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Asteroidenjagd aus Bremen: Mission Ramses startet

Wissenschaft

Mit Bremer Hilfe zur Rettung der Menschheit Im Jahr 2029 kommt ein Asteroid von der Größe eines Kreuzfahrtschiffs der Erde so nah wie nur ganz selten. Wissenschaftler wollen dabei Erkenntnisse über den Brocken sammeln. Video starten | 0:48 (Video) Anders als befürchtet, trifft der Asteroid "Apophis" die Erde nicht. Stattdessen bekommt er Besuch. Eine Sonde aus Bremen soll ihn begleiten und näher in Augenschein nehmen. Freitag, der 13. April, 2029 hätte ein Unglückstag für die Erde werden können. Ein Asteroid so groß wie ein Kreuzfahrtschiff fliegt auf uns zu. Er trägt den Namen eines altägyptischen Dämons: Apophis. Es klingt wie der Anfang eines Hollywood-Blockbusters, doch für kurze Zeit hatten Astronomen weltweit genau diese Befürchtung. Als Apophis damals von den Astronomen entdeckt worden ist, wurde er auf der Turiner Skala auf der Stufe 4 eingestuft. Benjamin Stippel, Projektmanager vom Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Die Turiner Skala bewertet das Kollisionsrisiko erdnaher Asteroiden oder Kometen mit der Erde. Anfangs schien die Einschlagswahrscheinlichkeit demnach vergleichsweise hoch. Ein Ereignis, das verheerende Auswirkungen für die Erde gehabt hätte. Denn: Solch ein Brocken hätte ein Gebiet von der Fläche Deutschlands nahezu verwüstet; die Nachwirkungen einen ganzen Kontinent bedroht, erläutert der Raumfahrtingenieur. Asteroidenbesuch am Freitag, den 13. Mittlerweile gibt es aber längst Entwarnung. Berechnungen zeigen, dass der Asteroid haarscharf an der Erde vorbeifliegen wird – zwischen Mond und Erde. In 32.000 Kilometer Entfernung. So nah, dass man ihn mit dem bloßen Auge beobachten kann, erklärt Benjamin Stippel. Er freut sich schon auf den Tag. Auch wenn das Ereignis bei anderen vielleicht ein gewisses Unbehagen verursachen könnte. Immerhin rast Apophis mit einer Geschwindigkeit von fast 31 Kilometern pro Sekunde nahe der Umlaufbahnen von geostationären Satelliten an unserem Planeten vorbei. Gleichwohl: Solch ein naher Vorbeiflug bietet aus wissenschaftlicher Perspektive Möglichkeiten. Quasi ein Glücksfall. Statistisch betrachtet, fliegt nur alle 7.000 Jahre ein Weltall-Gesteinsbrocken so nah an der Erde vorbei. Das haben sich auch die Verantwortlichen bei der europäischen Weltraumorganisation ESA gedacht. Bei der Mission "Ramses" (Rapid Apophis Mission for Space Safety) soll eine Sonde auf Abfangkurs geschickt werden, um eben diesen Apophis bei seinem Vorbeiflug zu begleiten und zu untersuchen. ESA-Mission "Ramses" startet – gebaut in Bremen Und da kommen Benjamin Stippel und sein Team ins Spiel. An seinem aktuellen Arbeitsplatz, einem extra abgesperrten, keim- und schmutzfreien Raum bei OHB, hängt ein riesiges Banner. Darauf zu sehen ist Apophis, die Erde und ein Satellit. Genau darunter arbeiten fünf Männer in Schutzanzügen an dem, was oben auf der Grafik schon neben dem Asteroiden herfliegt. Sie ziehen Schrauben fest, bringen Streben an. Noch ist der Satellit ein grobes Gerüst. Höchste Konzentration fordert der Montageleiter Bernd Schmeyers. Der Zeitplan ist knapp. Sie wissen: Der Asteroid wird nicht auf die Techniker warten. Im April 2028 muss der Satellit fertig sein und Richtung Apophis fliegen – sonst verpassen sie seine Flugbahn. Es ist einfach so ein Kribbeln, so was Besonderes und es macht unglaublich Spaß, Teil des Projektes zu sein. Patrick Rust, Qualitätssicherungsingenieur Patrick Rust weiß: Ihr Satellit soll Daten liefern, um zukünftig die Erde besser vor Asteroiden verteidigen zu können. Über Asteroiden ist noch vieles unbekannt Es gibt noch wissenschaftlichen Nachholbedarf, wenn es um Asteroiden geht. Astronomen weltweit können die Flugbahnen recht genau berechnen, aber über ihre Zusammensetzung lässt sich relativ wenig sagen. "Wir haben schon mehrere Asteroiden besucht, die waren alle recht unterschiedlich", sagt Benjamin Stippel. Auch deshalb soll ihr Satellit später vollgepackt sein mit Messinstrumenten: Infrarot-Kameras, Spektrometer, alles was man so gebrauchen kann für einen Asteroiden, zählen die Techniker auf. Minisatellit soll auf dem Asteroiden landen Eine Besonderheit sind zwei sogenannte "Cube-Sats": quasi Minisatelliten im Satellit, die ausgeworfen werden und um Apophis herumfliegen. "Einer wird auch versuchen darauf zu landen", erläutern die Raumfahrtingenieure, "der hat zum Beispiel einen Seismographen mit dabei, um Erdbeben zu beobachten." Wissenschaftler gehen davon aus, dass Apophis während des Vorbeiflugs an der Erde durch das Gravitationsfeld verändert wird. Das wären Daten, die komplettes Neuland wären. Für die Bremer ist klar: Das Wissen ist wichtig, um in Zukunft die Erde schützen zu können, wenn andere Asteroiden den Planeten bedrohen. Vielleicht könnten Wissenschaftler so zukünftig die gefährlichen Gesteinsbrocken aus dem All ablenken.

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