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Aufatmen in München: Wieso der Bayern-Block weiter benötigt wird

Sport

Würde man der Beziehung zwischen dem FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft einen Facebook-Status geben, würde er wohl lauten: Es ist kompliziert. Denn selbst wenn Harmonie herrscht, braucht es nicht allzu viel, um für Streit zwischen dem Rekordmeister und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu sorgen, wie die Geschichte zeigt.

Klopp beruft neun Bayern-Stars

Immerhin: Momentan kann von Zoff zwischen den beiden Parteien keine Rede sein. Denn die Unkenrufe, dass die Ära des Bayern-Blocks im DFB-Team mit der Verpflichtung von Jürgen Klopp als neuem Bundestrainer vorbei sei, erwiesen sich schnell als falsch.

Insgesamt neun FCB-Stars berief Klopp in den Doppelkader für seine erste Länderspielpause. Für die Duelle mit den Niederlanden (1:1) und Griechenland setzte Klopp auf Nathaniel Brown, Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Jamal Musiala und Serge Gnabry. Die zweite Hälfte des DFB-Lehrgangs wird dann von Jonas Urbig, Tom Bischof, Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl bestritten.

Gemischte Bilanz des FCB-Quartetts

Bei der Nominierung blieb es nicht. Gegen die Niederlande ließ Klopp aus dem FCB-Quintett vier Mann von Beginn an spielen. Oder besser gesagt, hätte er vier Bayern in seiner Startelf gehabt, wenn sich Musiala nicht kurz vor Anpfiff eine Oberschenkelblessur zugezogen hätte.

So durften Brown, Tah und Kimmich das Klopp-Debüt von Anfang an bestreiten, während Gnabry in der Schlussphase für Karim Adeyemi ins Spiel kam. Die Bilanz des Quartetts fiel gemischt aus.

Kimmich zeigte eine ansprechende Leistung im defensiven Mittelfeld. Der DFB-Kapitän leitete den kontroversen Treffer zum 1:0 durch Felix Nmecha ein. Anders als in München war Kimmich oft in der Abwehr gefordert, weil die DFB-Elf kaum lange Ballbesitzphasen generieren konnte.

Adeyemi-Fehlschuss verhindert Brown-Assist

Für den 31-Jährigen bedeutete das gegen die blitzschnell umschaltenden Niederländer viel Laufarbeit. Bei Ballverlusten der Klopp-Auswahl war Kimmich meist unter den ersten DFB-Stars, die auf ihre Position innerhalb der defensiven Struktur zurückkehrten. Kurzum: An ihm führt für Klopp in der Zukunft kein Weg vorbei.

Auch Brown konnte als Linksverteidiger Werbung für sich betreiben. Zwar hatte der 23-Jährige im Eins-gegen-eins mit Crysencio Summerville seine liebe Not, konnte aber offensiv gute Akzente setzen und hätte eine Vorlage gesammelt, wenn Adeyemi in der 39. Minute aus kurzer Distanz nicht über das Tor geschossen hätte.

Tah noch nicht sattelfest

Schwieriger zu bewerten war der Auftritt von Tah. Der 30-Jährige machte in einigen Situationen eine unglückliche Figur und hatte in der 11. Minute Glück, dass sein robuster Einsatz gegen Brian Brobbey nach einem Stellungsfehler nicht mit einem Strafstoß geahndet wurde.

Zwar verlieh seine Eingespieltheit mit Kimmich dem deutschen Spiel merklich Stabilität, die Tür für Konkurrent Waldemar Anton um den Platz neben dessen BVB-Kollegen Nico Schlotterbeck in der Innenverteidigung schloss er allerdings nicht.

Gnabry fehlt die Spielpraxis

Und dann war da Gnabry, für den der Kurzeinsatz gegen die Elftal erst die zweite Partie nach seiner monatelangen Verletzungspause war. Die fehlende Spielpraxis machte sich vor dem verdienten Ausgleich durch Cody Gakpo in der Nachspielzeit bemerkbar, als Gnabry den Ball an der Mittellinie verlor und so ungewollt den Konter zum 1:1 einleitete.

Insgesamt war der Auftritt von Klopps Schützlingen keine Glanzleistung. Immer wieder waren in der Defensive Abstimmungsprobleme zu bemerken, während die Mannschaft offensiv Probleme hatte, Bälle in der gegnerischen Hälfte festzumachen.

Bayern-Block als stabilisierender Faktor im Übergang?

In der letzten Konsequenz ist das zumindest kurzfristig ein klares Argument für mehr Bayern-Spieler in der deutschen Startelf. Kimmich und Co. sind eingespielt und haben gemeinsame Routinen, von denen das Spiel der DFB-Elf in der Übergangsphase nur profitieren kann.

Dazu kommen die individuellen Qualitäten. Der inzwischen abgereiste Musiala, Gnabry in Normalform oder Karl sind Unterschiedsspieler, die mit ihrem Spielwitz für Chaos in den gegnerischen Hintermannschaften sorgen können, gleichzeitig aber wissen, wann ein Rückpass die bessere Option ist.

Letzteres gilt insbesondere für Kimmichs Partner auf der Doppel-Sechs des FCB. Pavlovic strahlt mit 22 Jahren eine Ruhe aus, die dem DFB-Team am Donnerstagabend in den Phasen der niederländischen Überlegenheit gutgetan hätte. Erkenntnisse, die auch Klopp mit seiner Expertise kaum verborgen bleiben dürften.

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