Ärztekammer: Strafen für Menschen, die sich beim Facharzt vordrängeln
»Wer sich nicht an sinnvolle Spielregeln hält, sollte erleben, dass er im Zweifel länger wartet als jemand, der genauso krank ist, aber die Spielregeln eingehalten hat«, erklärte Reinhardt. »Am Ende kann auch die Frage nach finanziellen Mechanismen stehen.«
Reinhardt äußerte sich angesichts eines Gesetzesvorhabens der Bundesregierung aus CDU und SPD zur Einführung eines Systems bei der sogenannten Primärversorgung. Dabei sollen die Hausärzte als erste Anlaufstelle im Mittelpunkt stehen. Ziele sind die effektivere Steuerung der Patienten, eine bessere medizinische Versorgung und auch geringere Kosten.
Für alle spürbare Einschnitte
Die Einschnitte würden für alle spürbar sein, prophezeite Reinhardt. »Ärzte werden stärker hinschauen müssen, wer die Versorgung im Krankheitsfall vordringlich benötigt«, sagte er. »Jenseits dessen führt ein System, in dem Behandlungsfälle in dieser Dimension nicht mehr bezahlt werden, zu Einschränkungen. Das fängt bei Leistungen an, die nicht unmittelbar zur medizinischen Versorgung gehören.«
Mit einer stärkeren Primärversorgung könnten Wartezeiten verkürzt werden. Mit 9,7 sogenannten Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr liege Deutschland europaweit ganz weit oben. Zudem gebe es rund 220 stationäre Fälle je 1000 Einwohner, laut Reinhardt eine der höchsten Krankenhausbehandlungszahlen weltweit. »Das sind auch Folgen unseres völlig ungeregelten Zugangs zu Gesundheitsleistungen«, sagte der Präsident der Bundesärztekammer.
Mit der Gesundheitsreform soll gespart werden, aber was bedeutet das für Ärztinnen und Patienten? Ein Kinderarzt, eine Gynäkologin, ein Hausarzt und ein Psychotherapeut sagen, was sie befürchten.