Aston Martin schöpft Hoffnung: Alonso sieht nach Update "viel Potenzial"
(Motorsport-Total.com) - Aston Martin hat beim Grand Prix von Ungarn 2026 das mit Spannung erwartete große Fahrzeug-Update an den Start gebracht. Die praktisch als B-Spec bezeichnete Weiterentwicklung des AMR26 soll das Team nach einer enttäuschenden ersten Saisonhälfte wieder konkurrenzfähiger machen. Das Ergebnis im Qualifying wertet das Team als wichtigen Erfolg. Fernando Alonso erreichte erstmals seit längerer Zeit wieder Q2 und belegte am Ende Rang 16. Zwar fehlten dem Spanier im zweiten Qualifying-Abschnitt immer noch rund 2,4 Sekunden auf die Bestzeit, doch der Vergleich mit Belgien zeigt die Fortschritte deutlich: Dort hatte Aston Martin bereits in Q1 mehr als vier Sekunden Rückstand. Der Abstand zur Spitze konnte also erheblich reduziert werden. Vor allem aber sieht Alonso im neuen Auto noch längst nicht das Ende der Entwicklung erreicht. Für den zweimaligen Weltmeister ist das größte Plus derzeit nicht die reine Rundenzeit, sondern die Gewissheit, dass das Entwicklungskonzept offenbar funktioniert. Alonso: "Keine böse Überraschung" Dass das Update grundsätzlich die Erwartungen erfüllt hat, bezeichnet Alonso als den wichtigsten Aspekt des gesamten Wochenendes. "Wenn man ein neues Auto bringt, ist es immer wichtig, dass die Korrelation stimmt und das Paket genau das liefert, was man erwartet", erklärt der Spanier. "Selbst wenn es genau das ist, womit wir gerechnet haben, war es wichtig, dass es keine böse Überraschung gibt." Denn genau dieses Risiko besteht bei umfangreichen Fahrzeug-Upgrades immer wieder. Windkanal, Simulation und Rennstrecke stimmen nicht zwangsläufig überein. Bei Aston Martin scheint dieser Abgleich diesmal gelungen zu sein. Dennoch betont Alonso, dass das Team das Potenzial des neuen Autos bislang nur ansatzweise versteht. "Wir haben in jeder Session etwas dazugelernt. Selbst nach dem Qualifying haben wir wieder etwas über die Fahrzeugbalance gelernt. Wenn wir jetzt noch eine weitere Session hätten, würden wir das Set-up wahrscheinlich erneut ändern." "Wir sind noch nicht auf dem Niveau des Pakets" Für Alonso befindet sich Aston Martin noch mitten in der Lernphase. Das sei angesichts des Umfangs der Änderungen aber völlig normal. "Wir sind noch längst nicht dort, wo das Paket eigentlich sein könnte", sagt er. "Ich glaube, dass im Auto noch deutlich mehr Potenzial steckt." Zusätzlich erschwert wurde die Arbeit durch den eingeschränkten Trainingsumfang. Nachdem Lance Stroll am Freitag wertvolle Fahrzeit verloren hatte, fehlen dem Team wichtige Vergleichsdaten. "Leider haben wir gestern auch ein Auto im Training verloren. Dadurch fehlen uns einfach Erfahrungen mit den neuen Teilen." Das macht die Abstimmungsarbeit deutlich komplizierter. Gerade bei einem so tiefgreifenden Update sammeln die Ingenieure normalerweise möglichst viele Daten, um die optimale Fahrzeugabstimmung zu finden. Mehr Abtrieb - und ein deutlich gutmütigeres Auto Gravierende Veränderungen im Fahrverhalten spürt Alonso dagegen nicht. Die grundsätzliche Charakteristik sei ähnlich geblieben. "Das Auto fährt sich mehr oder weniger wie vorher", erklärt er. "Wir haben einfach mehr Abtrieb und insgesamt mehr Grip." Gerade in schnellen Kurven zahlt sich das aus. "Das Auto ist über die gesamte Kurve etwas konstanter geworden. Beim Einlenken, im Scheitelpunkt und am Kurvenausgang ist es einfach etwas verzeihender." Genau darin sieht Alonso einen der größten Fortschritte. "Das vorherige Auto war schwieriger zu fahren." Mehr Abtrieb bedeutet also nicht nur höhere Kurvengeschwindigkeiten, sondern erleichtert den Fahrern auch, konstant ans Limit zu gehen. Wichtiger als die Position: Das Team hat wieder eine Richtung. Für Alonso geht der Wert des Updates ohnehin weit über das reine Qualifying-Ergebnis hinaus. "Es war unglaublich wichtig für alle im Team." Der Spanier erinnert daran, wie schwierig die erste Saisonhälfte verlaufen war. "Es waren harte Monate in beiden Fabriken. Wir hatten einen großen Leistungsrückstand." Das neue Paket habe zwar auf dem Papier noch keine riesigen Sprünge in der Startaufstellung gebracht, intern aber eine enorme Wirkung entfaltet. "Es hat vielleicht nicht viele Positionen verändert, aber es hat die Stimmung im Team komplett verändert." Vor allem habe Aston Martin jetzt endlich Klarheit. "Wir jagen nicht länger irgendetwas hinterher, von dem wir gar nicht genau wissen, was es ist. Jetzt wissen wir exakt, wonach wir suchen." Diese Erkenntnisse seien entscheidend für die nächsten Entwicklungsschritte. Wir kennen die Ziele für das nächste Update und wir kennen die Ziele für das Auto des kommenden Jahres. Das ist für mich die größte Veränderung dieses Wochenendes." Stroll: "Wir brauchen einfach alles" Während Alonso zumindest Q2 erreichte, schied Lance Stroll bereits im ersten Qualifying-Abschnitt aus. Der Kanadier hatte allerdings deutlich weniger Fahrzeit zur Verfügung, nachdem er am Freitag gleich zwei Sessions praktisch verloren hatte. "Gestern war sehr teuer", sagt Stroll über den Trainingsrückstand. Trotzdem sah auch er klare Fortschritte. "Wir haben definitiv mehr Abtrieb." Den entscheidenden Rückstand macht Stroll inzwischen an anderer Stelle aus. "Ich glaube, uns fehlt einfach sehr viel Motorleistung." Das sei inzwischen offensichtlich. "Es ist kein Geheimnis, dass uns Leistung fehlt. Wir machen alles, was wir können." Gerade auf dem Hungaroring, wo Motorleistung traditionell weniger stark ins Gewicht fällt als auf vielen anderen Strecken, sei das bemerkenswert. Auf den kommenden Highspeed-Kursen dürfte dieses Defizit noch deutlicher werden. Mysteriöser Ausflug in Kurve 12 Seine Q1-Runde wurde zusätzlich durch einen unerwarteten Zwischenfall beendet. "Wir waren auf der letzten Runde etwa eine halbe Sekunde schneller", berichtet Stroll. Dann habe eine kräftige Rückenwindböe in Kurve 12 das Auto überrascht. "Wir hatten ungefähr zehn km/h Rückenwind und plötzlich wollte das Auto einfach nicht mehr einlenken." Der Aston Martin schoss geradeaus ins Kiesbett. "Das war wirklich ärgerlich. Ich glaube, wir hätten heute Q2 erreichen können." Trotzdem bewertet auch Stroll das Gesamtpaket positiv. "Wir haben beim Abtrieb einen großen Schritt gemacht." Allerdings sei die Arbeit noch längst nicht abgeschlossen. "Wir brauchen einfach alles. Wir brauchen die Motorleistung der anderen. Wir müssen weiter Abtrieb finden. Und wir müssen die Balance verbessern." Denn trotz des Fortschritts gibt es nach wie vor erhebliche Schwächen. "Wir haben immer noch viele Probleme beim Handling."