zu Langzeitfolgen – etwa zu chemischen Nebenwirkungen von Aluminiumverbindungen – fehlten.

Bürgermeister enttäuscht

Das chemische Mittel kam bereits am Barleber See bei Magdeburg zum Einsatz. Arendsees Bürgermeister Norman Klebe (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Ergebnisse von Barleben hatten mich und den Stadtrat eigentlich optimistisch und positiv gestimmt, deshalb hatten wir auch einen Beschluss."

Der See könne sich nicht selbst helfen. Blaualgen seien im See ein großes Thema, da der Tourismus für die Region sehr wichtig sei. "Diese generelle Ablehnung, auch ohne eine Alternative zu benennen, halte ich jetzt für sehr problematisch", sagt Klebe.

Verfahren dauert schon Jahre

Der LHW hatte den Antrag bereits 2015 gestellt, die vollständigen Unterlagen lagen aber erst 2022 vor. Der Landkreis betonte, die Ablehnung sei keine grundsätzliche Absage an künftige Sanierungspläne.

MDR (Max Schörm)

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