Audi gegen FIA-Entscheidung: Darum ist das Monza-Ergebnis noch nicht endgültig
(Motorsport-Total.com) - Laut Informationen von Motorsport-Total.com wird Formel-1-Neueinsteiger Audi Berufung gegen die Entscheidung der Sportkommissare einlegen, Racing-Bulls-Fahrer Yuki Tsunoda beim Grand Prix von Italien 2026 in Monza nicht zu bestrafen, obwohl Tsunoda eine zusätzliche Einführungsrunde verursacht hatte.
In einer Stellungnahme hatte Audi bereits am Sonntagabend seine Absicht erklärt, gegen die Entscheidung vorzugehen. Damit verschaffte sich das deutsche Werksteam ein Zeitfenster von 96 Stunden, um das Reglement genauer zu prüfen, seine Argumentation vorzubereiten und endgültig zu entscheiden, ob es die Berufung weiterverfolgt. Diese Frist läuft am Donnerstagabend (10. September) ab.
In der bevorstehenden Anhörung beim Berufungsgericht des Automobil-Weltverbands (FIA) wird die Entscheidung der Sportkommissare erneut geprüft. Was sich Audi davon verspricht: eine nachträgliche Strafe gegen Tsunoda und damit ein korrigiertes Ergebnis, durch das Audi-Fahrer Gabriel Bortoleto auf Platz zehn vorrücken würde - und damit in die Punkteränge. Denn Bortoleto war in Monza sieben Sekunden hinter Tsunoda Elfter geworden.
Was Renndirektor Rui Marques mit dem Fall zu tun hat
Die strittige Situation hatte sich bereits vor dem eigentlichen Rennstart ereignet: Formel-1-Renndirektor Rui Marques war nicht mit der Art und Weise einverstanden, wie Tsunoda in seiner Startbox stand, denn dessen Auto war in Richtung Boxenmauer angewinkelt. Deshalb ordnete Marques eine weitere Einführungsrunde an.
Die FIA-Sportkommissare untersuchten den Vorfall nach dem Rennen, entschieden jedoch, Tsunoda nicht mit der üblichen Stop-and-Go-Strafe zu belegen. Da die Strafe zu diesem Zeitpunkt nicht mehr hätte abgesessen werden können, wäre sie in eine Zeitstrafe von 30 Sekunden umgewandelt worden.
Doch Artikel B5.9.4 des Sportlichen Reglements der Formel 1 für 2026 besagt: "Jeder Fahrer, der eine zusätzliche Einführungsrunde verursacht hat und anschließend in der Lage ist, an dieser oder einer weiteren zusätzlichen Einführungsrunde teilzunehmen, muss am Ende der Runde in die Boxengasse fahren und [...] vom Ende der Boxengasse starten."
Warum Racing Bulls nicht informiert wurde
Tsunodas Racing-Bulls-Team argumentierte jedoch, sein Fahrer habe sich nicht außerhalb seiner Startbox befunden und auch keinen Einfluss auf seine Konkurrenten gehabt.
Marques erklärte zudem, er habe aus besonderer Vorsicht gehandelt. Deshalb sei Racing Bulls von der Rennleitung nicht darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass Tsunoda als Verursacher der zusätzlichen Einführungsrunde angesehen werde. Für das Team habe es somit keinen Anlass gegeben, seinen Fahrer anzuweisen, aus der Boxengasse zu starten. Die Rennkommissare folgten dieser Auslegung des Reglements.
Wie Audi jetzt argumentieren könnte
Audi vertritt dem Vernehmen nach die Auffassung, dass das Reglement für Fahrer, die eine zusätzliche Einführungsrunde verursachen, eindeutig ist. Ein mögliches Argument lautet: Wenn der Rennleiter Tsunodas Position in der Startaufstellung für problematisch genug hielt, um den Startvorgang abzubrechen und eine weitere Einführungsrunde anzuordnen, hätte Tsunoda unabhängig von den weiteren Umständen aus der Boxengasse starten müssen.