DAX +0,03 % 26.331,07 Pkt 18:00:00 MDAX +0,26 % 32.335,17 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,26 % 6.533,99 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,38 % 53.770,27 Pkt 22:43:59 S&P 500 -0,06 % 7.748,50 Pkt 22:36:53 Nasdaq -0,06 % 26.588,49 Pkt 23:15:59 Nikkei +1,26 % 68.375,07 Pkt 03:47:35 Gold +1,97 % 4.469,30 USD 03:52:35 Silber +1,14 % 65,51 USD 03:52:33 Brent -0,98 % 88,04 USD 03:52:21 WTI -1,06 % 82,32 USD 03:52:33 Bitcoin -0,03 % 63.388,81 USD 04:02:33 EUR/USD -0,13 % 1,15290 USD 04:02:21 EUR/GBP -0,02 % 0,85420 GBP 04:02:39 EUR/CHF +0,15 % 0,93760 CHF 04:02:38 EUR/JPY -0,10 % 183,658 JPY 04:02:38

Atlassian: Wer zahlt, bleibt verschont

Technologie

Wer etwas ins Netz schreibt, muss heute damit rechnen, dass eine künstliche Intelligenz (KI) daran lernt. Denn um große Sprachmodelle zu trainieren, saugen große KI-Firmen alle möglichen Informationen aus dem Internet. Bislang galt das vor allem für öffentliche Beiträge – bald gilt es auch für die Arbeitswelt. Atlassian, ein amerikanisch-australisches Softwarehaus mit rund 300.000 Firmenkunden, will ab dem 17. August bestimmte Daten seiner Kunden dafür nutzen, seine Programme zu verbessern, vor allem den KI-Assistenten Rovo. Erstmals könnten dann interne Unternehmensdaten in die KI einfließen, die später alle Atlassian-Kunden verwenden. Das ist nicht nur heikel, weil es um sensible Daten geht. Sondern auch, weil nicht alle Firmen der Datenverarbeitung widersprechen können. Atlassian bietet seinen Firmenkunden mit seinen Softwareprogrammen eine Art Gedächtnis ihrer Arbeit an. In der Software geben die Firmen an, wer woran arbeitet und was als Nächstes geplant ist. In vielen Büros sind zwei Atlassian-Programme seit Jahren Standard, besonders in der Softwareentwicklung: Mit Jira können Teams ihre Aufgaben planen, organisieren und verfolgen. Mit Confluence haben sie eine Art internes Firmenlexikon, in dem sie Informationen dokumentieren können. Kurzum: In der Atlassian-Software speichern Firmen wichtige Daten. Dieses Arbeitsgedächtnis greift Atlassian nun ab. Wie viele der betroffenen Organisationen deutsche Firmen sind, weist Atlassian nicht aus. Allein in Deutschland listet das Unternehmen mehr als 90 Beratungshäuser als Partnerfirmen. Kunden sind außerdem Konzerne wie Mercedes-Benz, wo nach Angaben von Atlassian mehr als 50.000 Beschäftigte über dessen Cloud arbeiten. Die neue Regel dürfte auch viele kleine Firmen und Mittelständler treffen. Auch die ZEIT arbeitet mit der Software von Atlassian. Atlassian ist mit seiner neuen Praxis nicht allein. Auch die Programmierplattform GitHub, die zu Microsoft gehört, hat die Datennutzung ihres KI-Assistenten Copilot ausgeweitet. Peter Wedde sieht darin ein Muster. »Viele große Anbieter nutzen alle erreichbaren Daten, um ihre KI zu trainieren«, sagt der emeritierte Professor für Arbeitsrecht an der Frankfurt University of Applied Sciences. Manchen Firmen gibt Atlassian keine Wahl Um zu verstehen, welche Daten vom KI-Training betroffen sein können, ist es wichtig, zwischen zwei Datenkategorien zu unterscheiden. Die eigentlichen Inhalte sind sogenannte In-App-Daten. Darunter fallen etwa die Lexikonseiten in Confluence, die ein Unternehmen angelegt hat, um internes Firmenwissen festzuhalten. Auch die Beschreibung einer neuen Aufgabe für einen Mitarbeiter in Jira gilt als In-App-Datum. Die zweite Datenkategorie sind die Metadaten, sozusagen die Messdaten drumherum. Sie entstehen etwa, wenn ein Team eine Aufgabe in Jira anlegt. Ein solches Datenpaket umfasst zum Beispiel, wie umfangreich die Aufgabe ist und ob es sich um einen Vorgang aus dem Vertrieb oder einer anderen Abteilung handelt. Zu den Metadaten zählt auch eine Art Landkarte, wer mit wem woran arbeitet und welche anderen Dienste wie Slack oder Salesforce verwendet werden. Welche Daten Atlassian nun zum KI-Training nutzt, hängt vom Tarif eines Unternehmens ab. Den sensiblen In-App-Inhalten kann jede Firma widersprechen. Bei den Tarifen Free und Standard ist ihre Weitergabe zunächst eingeschaltet. Firmen müssen einen Schalter drei Mausklicks tief in den Einstellungen finden, damit die internen Firmendaten nicht für das KI-Training verwendet werden. Bei Premium und Enterprise ist sie zunächst ausgeschaltet. Anders ist es bei den Metadaten. Hier erlaubt nur der teuerste Tarif Enterprise den vollständigen Widerspruch. Wer Free, Standard oder Premium nutzt, hat dafür keinen Schalter. Das ist brisant. Nicht nur weil Atlassian diesen Kunden offenbar keine Wahl lässt. Sondern auch weil sich aus den Metadaten ablesen lässt, wie eine Organisation arbeitet, in welchem Takt und mit welchen Prioritäten. Über die Inhalte behalten alle die Kontrolle; über die Metadaten nur, wer den teuersten Tarif bezahlt. Atlassian bestätigt dieses Vorgehen auf Anfrage. Metadaten würden in Free, Standard und Premium »immer beigesteuert«, um Kernfunktionen wie die Suche zu verbessern, sagt ein Atlassian-Sprecher. Die eigentlichen Inhalte könnten dagegen alle Kunden abschalten. Das Unternehmen verweist auf seine Schutzvorkehrungen: Alle beigesteuerten Daten würden »de-identifiziert und aggregiert«, Namen und E-Mail-Adressen fielen vorher heraus. Ein Risiko bleibt allerdings bestehen. Denn eine Aufgabe, die etwa »Stellenabbau Standort Süd« heißt, verrät dennoch etwas über die Strategie eines Unternehmens – auch wenn Klarnamen vorher entfernt wurden. Hinzu kommt: Die aus den Daten gewonnenen Muster sollen Atlassians Programme und KI für alle Kunden verbessern. Dass die Konkurrenz von Erkenntnissen aus den eigenen Daten profitiert, dürfte nicht jedem Unternehmenschef gefallen.

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