ASML: Die größte Gefahr für Europas teuersten Konzern lauert in den USA
Der niederländische Chipmaschinenhersteller ASML ist so etwas wie Europas Trumpf im weltweiten Wettstreit um die Künstliche Intelligenz. Seine Maschinen sind führend, auf sie sind auch die Amerikaner und Chinesen bislang letztlich angewiesen, wenn es um die leistungsfähigsten Computerchips geht. Und er kommt mit seiner Produktion hinter der Nachfrage nicht mehr hinterher.
Nun sucht ASML daher nach Wegen, um seine Kapazität stärker zu erhöhen als ohnehin schon geplant. Wegen absehbarer Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) ließen die Kunden aus der Chipbranche erkennen, dass sie noch mehr Maschinen brauchten, berichtete der Vorstandsvorsitzende Christophe Fouquet zur Vorlage der neuen Quartalsbilanz. „Einige Kunden äußern Interesse, für 2029 und sogar 2030 Order zu platzieren.“ Nach jetziger Planung sei die Nachfrage nicht zu befriedigen. „Angesichts dessen prüfen wir Wege, die Kapazität für 2028 über die bisher kommunizierten 30 Prozent hinaus zu erhöhen.“
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Erfolgsmeldung aus Taiwan
Nach einem deutlichen Umsatzanstieg im dritten Quartal zeigte sich das Unternehmen aus Veldhoven zuversichtlicher in seiner Jahresprognose: Die Erlöse sollen nun mindestens 44 Milliarden Euro erreichen statt wie bisher avisiert 43 Milliarden. ASML ist mit seiner Marktmacht für moderne Chipmaschinen einer der zentralen Branchenindikatoren. Ein weiterer veröffentlicht am Donnerstag Zahlen, nämlich der weltgrößte Auftragschiphersteller TSMC, der wichtigste Einzelkunde von ASML.
Die Nachrichten aus Veldhoven stehen im Kontrast zur schlechten Marktstimmung, die bis dato die Woche beherrschte. Branchenvertreter fragen zunehmend, ob die KI-Hausse von Dauer ist, was Chipwerte unter Druck brachte. Am Dienstag kam ein weiterer Faktor hinzu. Der chinesische Anbieter CXMT stellte auf einer heimischen Branchenkonferenz Innovationen in Aussicht, die zu einer effizienteren Nutzung von Siliziumwafern für die Chipproduktion führen könnte – Investoren auf der Welt verkauften in großem Stil Halbleiteraktien.
Die fallenden Kurse der Chipbranche betrafen auch die drei Chipmaschinenhersteller im Leitindex AEX der Amsterdamer Börse: Das Trio führte die Liste der prozentual größten Tagesverlierer an, ASML als weitaus wichtigster Hersteller büßte vier Prozent an Wert ein. Am Mittwoch notierte das Papier nach der Quartalsveröffentlichung mehr als drei Prozent über Vortagesniveau bei 1560 Euro.
600 Milliarden Euro ist ASML wert
ASML – früher eine Tochtergesellschaft des Philips-Konzerns – ist das teuerste Unternehmen an Europas Börsen; mit derzeit gut 600 Milliarden Euro fällt die Marktkapitalisierung beispielsweise beinahe dreimal so hoch aus wie jene von Siemens. ASML beliefert die führenden Chipfertiger von Nvidia über Intel bis hin zum Branchenriesen TSMC.
Die Taiwaner brachten ASML gerade einen besonderen Erfolg ein: TSMC hat sich nach einigem Zögern für die besonders teuren „High-NA-EUV“-Geräte entschieden – die neueste Variante der EUV-Maschinen, auf die ASML global ein Technikmonopol hat. Die Abkürzung EUV steht für extrem ultraviolettes Licht.
Der Stückpreis der neuesten Variante liegt nach Unternehmensangaben „deutlich über 350 Millionen Euro“ und damit etwa doppelt so hoch wie jener für die ersten EUV-Maschinen. TSMC hatte lange den Produktivitätsgewinn in Relation zum höheren Preis angezweifelt. Nun kündigt der Konzern an, im Jahr 2030 die ersten Geräte dieser Art für die Massenproduktion zu nutzen. Samsung gibt Entsprechendes für das Jahr 2028 an. Intel hatte eine erste High-NA-EUV-Maschine 2024 installiert.
Diese drei Großkunden und ASML haben eine gemeinsame Initiative bekannt gegeben, in der sie gemeinsam an einem neuen Technikstandard für die Geräte arbeiten. Dabei geht es um eine Schlüsselkomponente im Fertigungsprozess, nämlich Fotomasken, welche die Vorlage für eine Chipschicht darstellen. Die Konzerne wollen vom jetzigen Sechs-Zoll-Standard auf Zwölf-Zoll-Versionen wechseln, um die Produktion zu beschleunigen und Kosten zu senken.
Neuer Standort in Eindhoven
Im dritten Quartal steigerte ASML den Umsatz auf 11,7 Milliarden Euro, nach 7,5 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Nettogewinn zog auf 5 Milliarden Euro an, ausgehend von 2,1 Milliarden Euro im dritten Quartal 2025. Im September unternahm das Unternehmen einen Schritt in der Heimatregion, um die Kapazitäten zu erhöhen: Es setzte im benachbarten Eindhoven den ersten Spatenstich für einen großen Campus.
Das Geschäft wird dieses Jahr vor allem angetrieben durch die EUV-Maschinen. ASML erwartet hier einen Anstieg um 45 Prozent, im restlichen Geschäft ein Plus von etwa 20 Prozent, jeweils verglichen mit dem vergangenen Jahr, wie Finanzvorstand Roger Dassen sagte. China wird nach den neuesten Erwartungen im Gesamtjahr etwa 20 Prozent zum Geschäft beisteuern. Das lässt aufhorchen, nachdem der Anteil zuletzt rückläufig gewesen war und sich auf 14 Prozent im zweiten Quartal vermindert hatte.
Das Chinageschäft nämlich kann wegen weltpolitischer Verwicklungen als eine der Hauptsorgen gelten. Von jenen EUV-Maschinen, die seit den 2010er-Jahren geliefert werden, hat es keine nach China geschafft. Die Regierung in Den Haag verweigert seit jeher auf Druck der Vereinigten Staaten die entsprechende Exportgenehmigung.
Unverändert lieferte ASML aber die schon länger etablierten Maschinen mit der DUV-Technologie („deep ultraviolet“, tiefe UV-Strahlung) dorthin – bis die Restriktionen auch auf bestimmte Modelle dieser Technik ausgeweitet wurden. Nun sieht ein Gesetzentwurf in Amerika eine noch weiter gehende Beschränkung vor: Träte der geplante „Match Act“ in Kraft, würden DUV-Maschinen generell vom Export nach China ausgenommen.
Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten sagte im September, er habe mit US-Präsident Donald Trump über den „Match Act“ gesprochen. Und zeigte sich hernach zuversichtlich, eine Vereinbarung erzielen zu können. China hatte eine Zeitlang vorsorglich DUV-Maschinen aus Veldhoven gekauft, das Land steuerte eine Weile als größter Einzelmarkt gut ein Drittel zum Umsatz zum Konzernumsatz bei.