Astronaut zückt sein iPhone - und fotografiert einen Monster-Taifun aus dem All
Ein Mann schwebt in die Aussichtskuppel der Internationalen Raumstation, holt sein Handy heraus und drückt ab. Das Ergebnis gehört zu den eindrucksvollsten Wetterfotos dieses Sommers. NASA-Astronaut Anil Menon veröffentlichte die Aufnahme am 2. August auf der Plattform X. Dazu schrieb er einen einzigen, fast beiläufigen Satz: der Pazifik an diesem Morgen, aus der Cupola, mit einem iPhone. Auf dem Bild windet sich ein gewaltiger Wirbel über dem Ozean, das Auge des Sturms liegt fast in der Bildmitte. Im unteren Teil des Fotos schiebt sich die Raumstation selbst ins Bild und liefert den Maßstab dazu. Cupola: der beste Aussichtsplatz im Sonnensystem Die Cupola ist ein von der europäischen Raumfahrtagentur Esa gebautes Kuppelmodul mit sechs seitlichen Fenstern und einem großen Bodenfenster. Eigentlich dient sie als Arbeitsplatz zur Steuerung des Roboterarms. Praktisch ist sie das beliebteste Fotostudio der Raumfahrt. Rund 400 Kilometer unter den Scheiben zieht die Erde vorbei, alle 90 Minuten einmal komplett. Menon ist seit dem 14. Juli im All und gehört zur Expedition 75. Der Notfallmediziner, früher erster Flugarzt bei SpaceX, soll bis ins Frühjahr 2027 an Bord bleiben. iPhones im All: 2026 ist das erste Jahr Dass die Aufnahme mit einem Smartphone entstand, ist der eigentlich neue Teil der Geschichte. Bisher fotografierten Astronauten mit schweren, aufwendig zertifizierten Spiegelreflex- und Systemkameras. NASA-Chef Jared Isaacman kündigte im Februar an, dass die Crews künftig aktuelle Smartphones mitnehmen dürfen – beginnend mit Crew-12 und der Mondmission Artemis II. Man habe langjährige Prozesse infrage gestellt und moderne Hardware im Eiltempo für den Raumflug qualifiziert, erklärte er damals. Der Zweck ist ausdrücklich auch ein privater: Die Besatzungen sollen Momente für ihre Familien festhalten können. Taifun „Dolphin“: Ein Sturm mit ungewöhnlicher Geburtsurkunde Menon nannte den Sturm nicht beim Namen. Nach Lage der Dinge handelt es sich um den Taifun „Dolphin“, den 13. Taifun dieses Jahres im Westpazifik. Am 30. Juli erreichte er Kategorie 5 mit Böen von bis zu 270 Kilometern pro Stunde und war damit der fünfte Wirbelsturm des Jahres in dieser Stufe. Besonders macht ihn seine Entstehung. Er bildete sich nahe der Datumsgrenze, also weit draußen im offenen Pazifik – nach Angaben des chinesischen Wetterdienstes ist ein solcher Ursprung in der Messgeschichte bislang nie verzeichnet worden. Entsprechend lang ist seine Reise, entsprechend selten ist es, dass ein Sturm nach dieser Strecke noch mit voller Kraft auf China trifft. Okinawa: Verletzte und 17.000 Haushalte ohne Strom Am Freitag zog „Dolphin“ dicht an Okinawa vorbei und legte dabei wieder an Stärke zu. Der Luftdruck im Kern sank auf 935 Hektopascal, die Böen erreichten rund 216 Kilometer pro Stunde. Auf der Insel wurden mindestens fünf Menschen verletzt, mehrere Häuser beschädigt. Knapp 17.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Landfall in China: Warnstufe Gelb, bis zu 600 Millimeter Regen Chinas Nationales Meteorologisches Zentrum hat die Warnstufe Gelb ausgerufen. Der Sturm soll zwischen der Provinz Zhejiang und dem Norden Fujians auf Land treffen, erwartet wird das zwischen Sonntagnachmittag und Montagfrüh. Im Osten Zhejiangs könnten bis zum 10. August mehr als 600 Millimeter Regen fallen. Im Fischereihafen von Wenling suchten bereits am Mittwoch über tausend Boote Schutz. Danach wird es unübersichtlich: „Dolphin“ könnte tagelang über Südchina verharren oder nach Norden abdrehen. Selbst seine Reste könnten Mitte kommender Woche noch Starkregen im Nordosten des Landes bringen. El Niño mischt die Saison auf Über dem Pazifik hat sich in diesem Jahr El Niño aufgebaut, das Wetterphänomen mit ungewöhnlich warmem Wasser im östlichen Pazifik. Für den Atlantik bedeutet das Entwarnung. Die Hurrikanforscher der Colorado State University rechnen in ihrer Abschlussprognose vom 5. August mit neun benannten Stürmen, vier Hurrikans und einem schweren Hurrikan. Der langjährige Schnitt liegt bei 14, sieben und drei. Für den Westpazifik gilt die Rechnung nicht in gleicher Weise. Dort entstehen in El-Niño-Jahren tendenziell weniger Stürme, die verbliebenen aber haben mehr Zeit und mehr warmes Wasser, um sich zu Ungetümen wie „Dolphin“ aufzuschaukeln. Lesen Sie mehr zum Thema