Auf starke Quartalszahlen folgt der dennoch Kursrutsch
Netflix hat am Dienstag nachbörslich die Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal 2026 veröffentlicht.
Analysten hatten für das vergangene Jahresviertel im Schnitt einen Gewinn von 0,821 US-Dollar je Aktie erwartet, nachdem der Streaminganbieter im Vorjahreszeitraum noch ein EPS von 0,59 US-Dollar erzielt hatte. Tatsächlich lag der Gewinn je Aktie bei 0,87 US-Dollar. Damit fiel das Ergebnis besser aus als erhofft.
Beim Umsatz rechneten Experten mit durchschnittlich 12,87 Milliarden US-Dollar, nach 11,51 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Netflix meldete tatsächlich einen Umsatz von 12,87 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zur Konsensschätzung traf dieser damit die Erwartungen.
An der NASDAQ reagierte die Netflix-Aktie vorbörslich mit einem Kursverlust von 6,33 Prozent auf 64,34 US-Dollar auf die Quartalszahlen.
Netflix wächst langsamer
Netflix hat das vergangene Quartal mit dem schwächsten Wachstum seit Jahren abgeschlossen. Der Streaming-Marktführer will nun unter anderem dafür sorgen, dass Nutzer mehr Zeit mit seinen Filmen und Serien verbringen. "Wir wollen der Unterhaltungs-Dienst sein, den man haben muss", sagte Co-Chef Ted Sarandos in einer Videokonferenz mit Analysten. "Wir wissen, dass wir es besser können", pflichtete ihm sein Kollege Greg Peters bei.
Der Umsatz legte im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar zu. Das war der niedrigste Zuwachs seit drei Jahren - der Wert entsprach zugleich den Erwartungen der Analysten. Unter dem Strich wuchs der Gewinn um rund 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar.
Zweifel an Nutzer-Aktivität
Netflix ist nach wie vor die klare Nummer eins im Videostreaming. Doch das Geschäft wächst laut einem jüngsten Eingeständnis von Sarandos nicht so schnell wie erhofft. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Berichte, dass die Aktivität der Netflix-Zuschauer laut Marktforschern abnimmt.
Bei der vergangenen Runde von Preisverleihungen gingen Filme und Serien des Streamingdienstes weitgehend leer aus. Auf Hits wie "Stranger Things" oder "Squid Games" folgten keine Titel, die sich ähnlich im Zeitgeist etablieren konnten.
Neuer Programmchef
Vergangene Woche kam dann der Knall: Netflix strich rund sechs Prozent der Arbeitsplätze, etwa 1.000 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Die Umwälzungen reichen bis in die Chefetage. Die langjährige Programmverantwortliche Bela Bajaria, die die Vision umsetzen sollte, dass möglichst alle Zielgruppen überall auf der Welt etwas für sich bei Netflix finden können, musste gehen.
Kurz danach traf es auch Filmchef Dan Lin. Bajarias Rolle übernimmt nun Peter Rice, der bei klassischen Studios wie Disney Karriere machte. Es wird spekuliert, Netflix könnte mit Rice mehr Filme zunächst breit in Kinos bringen - etwas, was Sarandos stets als Ablenkung vom Kerngeschäft abschmetterte.
Auch jetzt unterstrich Sarandos, dass Netflix zuallererst auf Streaming ausgerichtet sei. "Das ist unser Kern." Zugleich werde man einige Filme wie etwa den "Narnia"-Streifen von "Barbie"-Regisseurin Greta Gerwig zunächst für 45 Tage exklusiv in Kinos bringen - so wie es traditionelle Studios machen.
Peters stellte zugleich in Aussicht, dass Netflix den in Frankreich erprobten Deal, bei dem das Programm von TF1 über die Streaming-Plattform verfügbar ist, auch mit anderen Partnern eingehen könnte.
Verlorener Bieter-Wettstreit
Im vergangenen Jahr versuchte Netflix, mit dem Kauf des Studio- und Streaminggeschäfts von Warner Brothers für rund 80 Milliarden Dollar zu wachsen. Das hätte das Netflix-Sortiment um die TV-Bibliothek des Bezahlsenders HBO und fürs Kino gemachte Filme erweitert.
Doch der Hollywood-Rivale Paramount setzte sich am Ende mit einem Gebot für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery samt Fernsehsendern wie CNN durch.
Analysten bleiben gelassen
Der Tenor der Analysten auf die Zahlen ist im Vergleich zur Kursbewegung versöhnlicher: Die Resultate des Streaminganbieters hätten die Konsensschätzungen weitgehend erfüllt, schrieb John Colantuoni von Jefferies. Zudem sprach er von gesunden und ermutigenden Abonnenten- und Preistrends. Die Aktie hält er daher für eine gute Anlagemöglichkeit im kommenden Jahr und bestätigte seine Kaufempfehlung.
Eric Sheridan von der US-Investmentbank Goldman Sachs hob den erneuerten Fokus von Netflix auf seine Inhalte in den USA und die Streaming-Aktivität der dortigen Abonnenten hervor. Damit versuche der Konzern, die operative Entwicklung in dem Markt seinem weltweiten Erfolg anzunähern, schrieb er. Dies dürfte auch weiterhin der wesentliche Punkt für Investoren sein, wenn es um die Frage gehe, wie sich die Aktie vom gegenwärtigen Niveau aufwärts bewegen könne. Der Ausblick auf das vierte Quartal sei unterdessen zwar etwas enttäuschend ausgefallen, die Prognose könnte sich laut dem Experten aber durchaus als zurückhaltend erweisen.
Claudia Stephan, Thomas Zoller, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX